Projektreise nach Guinea-Bissau vom 30.10. bis 13.11.2009

Eine Reise mit ganz vielen Hindernissen im Vorfeld, frei nach Bert Brecht: „mach nur einen Plan, sei ein großes Licht……………
Es gibt zur Zeit nur 3 Möglichkeiten nach Bissau zu gelangen: über Lissabon mit Ankunft um 1.30h nachts in Bissau und Rückflug um frühestens 2.30, aber eigentlich oft verspätet, z.B. um 6.30h, mit sehr häufig einige Tage verspätet eintreffenden Koffern, die anderen Möglichkeiten über Paris oder Madrid mit Zwischenübernachtung in Dakar, der Hauptstadt des Nachbarlandes Senegal, und dann am nächsten Tag Weiterflug nach Bissau.
Bei 3 berufstätigen Frauen ist die Planung zweier gemeinsamer Wochen schon nicht so ganz einfach. Da zwei von ihnen noch gar keine Afrikaerfahrung hatten, haben wir uns für die augenscheinlich weniger anstrengende Art und das langsamere Ankommen über Dakar entschieden.
Nach der Buchung fast jeden Tag eine neue Flugänderung. Der Höhepunkt war, daß der Anschlußflug, die einzige Flugmöglichkeit an dem von uns gewählten Tag, annuliert und der Rückflug so gelegt wurde, daß wir pro Flug 2 Tage veranschlagen mußten, und das bei sowieso nur 14 Tagen und einem ewiglangen Terminkalender zum Abarbeiten!
Und dann haben wir das Beste aus unserer Situation gemacht und unseren Tag in Dakar genossen. Einfaches Hotel mit Baden im Meer, beeindruckende Bautätigkeiten in der Stadt, Marktgetümmel, immer in unfreiwilliger Begleitung von mehreren jungen Männern, die sich alle auf der Stelle in die Jüngste von uns unsterblich verliebt hatten und sie sofort heiraten wollten (der beste Brautpreis waren 1000 Kühe!), abenteuerliche Überfahrt auf ein nahegelegenes Inselchen, Gang durch eine Fischerkooperative, Besuch eines magischen, 800 Jahre alten Baobabs, dem jede von uns 2 Wünsche anvertrauen durfte………………
„Madame, tu sais, l´Europe c´est tecnique, l´Afrique c´est magique”, bemerkte unser Führer.



Ein italienischer Freund und großer Bissaukenner und –liebhaber, hat mir vor meiner Reise eine Projektevaluierung ans Herz gelegt. Seit 2005 betreue ich nun schon die Projekte, fliege mindestens einmal im Jahr nach Bissau, mit enormem zeitlichen Aufwand vor und nach der Reise (Übersetzungen ins Portugiesische, Kursvorbereitung, Reisebericht……), und das alles neben der normalen, viel Zeit verschlingenden Arbeit, der Familie, dem Verein……
Lohnt es sich? Mit dieser Unsicherheit kam ich nach Guiné zurück.
Bissau, 29° C, hohe Luftfeuchte mit dem ständigem klebrigen Feuchtigkeitsfilm auf der Haut, zu Ende gehende Regenzeit, strahlende Grüntöne, mannigfache Grün-Gelb-Schattierungen, der erste Reis wird geerntet, außer Guavas und den typischen grünschaligen Orangen relativ wenige Früchte auf dem Markt, dafür aber frisch geerntete kleine Erdnüsse, die wir gekocht, frisch geröstet oder fein gestampft mit Zucker vermengt angeboten bekommen, ein für die Jahreszeit ungewöhnlich starker Tropenregen, der im Nu alles unter Wasser setzt und die Straßen der Bairos in reißende Flüsse verwandelt, die Freude vieler Guinienser mich wiederzusehen, meine bisher für sie unbekannten beiden Mitreisenden werden genauso freudig begrüßt.


