Projektreise nach Bissau vom 30.12.2008 bis 10.1.2009

Wir haben uns diesen Termin in den Ferien ausgesucht, damit die Kinder in der Schulzeit nicht zu lange allein sind und sich meine Patienten nicht so lange unbetreut fühlen. Aber eigentlich ist der Termin schlecht gewählt.

Von der maximalen Arbeitsbelastung vor Weihnachten nahtloser Übergang in die Weihnachtszeit mit sofortigem Kofferpacken. Die ruhige Zeit zwischen den Jahren mit Lesen und Hinter-dem-Ofen-verkriechen entfällt. Politische Schwierigkeiten in Westafrika kommen hinzu – Guinea-Bissau hat noch keine Regierung, weil Staatspräsident und Ministerpräsident Differenzen haben und im Nachbarland Guiné-Conakry hat vor 4 Wochen ein Putschversuch stattgefunden. Unsere Kinder verlangen wenige Tage vor der Abreise, daß wir uns unbedingt auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes informieren sollen, ob die Länder überhaupt sicher sind. Unter Conakry stehen überhaupt keine Einschränkungen, von der Einreise nach Bissau wird dringend abgeraten. Was sollte ich mit dieser Information anfangen? Ich habe sie ihnen lieber nicht weiter gegeben.

Fahrt bei Sonnenaufgang nach Frankfurt. Zum ersten Mal Flug mit Air France (war die günstigste Fluglinie mit 1400Euro!!für diese relativ kurze Strecke) über Paris nach Dakar. Wir genießen solche Köstlichkeiten wie Champagner und Mousse au chocolat in der Touristenklasse, die nette Betreuung, „Madame“ wird immer zuerst bedient. Leise Zweifel kommen uns, als wir beim Abflug nach Dakar 2 Stunden wegen nicht näher ausgeführter „technischer Probleme“ 2 Stunden auf dem Rollfeld stehen und warten. Soll man sich mit solch einem Flieger über das Mittelmeer und die Wüste wagen? Ich versuche mich mit Lesen abzulenken, werde aber in der Konzentration etwas von meinem Nachbarn gestört, der gleich hemmungslos zu schnarchen anfängt. Als ich zu einem bewährten Trick aus dem ehelichen Schlafzimmer greife und absichtlich einen lauten Schnarcher tue, erschrickt er furchtbar und entschuldigt sich vielmals bei mir. Wir unterhalten uns dann sehr nett und hinterher habe ich fast ein schlechtes Gewissen, als er erzählt, daß er in Kanada lebt und schon 24 Stunden unterwegs ist, um einige Tage mit seiner Familie in Conakry zu verbringen.

Wir kommen um Mitternacht im Senegal an. Auf dem Flughafen ein chaotisches Durcheinander von Menschen aus ganz Afrika, unterschiedliche Gesichtszüge, vornehme Reisegewänder, goldgeschmückte Frauen, aufdringliche Kofferträger, Trommelrhythmen von draußen, eine deplaziert wirkende Plastikweihnachtswelt im Flughafen aufgebaut…Nach langem Warten, sind wir um 2 Uhr im Hotel.

