Meine Reise nach Guinea-Bissau vom 21.3. bis 3.4.2008

Dr. med. Sonja Prexler-Schwab; Vereinsvorsitzende

Eine Reise mit  ganz vielen Aufgaben im Gepäck. Ich will einen 3 tägigen Kurs abhalten, den Artemisiaanbau begleiten, Schwierigkeiten bei der Djanderé-Herstellung versuchen zu lösen, unser Solarlampenprojekt endlich in die Gänge bringen, das Baumschulenprojekt vielen Leuten vorstellen, mit ganz vielen Leuten reden... und das alles in 2 Wochen.

21.3.2008 Die Reise beginnt mit einigen Schwierigkeiten: viel Schnee auf der Autobahn nach Frankfurt, und das am Frühlingsanfang, so daß ich im Geiste meine Reise schon um eine Woche verschoben habe, dann muß ich 5 kg Übergepäck zahlen, obwohl ich meine 30 kg Freigepäck gar nicht ausgeschöpft hatte, aber in Frankfurt sind es plötzlich nur noch 20 kg, mein Rucksack mit den Unterlagen wird in der Gepäckablage auf dem Flug nach Lissabon warum auch immer total durchnäßt, glücklicherweise habe ich den Rucksack meines Sohnes mit einem wasserdichten Fach für das Laptop, über das ich vorher gewitzelt habe.
Im Flugzeug von Lissabon nach Bissau vertraute Gefühle. Schön, wieder Criol zu hören, die Afrikaner zu erleben, die immer mit enormen Mengen Handgepäck verreisen und das dann mit aller Macht in die Gepäckablage stopfen. Während des Fluges springt eine der Ablagen auf und ein Laptop explodiert mit großer Wucht heraus.
Ich habe das Privileg eines Fensterplatzes und kann in dem 4 Stunden Flug die Landschaften-abfolge beobachten. Portugal, eine Landschaft mit vielen großen runden Kreisen, bedingt durch das Bewässerungssystem, Nordafrika mit großen dicken Schlagsahnewolken, dann die Sahara mit ihren Farbspielen  in orange, gelb, weiß, dazwischen schwarze Tafelberge, augen-scheinlich leer, der Senegal in Grautönen, von schnurgeraden Straßen zerschnitten, zum Süden hin zunehmend Dörfer umgeben von rechteckigen Feldern und dann die grünen Wälder Guineas. Trockenzeit in Westafrika.
Temperaturen über 30 Grad, was einem beim ersten Schritt aus dem Flugzeug erst einmal die Luft nimmt. Dann bewegt man sich entsprechend langsam über das Rollfeld auf die Abfertigungshalle zu und drängt sich mit den anderen Mitreisenden um das kleine Kofferband,  inzwischen alle schweißüberströmt. Immer wieder erscheinen einzelne Koffer auf dem Band und zum wiederholten Mal ärgere ich mich, daß ich meinen Koffer nicht eindeutig gekennzeichnet habe, um ihn besser zu erkennen. Die Spannung steigt, ob er wohl dabei sein wird, aber  dieses Mal gibt es keine Probleme. Sonst war die Halle immer gedrängt voll von Leuten, die die Neuankömmlinge abholen wollten, aber das scheint gerade verboten zu sein, so daß ich mich dieses Mal um alles selbst kümmern muß. Sonst konnte ich immer die Privilegien der Padres genießen. Zollkontrolle: hinter dem Tisch hängt sehr entspannt ein Zollbeamter mit 2 genauso entspannten Helfern an seiner Seite. Er bedeutet mir, meinen Koffer (mit 28 kg) auf den Tisch vor ihm zu legen. “N ka pudi. Das kann ich nicht“ „Was heißt das, du kannst das nicht?“ „Ich kann das nicht, er ist mir zu schwer“. Er verändert seine Haltung in keinster Weise. „Du kannst das nicht?“ „Nein, ich kann das nicht“. „Du kannst es wirklich nicht?“ „Nein“. „Was machen wir denn da jetzt?“ Als ich da auch keinen Lösungs-vorschlag habe und nur mit den Achseln zucke, winkt er mich durch. Vor der Tür ein weiterer Beamter, der unbedingt meinen Gepäckabschnitt mit der Nummer an meinem Ticket vergleichen muß, was bedeutet, daß ich erst in meinem Rucksack kramen muß. Aber ich bin ja nicht zum ersten Mal in Guine! „Was mußt du eine mulher grande (alte Frau, was aber dort eine Respektsperson mit viel Erfahrung, der gegenüber man Ehrerbietung zeigen muß, darstellt) so ärgern und belästigen?“ Daraufhin entschuldigt er sich. „ Entschuldige bitte vielmals „Mutter“ (er akzeptierte mich in seinem sozialen Gefüge als Ältere und spricht mich deshalb so an), aber es ist meine Aufgabe, ich hoffe, Du verstehst das.“ Natürlich verstehe ich das und bin schon draußen. Ich bin angekommen!

