Wieder einmal Regenzeit in Guinea-Bissau

Projektreise nach Bissau vom 2.7.2010 bis 14.7.2010

Ein tropischer Gewittersturm bewegte den Piloten unserer Propellermaschine kurz vor der Landung in Bissau zum Rückflug nach Dakar – wieder ein Tag verloren, von den ohnehin nur 12 zur Verfügung stehenden Tagen, und auf diese Art und Weise werden meine Koffer mit einem ganzen Schwung Solarlampen 2mal vom senegalesischen Zoll geöffnet, und ich muß mich jedes Mal heftig dagegen wehren, dem Verantwortlichen als Anerkennung seiner wichtigen Tätigkeit eine zu überlassen – aber im Nachhinein waren wir sehr froh über diese Entscheidung, da in ganz Guiné 150 Häuser abgedeckt, viele alte Baumriesen umgeknickt und einige Menschen durch Blitzschlag getötet worden waren.
Dakar im Gegensatz dazu staubtrocken (in diesem Jahr hat es erst einmal leicht geregnet). Auf der Fahrt zum Flughafen am nächsten Morgen eine riesige Reklame für Maggi „ avec Maggi chaque femme est comme un étoile“ (mit Maggi ist jede Frau wie ein strahlender Stern). Bisher habe ich mich in meiner Küche sehr gegen die Verwendung gewehrt, aber vielleicht sollte ich Maggi ja doch einmal………
Guinea schon von der Luft aus strahlend grün, üppiges Wachstum, Reichtum der Natur.
Auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt muß ich wie früher trotz der teils verständnis-losen, teils amüsierten Blicke unserer Begleiter die Farben, die Gerüche, den Wind direkt von der hinteren Ladefläche unseres Autos aus spüren und genießen. Ich bin wieder einmal angekommen!



Naturmedizingruppe

Es wurde ein Anfang gemacht, die zunehmend kritisierte Freiwilligenarbeit in eine bezahlte Tätigkeit umzuwandeln. Die gesamte Gruppe hat beschlossen, die Einnahmen der verkauften Medikamente wie folgt aufzuteilen: 40% für die Produzenten, 35% für die Neubeschaffung von Material, 15% für die Apotheke und 10% für die Gesamtgruppe (z.B. für Fotokopien…). Die Gruppe hat sich ein neues Logo und einen neuen Namen gegeben „natureza e vida“ (Natur und Leben), und hat vor, damit Flyer, T-Shirts, Anstecker…zu bedrucken. Für jedes Zentrum ist ein Verantwortlicher gewählt worden.
Kleine Veränderungen, aber ich freue mich über die Eigendynamik!

Das renovierte Zentrum in
Mansoa hat jetzt optimale Arbeitsbedingungen und produziert enorm viele pflanzliche Medikamente.



Das Zentrum in
Contubuel ist auch sehr aktiv und bisher vor allem mit der Djanderéverarbeitung beschäftigt, aber leidet unter sehr schlechten baulichen Gegebenheiten. Wir disku-tieren Verbesserungsmög-lichkeiten. „Tabanka“ wird die Finanzierung über-nehmen.
3 Frauen der Gruppe sind ganz begeistert von der Fortbildung, die wir im November über die Seifen-herstellung gemacht haben und bitten um ein Darlehen von 100 Euro, damit sie mit der hergestellten Seife ein kleines Zubrot für ihre Familien erwirtschaften können. Jede von ihnen hat 6, bzw. 8 Kinder, und außer den üblichen Reisfelder einen Garten, in dem sie Zwiebeln für den Markt anbaut, …..und trotzdem ist jede 2 Nachmittage pro Woche im Zentrum und hilft auch noch bereitwillig bei irgendwelchen Sonderaktionen mit.