Wir genießen Reis mit Erdnußsauce oder Caldo de Chabeu (Soße mit rotem Palmöl), Okra mit Bagitchiblättern zu Schaum geschlagen, frischen Fisch, gestampfte Zwiebeln mit Piripiri und Zitronensaft, Baobabsaft und andere Köstlichkeiten.
Wie liebe ich es, von dem lauten Geschrei der Vögel, dem dumpfen Stampfen des Reises morgens geweckt zu werden. Dann ein kurzes Frühstück und schon geht es los, das Gerenne.
Wir wollen in der kurzen uns zur Verfügung stehenden Zeit natürlich maximal viel erreichen, viele besuchen, mit vielen sprechen, „mach nur einen Plan….“ Und dann ist niemand da oder in einer wichtigen Besprechung und wir müssen permanent umplanen und rennen atemlos den Terminen hinterher.



Heilpflanzengärten

Wir haben die Heilpflanzengärten besucht, ihre unterschiedlichen Schwierigkeiten gesehen und versucht, zusammen mit den Betreuern Lösungsmöglichkeiten zu finden. Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es immer, von anderen Projekten zu erzählen und zu vernetzen. So konnten wir dem Verantwortlichen des Gartens aus Mansoa, der ganz verzweifelt darüber war, daß die Termiten einen großen Teil der Pflanzen in seinem Heilpflanzengarten vernichtet hatten, von einer Pflanze erzählen, die die Agraringenieure in Cantchungo zum Schutz vor diesen gefräßigen Ameisen um ihr Gewächshaus herum anbauen. Sie hatten den Tip von einem sehr alten Dorfbewohner bekommen.
Das Projekt in Cantchungo hat sich was den Gemüseanbau betrifft, sehr gut weiterentwickelt und ist sehr gut in den Dörfern integriert, hat sich allerdings von dem Überfall Anfang des Jahres noch nicht erholt. Es sind unbedingt eine nächtliche Beleuchtung und Bewachung nötig.
Wir wollen die Möglichkeit der Beschaffung von Solarpanels und einer Batterie prüfen.
Jetzt zum Ende der Regenzeit wird der Heilpflanzengarten angelegt werden.
Eine 2.Brücke über einen Fluß im Norden des Landes ist fertiggestellt worden und damit von Bissau aus ein schnelles Erreichen des Senegals möglich, was sich auch auf den Handel positiv auswirkt. Normalerweise kann man an der Straße immer Früchte kaufen. Diesmal gab es nicht einmal ein winziges Banänchen.
Im Norden Guineas, in Cacheu, lernten wir ein weiteres von brasilianischen Ordensschwestern unter der Leitung von Caritas stehendes Projekt kennen. Es wird dort ein Pulver aus verschiedenen Früchten, Nüssen, Reis und getrockneten Blättern, genannt „multimistura“ zur Behandlung von unterernährten Kindern und Schwangeren hergestellt.

Als ich die Pflanze Moringa 2007 in dem Heilpflanzenkurs als eine hervorragend gegen Unterernährung einsetzbare Pflanze vorgestellt habe, hieß es, die Moringablätter könnten nicht mit aufgenommen werden, weil sonst eine neue (sehr teure) Analyse in Portugal erforderlich wäre. Nun war wegen Schwierigkeiten mit 2 Ingredientien doch eine neue Analyse notwendig und Moringa mit eingemischt worden. Die Analyse zeigte einen weitaus besseren Nährwert und vor allem höheren Eisenwert!!!! Moringa wird jetzt in allen Zentren angebaut und verarbeitet, in den Ernährungskursen in den Dörfern wird sie immer ganz besonders hervorgehoben. (haben sich meine 5 Jahre doch gelohnt?)
Das Projekt in Cacheu besitzt einen riesigen Garten, überall wachsen Manjok, Süßkartoffen, Hirse, aber auch wunderschöne Blumen und sogar 2 Weinreben entdecken wir. Wir bewundern ein hervorragend konstruiertes Trocknungshaus. Im diesem Jahr wurden dort 500kg Multimistura und 1000kg Breimischung hergestellt! Das Projekt würde gerne für PAM (Welternährungsprogramm) produzieren, das scheitert allerdings an deren Bürokratie.