Auch wenn es aus der Ferne immer sehr unsicher aussieht, ob das Geplante auch klappen wird, sind sogar 2 verschiedene Gruppen gekommen, um mich abzuholen. Nach einem zusammen aufgestellten Programm (dermaßen gedrängt, daß man Zweifel haben muß, ob das so realisierbar ist) geht der Tag mit einem Gottesdienst zu Ende, es ist schließlich Karfreitag. Überall werde ich von den Bekannten freudig begrüßt, bzw. Unbekannten vorgestellt und schon bin ich wieder mitten drin in der Diskussion über die Pflanzenmedizin.


Artimisiapflanzen

22.3.2008 Ich habe in Takir, dem Regionalhaus der Padres in Bissau übernachtet und bin von dem lauten Gesang der Hähne, der Vögel und dem dumpfen Ton des Reisstampfens geweckt worden. Im Garten Beete voll mit Artemisiapflanzen, der Pflanze, die wir im August 2007 zur Malariabehandlung vorgestellt haben.
Am Frühstückstisch treffe ich den Bischof von Bissau, der erzählt, daß es in Bissau, der Hauptstadt! zur Zeit keinen Strom, was fast normal ist, aber auch kein fließendes Wasser gibt. Die Frauen müssen, vor allem wenn sie arbeiten gehen, schon um 4 Uhr aufstehen und Wasser vom Brunnen holen. Er erzählt auch, daß der Raubbau im Land zunimmt. Es kommen Kolonnen aus dem Senegal oder Guine-Conakry, um die alten Baumriesen zu fällen und mitzu-nehmen. Er träumt von einer Landwirtschaftsschule, in der über Landwirtschaft, Verarbeitung der Produkte und Schutzmaßnahmen unterrichtet werden könnte.

Wir fahren nach Nabijon, dem Zentrum für ländliche Weiterbildung. Unterwegs bekommen wir die Nachricht, daß die Pumpe dort nicht funktioniert. Silvia, die italienische Entwicklungs-helferin, meint dazu: „Wegen uns ist das nicht schlimm, aber die Artemisia kann einige Tage ohne Wasser nicht überleben“. Aber es gibt keine Lösungsmöglichkeit, ein Techniker wird wegen der Ostertage erst am Dienstag kommen können. In Nabijon eine riesige Anpflanzung mit  Artemisia. 180 Pflanzen unterschiedlicher Größe, teilweise in Mischkultur mit Mais, mit Tröpfchenbewässerung, schön gemulcht… toll! Da die Pflanzen sehr empfindlich auf Wassermangel reagieren, werden sie in den nächsten Tagen per Hand mit Brunnenwasser gegossen. Der Anbau bis hierher ist gut gelaufen, aber noch nichts Weiteres erfolgt. So gehen wir bei den zwei größten Pflanzen, die schon einen Blütenansatz zeigen, sofort an die Ernte, streifen die Blätter ab und trocknen sie in einer Trockenkammer, in der die Trocknung sehr schnell vor sich geht, was vor allem in der kommenden Regenzeit sehr wichtig sein wird. Auch an allen anderen Standorten ist der Anbau bis zu diesem Punkt gelangt, aber kein weiterer Schritt unternommen worden, obwohl ich bei meiner letzten Reise alles genau erklärt hatte. Das heißt, daß die Demonstration, das Miteinandertun, für das Lernen einer neuen Sache ganz wichtig ist und die Afrikaner Schwierigkeiten haben, aus der Theorie in die Praxis zu übersetzen.