Bild

Das Zentrum in
Bissau bleibt geschlossen und wird nun doch nicht renoviert. Damit hat sich die Gruppe weitgehend aufgelöst, bzw. ein Teil hat unter zweifelhaften Bedingungen weiterproduziert, sich nicht an die vereinbarten Preise gehalten und unter dem Namen von Caritas weiterverkauft. Gegen solche Tendenzen wird mit aller Deutlichkeit vorgegangen. Wir sind sehr betroffen, dass eine sehr feine und liebe Frau aus der Gruppe, die im November schon sehr mager ausgesehen hat, gestorben ist. Es wird vermutet, dass sie AIDS hatte. Über AIDS wird nicht gerne gesprochen, die Krankheit wird immer noch als „doença dos brancos“ (Krankheit der Weißen) bezeichnet. War es in unserer Geschichte nicht mit Krankheiten wie Syphilis ganz ähnlich?
Zé Lopes, der „homen grande“ und frühere Leiter der Gesamtgruppe, wird den geplanten Ausbildungsbereich leiten und die Kontakte mit Ministerien und ONGs in Bissau pflegen. Er ist ein erfahrener Mann und eine sehr integrierende Persönlichkeit, dessen Stimme sehr viel Gewicht in der Gruppe hat.

Als Verkaufsstellen für die hergestellten Medikamente werden genannt:
• Bissau, nahe der Kathedrale (angeschlossen an ein Gemeindezentrum mit sehr an
der Sache interessierten Leuten, „Tabanka“ wird die Instandsetzung übernehmen)
• Caritas Bissau
• Naturapotheken Mansoa und Contubuel
• evt. auch das Gemeindezentrum des Bischofs von Bafata

Diese Mal gebe ich nur einen halben Tag Unterricht. Ursprünglich war gar keine Fortbildung geplant gewesen, was meine Vorbereitungsphase zu Hause sehr entspannt hatte. Aber nach unsere Ankunft in Bissau hieß es dann doch: „könntest du nicht vielleicht doch….“ Glücklicherweise hatte ich einige Unterlagen eingesteckt!
Ein wichtiger Punkt war die Fertigstellung unserer Liste über die naturheilkundliche Behandlung der 10 häufigsten Krankheiten in GB, wie Malaria, Husten, Durchfalls-erkrankungen…….
Ich werde ein kleines Buch zu diesem Thema verfassen und Anfang 2011 werden wir Kurse für die traditionellen Hebammen und Basisgesundheitshelfer auf dem Land abhalten, um auf den Dörfern Alternativen zu den oft fehlenden schulmedizinischen Medikamenten zu schaffen. Geplant sind jeweils ein Kurs in der Region Mansoa (in Zusammenarbeit mit der dortigen Gruppe), in Boe (zusammen mit einer Hebamme), der Region Bafata (zusammen mit PLAN International) und für die Lehrer des Projektes AD (nationale ONG).
Nachmittags gebe ich einer Gruppe von Medizinstudenten, die in Mansoa ein Praktikum absolvieren, eine kurze Einführung in die Unterschiede Naturmedizin – Schulmedizin und stelle den Wert der Pflanze Moringa vor. Die Gruppe war sehr interessiert und mit der Unterstützung des Direktors für öffentliches Gesundheitswesen, der 2. Mann im Gesundheitsministerium, ist auch angedacht, in der medizinischen Fakultät das Fach Naturheilkunde einzuführen. Dem kommt entgegen, daß die Gesundheitsminister der westafrikanischen Staaten gerade dieser Tage beschlossen haben, die traditionelle Medizin in das bestehende Gesundheitssystem zu integrieren. Vamos ver!

Radiosendungen



Radio „sol mansi“ („die Sonne geht auf“), das im ganzen Land gehört werden kann, sendet seit 2 Monaten jeden Montag um 17 Uhr Sendungen über Natur-medizin, verfasst von Mitgliedern der Gruppe. Die Resonanz der Bevölkerung ist sehr gut, viele hören diese regelmäßige Sendung und rufen häufig in der Radio-station wegen auftretender Fragen an. Auch ich muß wie jedes Jahr ein langes Interview geben, und die Tage danach sprechen mich verschiedene Leute an und erzählen mir begeistert, dass sie mich im Radio gehört haben.
Immer wieder treffe ich auf Dinge, die ich in den letzten Jahren mal kurz angeregt, dann aber auch wieder vergessen habe, z.B. werden mir die Kursnachweishefte zur Unterschrift vorgelegt und ich sehe , daß alles korrekt eingetragen ist, bei den Padres und Schwestern hat der Artemisialikör Berühmtheit erlangt, obwohl der Moringachampagner eher wie ein Tee geschmeckt hat. Leider finden wir keine Blüten, um das Experiment zu wiederholen. Und das köstliche Baobabsorbet!!!