Kurs in Heilpflanzenkunde


Der Kurs findet zum ersten Mal auf dem Dorf in dem Tagungszentrum von Caritas in Nhabijon statt. 20 Teilnehmer von 5 verschiedenen Zentren sind gekommen. Bei den früheren Kursen in Bissau hatten wir immer einen sehr heißen und durch den Straßenlärm sehr lauten Raum zur Verfügung, und die Teilnehmer hatten in den Kurstagen natürlich immer auch viele andere Dinge in der Hauptstadt zu regeln. In Nhabijon waren wir 2 ½ Tage zusammen, es wurde zusammen gegessen, und abends saßen wir zusammen und es wurde gesungen und Geschichten erzählt. Die Teilnehmer haben sich mehr als eine Einheit empfunden, es gab sehr viele Gespräche und Diskussionen, auch über nicht medizinische Themen. Der Unterricht fand wegen einer Ameiseninvasion (eine Sorte, die ganz extrem beißt) unter dem Palmdach statt. Hier hatten wir die Möglichkeit, auch praktische Übungen zu machen und bei Unklarheiten über eine bestimmte Pflanze, konnten wir hinaus in die Natur gehen und sie dort anschauen.


Kursinhalte: Die Dateien auf meinem Stickspeicher, die ich für den Kurs vorbereitet hatte, sind beim Versuch sie in Bissau zu kopieren gelöscht worden (dafür trug ich 80 Viren nach Deutschland zurück). Die Kursunterlagen für die Kursteilnehmer waren deshalb sehr lückenhaft.
- Besprechen von Problemen in den einzelnen Gruppen (ein Problem in allen Gruppen ist der nicht mehr akzeptierte Freiwilligenstatus, deshalb wird Ende Januar ein betriebswirtschaft-licher Kurs abgehalten werden),
- gemeinsames Konzept und Auswahl von Heilpflanzen für die Kurse der Basisgesundheits-zentren in den Dörfern,
- Probleme und Möglichkeiten der Trocknung und des Dörrens (verschiedenen Trockengeräte, die wir auf unsere Reise in Guinea gesehen hatten, wurden vorgestellt, so auch der alte, zu einem Ofen!! umfunktionierte Kühlschrank aus Bissau). Die aus Deutschland mitgebrachten Trockenfrüchte stießen auf große Begeisterung, die getrockneten Tomaten allerdings nur bei den beiden Italienerinnen, von den Guiniensern wurden sie diskret entsorgt. Der Leiter von Nhabijon war von dem vorgestellten Solarofen ganz begeistert und will versuchen einen zubauen.
- Seifenproduktion (mit rotem Palmöl erzielten wir ein sehr gutes Ergebnis), die Schutzbrillen, die wir mitgebracht hatten, wurden sehr geliebt und wir hätten sie ohne Probleme als neuen Modegeck für die Männer einführen können.
- Vorstellen einer einfachen Methode der Familienplanung für Analphabetinnen (Perlenkette)
- Potenzierung der Luffagurke bis D4,
- Vorstellung der Pflanze „Massite“,die wegen ihrer bakteriziden Wirkung bei bakteriell bedingtem Durchfall und auch bei der Gonorrhoe (sogar bei penicillinresistenten Keimen) mit sehr gutem Effekt eingesetzt werden kann.

Heilpflanzengarten

Das Team von Nhabijon hatte sich sehr große Mühe gegeben, den Heilpflan-zengarten, der von „Tabanka“ finanziert worden war, bis zu unserer Ankunft anzulegen (wir hatten ihn im Januar vor Ort geplant). Es soll nicht nur ein Schaugarten sein, sondern er soll auch der Pflanzenproduktion dienen. Die Kursteilnehmer wurden aufgefordert, ihn zu nutzen, bzw. auch Änderungs- und Verbesserungsvorschläge zu machen. Die schon vorbereiteten Namens-täfelchen müssen noch beschriftet werden.