Ernte und Trocknung von Artemisiablättern

Ein Spaziergang durch das große Dorf Nabijon, bei dem Miriam, die 10 Monate alte Tochter von Silvia,alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, und wir sofort von einer großen Schar Kinder begleitet sind. Bei fast jedem Haus müssen wir stehen bleiben und erzählen, wer ich bin und was ich mache. Beim Haus des Dorfältesten erkennt mich seine Frau als diejenige, die vor 4 Jahren ihrem Baby seinen Namen gegeben hat und fällt mir voller Freude um den Hals. Um alle Gehöfte herum entdecke ich Hecken mit Jatropha, der Pflanze, die ich im Kurs vorstellen möchte und die in der ganzen Welt jetzt als nachwachsender Rohstoff angebaut wird.
Abends Körperhygiene wie damals: mit einem Becher Wasser, den man sich drüberkippt. Aber trotzdem erfrischend. Nachts kühlt es etwas ab, sodaß man gut schlafen kann.



23.3.2008 Ostersonntag Messe mit dem Bischof der östlichen Region in einem großen Dorf in der Nähe. Alle Leute haben sich sehr festlich angezogen, 11 Kinder werden getauft, in der Osternacht zuvor sind 12 Erwachsene getauft worden. Großes Mittagessen mit vielen Brasilianern beim Bischof, der Geräuschpegel ist enorm. Ein italienischer Padre zieht zur Feier des Tages seine Violine heraus und spielt mit einer Verbeugung zu mir ein Stück von Back – es dauert einige Sekunden, bis ich kapiere, daß er  J.S. Bach meint. Später Auffüllen unserer Trinkwasserkanister an der bischöflichen Wasserleitung. Das letzte Stück des Heimweges gehe  ich zu Fuß. Eine Staubstraße an beiden Seiten eingesäumt mit Kaschubäumen. Es duftet nach den Blüten und vereinzelt hängen schon reife Kaschufrüchte dran. Köstlich in solch eine reife, von der Sonne richtig gekochte Frucht zu beißen. Immer wieder Farobabäume mit ihren großen roten, kugeligen Früchten und die alten Baobabriesen mit ihren langen Keulen. Mein Alleinsein ist nicht von langer Dauer. Von hinten kommt ein Mann mit Fahrrad, der mich das letzte Stück des Weges begleitet und ein großes Redebedürfnis hat.
Für den Abend habe ich einen Saft und, mit Hefe etwas beschleunigt, einen „Champagner“ von Moringa (die Pflanze, die auch zur Hausumfriedung verwendet wird; ihre Blätter und Früchte sind sehr eiweißreich und können gut bei Unterernährung eingesetzt werden) vorbereitet, wovon die Italiener ganz begeistert sind. Dazu gibt es Schokoladeneier aus Deutschland. Es ist inzwischen dunkel geworden, als jemand von draußen ruft und mich sprechen will. Ein Mann ist mit seiner Familie gekommen, seiner Frau, seiner etwa 6 Jahre alten Tochter, einem Baby und seiner Mutter. Seine Tochter ist sehr krank gewesen, hat einige Behandlungen im Krankenhaus hinter sich gebracht und ist dann aber erst mit einem pflanzlichen Mittel, Cochlospermum, wieder gesund geworden. Die Großmutter dieses Mädchens wollte jetzt mir gegenüber ihre Dankbarkeit ausdrücken, daß wir Weißen uns um ihre Heilmittel kümmern und hat mir ein Huhn mitgebracht. Ich weiß gar nicht so recht, was ich sagen sollte. Ein schönes weißes Huhn mit 2 schwarzen Punkten am Rücken, was für diese Familie einen gewissen Reichtum darstellt. Nach einem längeren Gespräch sagt der Mann: „Verabschiede uns nun und laß uns gehen, wir haben noch einen weiten Weg vor uns“, und sie gehen in die dunkle Nacht hinaus.