Am Morgen nach dem Regen muß die Hauptstraße in Bissau von der angeschwemmten Erde befreit werde. Heftigster Regen unterwegs, dass die Scheibenwischer es fast nicht schaffen. Das Gepäck ist vor der Abfahrt in weiser Voraussicht ganz gekonnt hinten auf der Ladefläche in wasserdichte Planen verschnürt worden, sodaß alles trocken blieb.
Im ganzen Land wird jetzt die Erde mit Hacken oder den traditionellen langen Schaufeln (Arado) umgebrochen, kleine Dämme werden errichtet und Reis, Mais, Hirse und Erdnüsse gesät und angepflanzt. Aus der Flugzeugperspektive haben diese Felder mit ihren geometrischen Mustern wie die traditionellen Zöpfchenfrisuren der Frauen ausgesehen.


Nähgruppen

Einige Schwestern haben Nähkreise gegründet, meist in Kombination mit Alfabetisierung der Frauen. Ich hatte zwar schon in den früheren Jahren davon gehört, aber dieses Mal konnten wir richtig schöne Taschen, Brustbeutel, gefärbte und gebatikte Stoffe bewundern. Sofort habe ich die Verknüpfung mit unseren Nähaktivitäten zu Hause hergestellt und unsere teilweise für diesen eventuellen Zweck mitgebrachten Produkte vorgestellt. Das Resultat war, dass wir zusätzlich zu den übrigen Aktivitäten noch einige Abende genäht haben. Genaue Maße mussten noch telefonisch von zu Hause übermittelt werden.

Ich hoffe auf einen regen Austausch mit unserer hiesigen Nähgruppe.


Heilpflanzengarten von Nhabijon
(Foto: Anzuchtbeet)

Die Pflanzen sind kräftig gewachsen und müssen nun geerntet und ver-arbeitet werden. Es soll nicht nur ein Schau-garten sein! Einem Mit-arbeiter sollte Wissen über die Wirkung der einzelnen Heilpflanzen vermittelt werden, damit er für andere Gruppen, die in diesem Seminar-zentrum Kurse abhalten, Führungen anbieten könnte, um auch deren Kenntnisse über die Wirkung der Heilpflanzen zu verbessern.
Die Verantwortlichen haben viele Ideen und greifen auch begeistert unsere mitgebrachten Anregungen auf. So wird in Zukunft ein Färbegarten angelegt, um Stoffe mit natürlichen Farben färben zu können und ein energiesparender Ofen (Modell Martin Schleyer) gebaut werden. Mit der Luffaverarbeitung muß man sehen, was möglich ist. Nach südamerikanischem Modell soll wenigstens eine Sitzbank zur Wiederverwertung von Plastikflaschen ausprobiert werden, Wiederaufforstung wird ein großes Thema in der Zukunft werden……