Die Kursteilnehmer haben sich mit Liedern und Tanz von uns verabschiedet. Sie haben die Wichtigkeit des Kurses, neue Heilpflanzen kennen zu lernen und damit eine größere Auswahl zur Verfügung zu haben unterstrichen. Meine Skripte würden ihnen sehr helfen und sie würden oft darin nachschauen.
Zum ersten Mal wurde ich offiziell als „mulher grande“ (alte Frau, „alt“ im Sinne von weise) angesprochen (soll ich stolz darauf sein oder nicht? Ich bin es.). Es ist keine Frage, wie meine Evaluierung ausgefallen ist!!! Ich werde weitermachen und mir vielleicht nach 10 Jahren die Frage noch einmal stellen.



Naturheilkundliche Zentren

Mansoa: Das Zentrum ist mit Mitteln aus der Holgerstiftung auf beeindruckende Weise renoviert worden. Wir bewunderten die funktionelle Aufteilung der Räume, den Wasch-und Trocknungsbereich der Kräuter, den wunderschön geplättelten Verkaufsbereich und die große Anzahl von hergestellten Sirupen und Cremes. Für den Küchenbereich bestehen schon konkrete Pläne. Auch diese Kosten will die Holgerstiftung übernehmen.



Die Zusammenarbeit mit dem Hospital ist sehr gut. Nach vielen Jahren ist nun endlich der Operationstrakt eröffnet und mit einem guten Chirurg/Gynäkologen besetzt worden.
Das Interesse an der Naturmedizin, das mit einem Tag der offenen Tür geweckt worden war, soll jetzt durch eine große Eröffnungsfeier verstärkt werden. Danach sind Kurse für Naturmedizin für Interessenten vorgesehen.
Contubuel: Das Zentrum hat 10 Mitarbeiter, arbeitet 2 Tage pro Woche und ist führend in der Djandereverarbeitung (Malariaprophylaxe bei Schwangeren). Sie sind bereit, bei Bedarf ihre Produktion zu vergrößern.
Leider konnten wir das Zentrum wegen der Krankheit der leitenden Schwester nicht besuchen.
Bedanda: Bedanda hatte einige personelle Probleme zu bewältigen.
2 Wassereservoire fangen inzwischen das Regenwasser auf und sollen zur Beregnung des Heilpflanzengartens ab Februar eingesetzt werden, wenn die Brunnen in der Trockenzeit versalzen. In den letzten 2 Jahren sind eine schöne Küche und eine offene Rundhütte gebaut worden. In Verbindung mit einem Projekt zur Gewichts- und Entwicklungskontrolle von Kindern soll die Naturmedizin wieder forciert werden.



Bissau: Caritas hatte Ende August das Zentrum von Bissau geschlossen. Die Gründe waren nicht klar ausgesprochen worden und es gab viele Mutmaßungen. In vielen Gesprächen, auch mit dem Bischof von Bissau und der Leiterin von Caritas, konnte eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden. Das Zentrum wird renoviert und dann unter der bisherigen Leitung wiedereröffnet. Es soll vor allem ein Produktionszentrum sein. Um das Caritasgebäude herum könnte zu diesem Zweck ein Heilpflanzengarten angelegt werden, auch Mansoa könnte bei der Pflanzenlieferung helfen. Im Stadtzentrum von Bissau soll ein Geschäft eröffnet werden, in dem alle von caritasnahen Gruppen erzeugten Produkte verkauft werden, z.B. Multimistura, Marmeladen, Säfte und auch naturheilkundliche Produkte.
Eine große Aufgabe des naturheilkundlichen Zentrums von Bissau-Stadt wird die Aufklärung über Pflanzenheilkunde sein, z.B. in Krankenhäusern, Gesundheitszentren, in Radiosendungen. Ein sehr großes Liceu ist an der Ausbildung seiner Chemie- und Biologielehrer in Pflanzenheilkunde interessiert. Auch in der Krankenpflegeschule trafen wir auf großes Interesse und Nelson soll dort Unterricht geben (so ganz konnte ich meine Gefühle ja nicht verbergen, als ich bei unserer dortigen Warterunde sah, daß mein vor über 25 Jahren geschriebenes Büchlein über die Schwangerensprechstunde als Lehrbuch verwendet wird!).
Ein von „Tabanka“ finanziertes Laptop steht Nelson im Caritasgebäude (mit einigermaßen geregeltem Internetzugang) zur Verfügung. Er wird einen Internetfernkurs in Phytotherapie machen, mit der Idee, dann auch eine gruppeninterne Weiterbildung durchführen zu können.