24.3.2008 Mein Huhn liegt schon reisebereit mit gefesselten Füßen im Schatten, aber das Auto von Caritas, das mir zur Verfügung gestellt worden ist für die Reise und eigentlich schon „vor dem Aufstehen“ da sein sollte, läßt auf sich warten (falta de combustivel – es mußte erst betankt werden. Dazu muß der Verantwortliche, der den Schlüssel hat, erst da sein, dann ein anderer, der das Geld hat….der Liter Diesel kostet gerade etwa 1 Euro, Benzin gibt es nur auf dem Schwarzmarkt zu Preisen zwischen 5 und 7 Euro). Wir nutzen die Zeit und schauen uns im Dorf die Reisschälmaschine an. Es ist ein chinesisches Modell, das recht robust ist und vielleicht auch irgendwann einmal von dieser Ölpflanze Jatropha gespeist werden könnte. Die Maschine bedeutet eine enorme Erleichterung für die Frauen und wird auch sehr angenommen. Auch für Nabijon wäre unsere Baumschule interessant, weil zu den Kursen immer viele Leute hier zusammenkommen.
Das Auto, ein schwerer Landrover,  ist da, zeigt aber von Beginn an Probleme und muß jedesmal zum Start angeschoben werden. Wir (Nelson, der Verantwortliche der naturheilkundlichen Gruppe, 28 Jahre alt, sehr interessiert, mit großem heilkundigen Wissen und der Fahrer, der wegen der Autoprobleme am liebsten gleich wieder nach Bissau zurückgekehrt wäre und diese Haltung in den nächsten Tagen auch immer wieder zur Schau gestellt hat)  fahren mit dem Huhn, ich mußte es mitnehmen, die Leute wären sonst sehr beleidigt gewesen, weiter in den Osten des Landes, nach Gabu. Dort habe ich ein Gespräch mit einer Entwicklungshelferin des Welfriedensdienstes (Berlin), die in der Region Boe arbeitet. Ich stelle ihr meine Vorhaben vor und sie verspricht auch Leute aus ihrem Projekt in meinen Kurs zu schicken. Aus dieser Region  gibt es bisher keine Teilnehmer. Ich versuche, ihr einige Strukturen aufzuzeigen, die ich kenne und die ihr vielleicht auch helfen können. Danach ein langes Gespräch mit Aba Sera, der Hebamme, die von sich aus unter schwierigen Bedingungen angefangen hat, Schwangerenvorsorge in der Region Boe zu betreiben. Es ist ihr ein großes Anliegen in dieser ihrer Geburtsregion die Müttersterblichkeit zu verringern. Die letzten Monate haben gezeigt, daß sie bei ihren Sprechstunden viele Schwangere mit Risikofaktoren entdeckt hat und diese dann auch rechtzeitig einer geeigneten Behandlung und Überwachung zuführen konnte. Die häufigsten Risikofaktoren sind starke Blutarmut und das jugendliche Alter vieler Erstgebärender (14 Jahre sind nicht selten). Um die Vorsorge zu intensivieren ist ihre Idee, das alte System der Dorfhebammen und Basisgesundheitshelfer wieder zu aktivieren und sie in der frühzeitigen Erkennung der Risikofaktoren zu unterrichten. Einzelheiten stehen in ihren Berichten. Ich sage ihr die Unterstützung von „Tabanka“ zu und unterstütze sie gleich in ihrem ersten Schritt der Bestandsaufnahme, den sie schon im April durchführen will.
Seit Dezember 2007 wird die Malariaprophylaxe bei 60 Schwangeren (in der Schwangerschaft nimmt der Schutz gegen Malaria ab und die Frauen können sehr heftige Anfälle erleiden) dieser Region mit einer dort heimischen Pflanze Djandere (Cochlospermum tinctorum) durchgeführt. Dazu wird die Wurzel ausgegraben, gesäubert, geschnitten, getrocknet, pulverisiert und dann mit Öl zusammen verabreicht. Diese Mischung hat einen guten protektiven Effekt, scheint die Blutbildung sehr stark anzuregen und steigert außerdem die Gewichtszunahme, alles Effekte, die bei den blutarmen, unterernährten Frauen sehr wichtig sind. Es hat sich gezeigt, daß diese Pflanze durch den Kaschuanbau sehr gefährdet ist. Die Blätter und Früchte des Kaschus enthalten sehr aggressive Öle, die das Wachstum anderer Pflanzen verhindern, auch noch Jahre später nach Entfernen der Bäume. Unsere mit den Italienern entwickelte Idee war, Leute zu finden, die uns in der Errichtung einer Schutzzone unterstützen konnten. Aber Aba hatte das schon in die Wege geleitet, mit dem lokalen „regulo“ (König) gesprochen und ihn für die Idee gewonnen. Er wird eine Versammlung der Bevölkerung ein berufen.