Schulgärten


Von dem Geld, das die Grundschule in Burgebrach für „Tabanka“ gesammelt hat, wollen wir eine Patenschaft mit 2 guiniensischen Schulen initiieren und in den Schulen Lehrgärten anlegen. Die 2 ausgewählten Schulen sind Schulen in Selbstverwaltung. Das Schulgeld (pro Kind in den ersten Schuljahren etwa 7 Euro im Jahr) wird von den Schulen selbst verwaltet, nur die Lehrer werden vom Staat bezahlt. Außerdem sollte das Ministerium für das Unterrichtsmaterial sorgen, aber seit 5 Jahren gibt es keine Schulbücher mehr!!!! Wie können Menschen, die irgendwann einmal ein paar Jahre zur Schule gegangen sind, in Lesen und Schreiben sicher werden, wenn sie nicht einmal ein Buch zur Verfügung haben? Von daher muß die Analfabetenrate eigentlich viel höher sein als vom Ministerium angegeben.
Wegen der schlechten Ernährungslage hat PAM (Welternährungsprogramm) mit Unterstützung von UNICEF vor wenigen Jahren Schulkuchen gebaut und liefert dafür Reis, Öl, Zucker und eine Getreidebreimischung. Jedes Mädchen bekommt monatlich eine Extraration an Reis und Öl für ihre Familie zu Hause, wie eine kleine Bestechung, damit die Mädchen überhaupt die Schule besuchen dürfen.
Wir schlagen zusammen mit der Naturmedizingruppe vor, ein Gelände wegen der freilaufenden Tiere (v.a.Ziegen und Kühe) gut einzuzäunen, als 2.Hecke sozusagen, die Ölpflanze Jatropha (zur Seifenherstellung, bzw. als Biodiesel – ist kein Nahrungsmittel!) anzubauen und als 3.Hecke Moringa, die wegen ihres hochwertigen Eiweißes und ihres hohen Eisen, Calcium und Vitamingehaltes eine ideale Nahrungsergänzung darstellen würde. Des weiteren Obstbäume, Gemüse, vielleicht auch einzelne Heilpflanzen. Die Kinder sollen die Gärten selbst anlegen, sozusagen praktische Mathematik üben, die Bewässerung übernehmen…….Ziel ist, die Zusammenarbeit zu fördern, den Wettbewerb anzuregen, neue dort nicht vorkommende Pflanzen kennenzulernen, den Eltern Neuigkeiten zu zeigen………und letztendlich den Wert der Ernährungssicherung über die eigene Landwirtschaft aufzuzeigen.
Wir übergeben die von den Kindern in Burgebrach liebevoll gestalteten Briefe. Antworten werden uns zugesagt, allerdings haben in Guinea schon die Sommerferien, oder sollte man sagen „Regenferien“ angefangen, und so hoffen wir auf Antwort


Feuchte Schwüle, der betäubende Trommel-Regen auf den Blechdächern, die Staubwege in Bissau, die sich rasend schnell in Seen und reißende Flüsse verwandeln (3 kleine Kinder, die in den Fluten gespielt haben sind fortgerissen wurden, eines davon ist gestorben), dieses unendlich grüne Grün in seinen vielen Farbabstufungen (merkwürdigerweise gibt es für viele Farben Verstärkungsformen, wie z.B. „preto nok“, was bei uns „rabenschwarz“ entsprechen würde, aber nicht für grün!), die Straßenränder mit manchmal fast giftiggrünem Gras bewachsen, Cashew-Alleen, die wie grüne Tunnels erscheinen, dicke, weiße Haufenwolken, klargewaschene, strahlende Blätter nach dem Regen. Eine uns begleitende Schwester spricht mir aus dem Herzen, als sie ausruft: „ist es nicht wunderschön, unser Guiné!“
Menschentrauben um den Eingang kleiner Bars – es ist Fußballweltmeisterschaft – die guiniensische Form des public viewings. Zu Beginn unseres Aufenthaltes wurden wir immer wieder zu unserer tollen Mannschaft beglückwünscht, aber gegen Ende hin, naja.




Das Boot



Das Boot „Tabanka“ liegt im Hafen von Bissau, damit wir es uns anschauen können. Es ist größer als gedacht, kann 20 Tonnen oder bis zu 200 Fahrgäste transportieren.



In den vergangenen Jahren trat ab März immer eine Hungerperiode auf der Insel Nago ein, weil der Reis zu Ende gegangen war und die Cashewnüsse erst geerntet und verkauft werden mußten. Mit Hilfe des Bootes konnte dieses Jahr Reis auf Vorschuß gekauft und zur Insel transportiert werden, was von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen wurde. Allerdings gingen bei einem Transport einige Tonnen kaputt. Die Mannschaft hatte spät abends schon todmüde den Reis auf der Insel noch abgeladen und nahe am Hafen liegengelassen. In dieser Nacht hatte ganz ungewöhnlich früh im Mai der erste Regen eingesetzt und alles durchnäßt.
Die Cashewnüsse konnten von vielen Dörfern der umliegenden Inseln mit einem kleineren zusätzlich erworbenen Boot in Bissau verkauft werden. Bei jedem Transport werden Kranke mit in die Hauptstadt gebracht, und auf diese Weise wurden schon einige Leben gerettet.
Die Kooperative, deren Leitung wir kennenlernten, hat große Pläne: den Bau einer Schule und auch eines Gesundheitszentrums.
Das allernächste Projekt ist jedoch, den Fischfang zu forcieren. Sie stellen sich vor, mit 2 kleineren Booten auf dem Meer zu fischen, zwischenzeitlich den Fang in mit Eis gefüllten Kühltruhen auf dem großen Boot anzusammeln und dann in Bissau auf dem Markt zu verkaufen.
Die 4 Männer und eine Frau des Leitungsteams sind sehr stolz auf das mit der Unterstützung von „Tabanka“ Erreichte. Sie hatten geplant, uns mit auf die Insel zu nehmen, aber wir haben zu wenig Zeit dazu, und die heftigen Regenfälle schrecken uns auch etwas ab.