Solarlampenprojekt
Wir haben Sets von speziellen Buchsen mitgebracht, mit denen man über die Solarlampen Handys aufladen kann. Handys sind in diesem Land mit den extrem schlechten Infrastrukturen äußerst wichtig, um Informationen auszutauschen und Verbindungen herzustellen. Der Verkauf der Solarlampen läuft im Norden des Landes besser als im Süden, wo die Bezahlung von Waren häufig noch über den Tauschhandel läuft. Die Leute sind sehr begeistert von den Lampen, die sogar eine höhere Brenndauer haben als vom Hersteller angegeben. Wir haben den festgesetzten Preis im Einvernehmen mit dem guiniensischen Verantwortlichen gesenkt. Der Erlös der Lampen wird auf ein gesondertes Konto eingezahlt, aus dem heraus wir Schulgärten finanzieren wollen.
Eines der Dörfer im Süden, in dem die Lampen verkauft werden, liegt in einem Schutzwaldprojekt, in dem es noch viele wilde Tiere gibt, darunter auch Schimpansen. Da haben wir eine nette neue Schimpansenstory gehört. „Nachdem die Schimpansen in diesen Wäldern nicht mehr gejagt werden, trauen sie sich näher an die Dörfer heran und haben dort auch die Papayabäume entdeckt. Das Problem ist, wenn sie den Stamm hochklettern und die Papayas hinunterwerfen, kommen sie völlig zermatscht unten an. Was macht also der Schimpanse? Er klettert flink hinauf, pflückt die Papaya, wirft sie in die Luft, läßt sich fallen und fängt sie unten auf. Dann legt er sie vorsichtig auf die Seite, holt sich auf dieselbe Art und Weise die 2. und geht in den Wald zurück, schwer beladen mit jeweils einer Papaya unter dem Arm“.


Basisgesundheitszentren

Aba hat ihre Kurse für die Dorfhebammen (Matronas) durchgeführt, den letzten wieder mit enormen Anstrengungen. Bei der Fähre über den Rio Corubal war das Zugseil war gerissen. Man hat daraufhin versucht, mit einem Einbaum den Transport der Menschen aufrechtzuerhalten, was aber bei dem Wasserreichtum des Flusses jetzt am Ende der Regenzeit 7 Menschen das Leben gekostet hat. Aba mußte deshalb aus Gründen der Sicherheit Hunderte von Kilometern Umweg über Guiné-Conacry in Kauf nehmen. Ihre Schwangerenvorsorge in der Region Boe konnte sie deshalb auch nicht in der vorgesehenen Häufigkeit durchführen.
Bild: Stromschnellen des Rio Corubal