Heilpflanze Djanderé

25.3. Weiterfahrt nach Contubuel, dem Ort der Verarbeitung der Djandere. Die dort arbeitenden Schwestern zeigen Bereitschaft das Projekt weiter auszuweiten. Da die Trocknung jetzt in der Regenzeit schwierig werden wird, finanzieren wir ein Trocknungsgerät, so wie es in Nabijon steht. Da sich die Beschaffung des Öls als schwierig und teuer herausgestellt hat, bringen die Frauen jetzt ihr Öl selbst mit und füllen das getrocknete Pulver ein. Das Interesse der Frauen ist sehr groß, es besteht eine große Nachfrage und könnte auch auf Kleinkinder ausgedehnt werden.
Auch hier in Contubuel sehen wir Artemisiapflanzen, zur Erprobung teils im Schatten, teils in der Sonne angebaut. In diesem Dorf hat es in den 90er Jahren ein großes Moringaprojekt gegeben. Die Pflanzen gibt es noch, sind jedoch ganz von Unkraut überwachsen. Vielleicht ist es möglich das Ganze zu reaktivieren!

Fünfstündige Weiterfahrt in den Süden. An einer Tankstelle kaufe ich frisch geröstete Kaschunüsse und einige typische kleine Bananen. Als ich dem kleinen Mädchen, dem ich die Bananen abgekauft habe, einige Kaschnüsse schenke, kommt sie nach einer Weile zurück und schenkt mir eine ihrer Bananen. Eine nette kleine Geste. Eine anstrengende lange Fahrt über löchrige Staubstraßen aber durch eine wunderschöne Landschaft mit beeindruckenden Baumriesen und undurchdringlichem Lianengewirr. In Catio erklärt uns ein italienischer Padre die Notwendigkeit des landwirtschaftlichen Umdenkens. Früher hat man für 1 kg Kaschunüsse 3 kg Reis bekommen. Jetzt, wo das ganze Land voll mit Kaschu ist, erhält man 1 kg Reis für 5 bis 10 kg Kaschu. Der Preis für einen Sack Reis hat sich in den letzten 4 Monaten um 6 000 CFA  auf 18 000 CFA verteuert (1 000 CFA sind 1,50 Euro). Er ist seit 31 Jahren in Guine, hat vor 31 Jahren hier schon einmal angefangen, wurde dann aber versetzt. Jetzt will er sich aber nicht mehr davon abbringen lassen und hier eine Kooperative aufbauen. Er hat schon 41 interessierte Familien, weitere, die sich anschließen wollen und ein riesiges Areal zur Verfügung. Gedacht ist an den Anbau und die inländische aber auch ausländische Vermarktung von Agrarprodukten und von Heilpflanzen. Des weiteren soll es eine „Casa de costura“ geben, wo schöne, traditionelle Kleidung genäht und verkauft werden soll…..Die Gruppe ist gerade dabei die Vereinsregeln zu erarbeiten. Wir fahren auf einem engen, ganz überwachsenen Weg zu dem gesäuberten Areal. Ein Mitarbeiter und traditioneller Heiler geht mit uns von einer Heilpflanze zur anderen und erklärt uns ihre Bestimmung. Da wir an dem Nachmittag nicht fertig werden, machen wir am nächsten Vormittag weiter. Ich mache die Photos und Nelson schreibt. Der Fahrer drängt auf die Rückfahrt und will noch vor Anbruch der Dunkelheit in Bissau sein.
26.3. Viele Gespräche. Mit dem Chef von Caritas, der mir alle gewünschte Unterstützung zusichert und auch gewährt, was Transport und technische Hilfe anbelangt.
Gespräch mit der Chefin von PLAN international, einer internationalen Organisation, die im Osten des Landes sehr aktiv ist, was Schulbau und Errichtung von Gesundheitszentren anbelangt. Sie will an diesem Tag für 2 Wochen verreisen und ich kann sie im letzten Moment noch sprechen. Sie ist sehr interessiert an meinen Vorhaben und beordert den lokalen Verantwortlichen in meinen Kurs. Ich hatte vor 2 Jahren schon einmal Kontakt mit ihr. Ein wichtiger Aspekt von uns, den  mit großer  Begeisterung für kurze Zeit  von außen Kommenden, erscheint mir, neue Impulse hineinzutragen und auch Querverbindungen mit anderen dort Arbeitenden herzustellen. Die tägliche Arbeit dort ist doch sehr zermürbend und erlaubt wenige Blicke über die eigenen Grenzen.
Der Leiter des Nationallaboratoriums, der wissenschaftlicher Beirat der naturheilkundlichen Gruppe ist,  gibt uns eine Führung durch das Laboratorium. Er hat gerade viel Zeit, weil der Generator ausgefallen ist.
Er ist auch auf dem Abflug zu einem internationalen Kongreß in Niamey, will sich aber auf dem Rückflug im Senegal nach Möglichkeiten erkundigen, einen Wirksamkeitsnachweis pflanzlicher Wirkstoffe auch in Bissau durchzuführen. Das wäre natürlich ein toller Fortschritt.
Andere Gespräche mit der lokalen Nichtregierungsorganisation AD über das Solarlampen- und  Baumschulenprojekt, wobei ein detaillierteres Gespräch vielleicht am Ende der kommenden Woche möglich sein wird. Auch Gespräche mit der Vertretung der deutschen Botschaft müssen warten.