Solarlampen

Die Leute sind total begeistert von der einfachen Handhabung, der Leuchtdauer und der Lichtstärke der Lampen. Wir haben die Panels auf den Strohdächern zum Aufladen liegen gesehen. Ein etwas irritierender Anblick: Technik auf den traditionellen Strohdächern. Die Leute haben für das Aufladen einen eigenen Ausdruck gefunden, sie sagen „secar“, das heißt trocknen. Wahrscheinlich, weil auch Bohnenkerne und z.B. Peperonischoten auf das Dach zum Trocknen gelegt werden.
„Stell dir einmal vor, was es heißt, nach Jahrhunderten der Dunkelheit, Licht im Haus zu haben!“ ruft unser Partner (Direktor von Acçao para o desenvolvimento = AD) voller Begeisterung aus.
Wir besuchen einige seiner Schulen im Norden des Landes. Die Schulen, die Teil der Dorfentwicklung sind, stehen unter dem Motto „Umweltschutz“. Kinder und auch Eltern sollen für Probleme der Umweltzerstörung sensibilisiert werden. Als Gegenmaßnahmen zählen: Energie-sparöfen, hergestellt aus Reisstroh und zerkleinerten Termitenbauten, energie-arme Salzgewinnung und Wiederauffor-stung der Mangroven (bisher schon 70 ha), die dem Flußufer Halt geben sollen. Zum anderen die Wiederanpflanzung von Sibe-Palmen (bisher 57 ha) in den Savannengebieten. Das Holz dieser Palmenart ist termitenresistent und ideal geeignet für Dachkonstruktionen.
Auch hier beraten wir 2 Schulen in der Anlage eines Schulgartens. Um die Verbindung zu uns zu demonstrieren muß ich einen Guavabaum (eine meiner Lieblingsfrüchte) pflanzen.



In der Distrikthauptstadt Sao Domingos besuchen wir das Zentrum von AD mit 3 Schulen mit paralleler Berufsbildung (Schreinerei, Schlosserei mit einer hier entwickelten kleinen Ölmühle, die eine 17% höhere Ausbeute erbringt, Elektrotechnikausbildung, Computer). Die Sensibilisierung der Dörfer in Hinblick auf Umweltschutz und Landwirtschaft spielt eine große Rolle. Jedes Jahr steht unter einem bestimmten Motto, dieses Jahr ist es der Maniok (Anbau, Alternative zu Reis, Verarbeitungsmöglichkeiten).
Auf meinen Wunsch hin fahren wir noch die wenigen km zum Meer nach Varela. Kilometerlanger weißer verlassener Sandstrand, strahlende Sonne, leichter Wind, bizarres Treibholz, Schwimmen in einem so warmen Meereswasser, daß ich das Gefühl hatte, so muß sich ein Embryo im Mutterleib fühlen. Am Strand eine Pflanze, die sehr gut – auch in fortgeschrittenen Fällen - gegen Diabetes helfen soll.
Auf der Rückfahrt viel brennendes Buschland. Uns wird erklärt, dass durch das Steigen des Meeresspiegels die Dämme nicht mehr ausreichen, und die Felder wo der Naßreis angebaut wird durch Meerwasser versalzen. Da die Entsalzungsarbeit sehr mühselig ist wird derzeit verstärkt Buschland abgebrannt und dort Trockenreis angebaut; die niedrigeren Erträge beim Trockenreisanbau werden in Kauf genommen. Wir vereinbaren, einige Dörfer zu unterstützen, damit sie in Gemeinschaftsarbeit die Dämme erhöhen können.
Eine weiter interessante Idee von AD: Die Partner von AD möchten gerne zeigen, daß auf dem Land die Lebensqualität genauso gut, wenn nicht sogar besser ist, als in den Elendsvierteln der Stadt. Sie möchten ein Dorf, das eine gute Gemeinschaft und gute funktionierende Strukturen hat, mit vier Solarstraßenlampen elektrifizieren, um daraus weitere Aktivitäten zu entwickeln, die der Landflucht entgegenwirken sollen.