Die Pflanze Djandere hat sie mit großem Erfolg zur Malariaprophylaxe bei Schwangeren eingesetzt, auch Kinder, die sie bekommen haben, haben in der Regenzeit keine Malaria bekommen. Die Errichtung einer Schutzzone ist von den regionalen Regulos (Häüptlingen) gebilligt worden, die Durchführung ist jenoch etwas unklar.
Im neuen Jahr steht jetzt die Supervision der Dorfhebammen vor Ort an, wofür wir ihr die Finanzierung zugesichert haben. Trotz aller Widrigkeiten ist Aba entschlossen, das Projekt weiterzuführen. Sie hat sogar schon eine Nachfolgerin im Auge, die dann einmal in 10 Jahren ihre Arbeit fortführen soll. Für Afrikaner ein ungewöhnliches Zukunftsdenken!
In Zukunft wollen wir versuchen, die Naturmedizin wieder in die Basisgesundheitszentren zurückzubringen, d.h. in der östlichen Region Boe in die Ausbildung der Matronas zu integrieren, aber auch in Zusammenarbeit mit Plan International in einer weiteren östlichen Region zu beginnen. Einzelne Angehörige der naturheilkundigen Gruppe werden die Ausbildung übernehmen. Sogar der ehemalige Chef der Gruppe hat seine Bereitschaft zur Mitarbeit erklärt.

Boot für die Insel Nago
Mit 12 Mitgliedern der landwirtschaftlichen Kooperative der Insel Nago wurde die Notwendigkeit der Beschaffung eines Bootes, vorrangig zum Krankentransport, aber auch zum Transport der auf der Insel erzeugten Güter, wie z.B. Reis, Palmöl und Cashewnüssen, diskutiert. Es war ein sehr offenes Gespräch, in dem die Teilnehmer ihre Ernsthaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit demonstrierten. Als Garant gegen einen Mißbrauch führten sie die Ehre ihrer Insel, ihrer Eltern und ihre eigene Ehre auf.
In einer Mitgliederversammlung von „Tabanka“ soll die Finanzierungsfrage diskutiert werden.



Gibt es Zeichen für eine Verbesserung der politischen und gesellschaftlichen Lage? Eine Frage, die wir Europäer uns immer stellen.
Nach der Ermordung des Staatspräsidents und des Armeechefs zu Beginn des Jahres sind im Sommer freie Wahlen durchgeführt worden. In vielen Institutionen hörten wir von „Umstrukturierung“. Als positive Zeichen sind zu werten, daß die staatlichen Gehälter regel-mäßig und pünktlich gezahlt werden und die Schulen pünktlich im September das neue Schuljahr begonnen haben und nicht erst im Januar wie in früheren Jahren. Auf dem Weg zum Flughafen wird mit chinesischer Hilfe ein riesiger Ministeriumskomplex gebaut, der alle Ministerien beherbergen soll. Welche Auswirkungen das allerdings haben wird, ist noch abzuwarten.

Was war für mich diesmal besonders beeindruckend? Die Herzlichkeit der Guinienser, mit der sie uns, mich und meine ihnen unbekannten beiden Mitreisenden aufgenommen haben, die wunderschönen traditionellen Kleider, die sie uns geschenkt haben, das „Bicho cabelo“ (haariges Tier), in das ich mich aus Versehen gesetzt habe, das wie die Hölle gebrannt und eine großflächige Verbrennung hinterlassen hat,
der Abschiedskuchen von Irma Maria, unser ehemaliger Nachbarsjunge, der mit großer Selbstverständlichkeit nach Dakar auf den Flughafen gekommen ist, um „seine Zwillingsschwester“ von vor damals 25 Jahren zu umarmen, die rote Rose, mit der ich in Frankfurt am Flughafen abgeholt worden bin.
Es war eine so intensive und bis zur letzten Sekunde ausgefüllte Zeit gewesen, daß meine Seele etwas länger gebraucht hat, bis sie wieder in Deutschland angekommen ist. Auf dem Heimweg vom Flughafen habe ich immer wieder, wenn ich etwas besonders Großes oder etwas Neues gesehen habe, innerlich gestaunt und mich bei dem Gedanken ertappt: „ ist das riesig, was wollen die denn hier in Guinea-Bissau damit?“



Dr. med. Sonja Prexler-Schwab
Vereinsvorsitzende TABANKA e.V.