Bei den Padres in Takir wird der 86.Geburtstag des ehemaligen Priors gefeiert. Er hat letztes Jahr erst sein 50 jähriges Jubiläum in Bissau gefeiert. Mehrgängiges Essen mit Goldrandtellern, tollem Geburtstagskuchen und Eiscreme. Viele Gäste sind da, auch beide Bischöfe. Es ist eine nette, familiäre Stimmung. Ein Padre aus Südtirol, der immer wenn er mich sieht, sein Deutsch aus den hintersten Gehirnwindungen hervorzieht, erzählt mir, daß er auf einem riesigen Areal von 35 ha eine Art botanischen Gartens  zur Konservierung der einheimischen Arten anlegen will. Super, ich drücke meine Begeisterung über diese Idee aus.
„Ja“, sagte er, „aber ich bin zu alt dazu. Sie können das machen, Deutsche wissen, wie man das macht.“ Ach ja, interessant, vielleicht finde ich ja in Deutschland einen botanischen Garten, der eine Patenschaft übernehmen möchte.

28.3. Im August hatten wir versucht, ein Poster mit den am häufigsten verwendeten einheimischen Heilpflanzen zu gestalten. Leider war Nelson die Kamera mit den Photos gestohlen worden. Wir haben den ganzen Tag dazu verwendet, um neue Photos zu machen. Drei fehlende hat uns Arnold noch per Internet geschickt. Die Möglichkeiten heutzutage sind schon enorm!
In der Mittagspause und soweit möglich auch abends habe ich dann mit den 3 Gärtnern Takirs versucht, die Artemisiaernte etwas in Bahnen zu lenken und vor allem die Vermehrungs-methode über Stecklinge zu üben. Leider waren in den Tagen auch einige Container aus Europa gekommen, die ausgeladen werden mußten und woran alle höchst interessiert waren. Ich habe dennoch versucht, ihnen ein tägliches Schema beizubringen.

29.3. Fahrt in den Norden des Landes. Auch hier wieder Besuch des Gesundheitszentrums. Die brasilianische Schwester will versuchen einige Lehrbücher für Pflanzenheilkunde aus Brasilien besorgen und schauen welche Möglichkeiten es gibt, einen brasilianischen Fernkurs in Pflanzenheilkunde zu belegen. Ich denke, Nelson wäre ein geeigneter Kandidat. Sie hat eine interessante Idee entwickelt, die Patienten dazu zu bewegen, die Medikamenten-fläschchen wieder zurückzugeben. Sie stellt Rosenseife her und verbreitet über die lokale Radiostation, daß wer ein Fläschchen zurückbringt, etwas anderes dafür erhält. Das funktioniert gut. Eine von uns finanzierte Hilfskraft soll ihr in den nächsten Monaten etwas helfen.
Der Heilpflanzengarten wurde von den freilaufenden Kühen mehrmals verwüstet. Endlich gab es in den letzten Tagen  einen Zaun in Bissau zu kaufen und der Garten ist jetzt gesichert. Wieder bewundere ich die beiden Agraringenieure, die sich nicht entmutigen lassen und voller neuer Ideen sind. Auch an unserem Baumschulprojekt sind sie interessiert.
Auf dem Rückweg viele Leute auf der Straße und wir kommen an einem traditionellen, archaisch anmutenden Ringkampf junger Männer der Ethnie Balante vorbei. In Mansoa Gespräche über Behandlungserfolge mit Moringa, die außer dem guten ernährenden Effekt auch mit gutem Erfolg bei Zuckerkrankheit und Magenbeschwerden eingesetzt werden kann.