Wie steht es am Dorfende von Varela: “O futuro depende dos sonhos que alimentamos no presente” (die Zukunft hängt von den Träumen ab, die wir heute beginnen anzupacken).



Agrarprojekt in Cantchungo

Es ist gerade ganz frisch gepreßter Cashewsaft vorhanden. Kalt getrunken, eine Köstlichkeit!
Die Agraringenieure sind stolz. Vor wenigen Jahren haben sie mit 10kg Reis und 70 Euro angefangen, jetzt sind sie zwar nicht reich, sind aber in die Dörfer eingebunden und haben ein gut funktionierendes Agrarzentrum.
In einigen Wochen werden die von uns gelieferten Solarpanels eintreffen, die den Gemüsegarten in Verbindung mit der Ansiedlung von Familien vor weiteren Diebstählen schützen sollen. Auch hier sind Deicherhöhung und Wiederaufforstung dringliche Themen.


Hebammenprojekt

Die Hebamme Aba hat nur 30 von 52 Basisgesundheitsposten im Rahmen ihrer Supervision besuchen können. Die Hindernisse waren fehlende Transportmöglichkeiten, bzw. die schon seit letztem November havarierte Fähre über den Fluß Geba. Sie ist jedoch entschlossen, ihre Tätigkeit in der Trockenzeit Anfang des nächsten Jahres fortzusetzen. Seit sie die Schwangerenvorsorge dort angefangen hat, hat sie die mütterliche Sterblichkeit von 11 Frauen auf maximal 2 in der Regenzeit herabsetzen können.
Ansonsten leidet die Region Boé immer noch unter den gleichen Problemen: unbesetzte Gesundheitszentren, weil niemand in diese entfernte Region gehen will, keine Arztbesuche, fehlende Nahverkehrsmittel, Erschwernis der Regenzeit. Aba hofft immer noch, in ihrer Rolle als Parlamentsmitglied etwas für die Region bewirken zu können.
In einer kleinen Studie hat Aba herausgefunden, daß die schweren körperlichen Tätigkeiten der Frauen, wie z.B. das Reisstampfen, die Fehl- und Frühgeburtenrate erhöhen. In Dörfern mit Reisschälmaschinen fand sie wesentlich niedrigere Raten. Wir diskutieren die Anschaffung von Reisschälmaschinen für Frauengruppen einzelner Dörfer (Anschaf-fungskosten ca. 800 Euro).
Auf die Beschneidung der Mädchen angesprochen, sagt sie genauso wie die Kooperantin des Weltfriedensdienstes, daß es ein vielschichtiges Problem ist, in dem es gilt, auf vielen Ebenen Vertrauen zu erwecken. „Fanado (Beschneidung) ist keine Frage der Barbarei. Denn eine Mutter, die ihre Tochter zum Fanado gibt, will auch hier nur das Beste für die Zukunft ihrer Tochter (spätere Heirat), wie überall auf der Welt“.
Das große Heilpflanzengebiet ist nach ihrem Gespräch mit den lokalen Ältesten nicht mit Caehewbäumen bepflanzt worden. Es wird zwar regelmäßíg abgebrannt, was die Pflanzen jedoch nicht negativ beeinflusst.

Abschied




Entsprechend dem atemlosen „Gerenne“ dieser wenigen Tage kommen wir am Flughafen zu spät zum Check-in.
Der „Großzügigkeit“ des abfertigenden Beamten ist es zu verdanken, daß wir dennoch heim fliegen durften. Meine 9 kg Übergepäck muß ich nicht bezahlen, weil ihm der Quittungsblock ausgegangen ist!!!

Sonja Prexler-Schwab, 31.7.2010

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