30.3. Sonntag. Tag der Vorbereitung, Ausarbeitung, weil ich zu Hause nicht alles geschafft habe.

31.3. bis 2.4. Kurs in Pflanzenheilkunde
Etwa 30 Teilnehmer, darunter auch die 3 neuen aus Boe, der Verantwortliche von Plan. Feierliche Eröffnung durch den Chef von Caritas. Am ersten Tag besprechen wir noch einmal die Pflanzen vom letzten Jahr – Artemisia, Djander und Moringa, tragen die Ergebnisse zusammen und ich zeige die auf meiner Reise gemachten Photos.Am Nachmittag die Ölpflanze Jatropha, deren Eigenschaften großes Erstaunen hervorrufen, da sie bisher nur zur Umfriedung, Seifenherstellung und ihr Öl als Lichtquelle verwendet worden ist.
Der 2.Tag steht unter dem Motto „heilkundliche Nutzung von Neem, Papaya, Guava und Cassia. Über die Fähigkeiten des Baobabs lasse ich alle Kenntnisse zusammentragen und photokopiere das Blatt später für alle, um der Gruppe zu zeigen, daß sie so auch alleine vorgehen können. Diese Erfahrung wurde als sehr positiv beurteilt. Am letzten Tag Homöopathie, nochmals die Grundlagen und einige Mittel zur Behandlung des Asthmas. Für den nächsten Kurs haben sie sich gewünscht, daß wir mit einer dort vorkommenden Pflanze eine Arzneimittelprüfung machen.
Für mich 3 sehr anstrengende Tage, da die Gruppe sehr interessiert ist und viele Fragen gestellt werden, dazu 40 Grad, viel Lärm von der Hauptstraße und in einer Sprache, in der ich nicht so sicher bin. In den 3 Tagen mußte ich außerdem noch 3 Rundfunkinterviews geben. Mittags die Arbeit mit meinen Gärtnern, die sich nur schwer von ihren Containern losreißen können.

3.4. Gespräch mit der Vertretung der deutschen Botschaft, die unter bestimmten Bedingungen auch Kleinprojekte finanziert und mit AD. Das Solarlampenprojekt wird sehr befürwortet, die Bausätze sollen in der Berufsschule für Elektrotechnik zusammengebaut werden, über die Mikrokreditbank finanziert und dann vor allem in die Dörfer verkauft werden. Die Erfah-rungen mit den 3 im letzten Jahr verteilten Lampen sind durchwegs positiv. Auch das Baumschulprojekt wird begrüßt und soll als Schulgarten gestaltet werden. Auf diese Art könnten die Kinder praktische Mathematik lernen, sie würden lernen die Beregnung zu organisieren, das Projekt würde den Wettbewerb unter den einzelnen Klassen anregen und das Dorf  könnte neue Obstsorten und  Heilpflanzen kennenlernen und verwenden. „Die Schule hat auch die Aufgabe dem Dorf etwas zu lehren!“ Wenn ich mir da so unsere deutschen Schulen betrachte...
Als letzten Schritt wollen wir unser Poster drucken lassen, aber auch mit den größten Anstrengungen läßt sich mein Stick nicht öffnen.

4.4. Eigentlich habe ich mir meinen Abreisetag ganz entspannt vorgestellt, aber so verbringe ich ihn damit, noch einmal die Photos neu zusammenzustellen und hoffe darauf, daß nach meiner Abreise keine Probleme mehr auftreten werden.

Mein Gepäck auf der Rückreise ist leichter geworden. Zurück bringe ich ganz viele liebe Grüße und Segenswünsche von vielen Menschen aus Bissau an ihre Freunde in Deutschland.