Silvester: Wir müssen früh aufstehen, um das sündhaft teure aber einfache Frühstück genießen zu können. Sonnenaufgang, Sicht auf den Hafen, die Pirogen fahren zum Fischfang hinaus. Dahinter die Insel Goré mit ihrer traurigen Vergangenheit des Sklavenumschlagplatzes. Vom Zentrum zum Flughafen eine neue 6-spurige Autobahn, ein superneuer Abfertigungsbereich im Flughafen.
Pünktlicher Abflug mit einer kleinen Fokker 50 Propellermaschine. Keine Probleme in Bissau, alle unsere vielen Koffer (wir hatten jeweils 46 kg frei) gleiten auf dem Band herein. Nelson, der Leiter der naturheilkundlichen Gruppe erwartet uns. Wir besuchen kurz Takir, das Zentrum der italienischen Padres. Der Gemüsegarten kräftig grün, mit Salatbeeten, Kohl, Tomaten, Auberginen, kräftigen Papayafrüchten, reifen Grapefruits……was eine regelmäßige Beregnung in der Trockenzeit so alles hervorbringen kann! Einige wenige Artemisiapflanzen, aber in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, was zeigt, daß die 3 dafür Verantwortlichen noch aktiv sind. Kurz darauf kommen sie auch schon, um mich zu begrüßen. Mit den Samen hat es gut geklappt, mit den Stecklingen hat es in der Regenzeit Schwierigkeiten gegeben.
Wir wohnen dieses Mal mitten in der Stadt bei dem Prior der Kongregation, der jetzt auch noch Gemeindepfarrer ist. Als er von unseren ganzen Reiseplänen hört, wird sein Gesicht immer länger und er sieht seine Krapfen, die wir jedes Jahr für ihn backen müssen, schon in unerreichbare Fernen entschwinden.
Wir machen als erstes eine Rundfahrt durch die Stadt um uns die bekannten Stätten anzusehen. Es ist immer wieder ein Schock, den unglaublichen Abfall in der Stadt zu sehen, diese unzähligen Plastik-tüten, die kaputten Straßen, die heruntergekommenen Häuser, den Kühlschrankschrott, der am Hafen steht……Über der ganzen Stadt ein furchtbarer Qualm von den vielen Holzkohlefeuern.
Triste, dass sich vieles verschlechtert hat, der Markt abgebrannt und noch nicht wieder aufgebaut ist, der zerschossene Präsidentenpalast, das verkommene, dreckige Hafenviertel. An anderen Stellen gibt es neue Hotels, sehr viel neue Apotheken, neue Privatkliniken, Haarsalons und kleine, aber gestopft volle Läden. Der Kontrast zwischen der löchrigen Strasse, dem Dreck in manchen Seitenstraßen und den bunten und lauten Läden ist deprimierend.


Bissau, Missionsstation Takir


Nhominkahafen – Transport zu den Inseln

Es ist Silvester. Wer es sich leisten kann, feiert abends. Raketen sind verboten, Autos dürfen nur bis 24 Uhr fahren. Da die Eltern eines italienischen Padre zu Besuch sind, kommen wir in den Genuß köstlicher italienischer Delikatessen, selbstgemachte Tortellini, Antipasti mit Schinken und Sardellen und Linsen als dem typischen italienischen Silvesteressen, was im Neuen Jahr zu Reichtum verhelfen soll. Unser mitgebrachter Artemisialikör paßt da ganz gut dazu. Die ganze Nacht über ist ein unglaub-licher Lärmpegel. Ganz in der Nähe muß es eine 24 Stunden Diskothek geben. Ich bereue es, nicht Oropax mitgenommen zu haben.

Donnerstag, 1. Januar Fahrt in den Norden nach Cantchungo

Trockenzeit. Die Reisfelder sind abgeerntet. Die Ernte war nach einer kräftigen und kontinuierlichen Regenzeit sehr zufriedenstellend. Auf dieser Strecke gibt es wunderschöne Alleen alter Bissilon-bäume, unten mit einem ganz knotigen Stamm, hervorgerufen durch das Abschälen von Rinden-stücken, die für die Herstellung von Medikamenten verwendet werden. Verschiedene Bäume und Lianen blühen, einzelne Kaschu- und Mangobäume zeigen schon die ersten Blüten.
Die beiden Agraringenieure haben mit Hilfe von EU, AD und 2 portugiesischen Organisationen seit letztem Jahr ein tolles knall oranges Zentrum mit Versammlungs- und Verkaufsraum erstellt. Sie arbeiten mit einer Gruppe von 20 jungen Männern, die eine landwirtschaftliche Ausbildung erhalten. 27 Dörfer sind angeschlossen. Über das Dorfradio haben sie gute Möglichkeiten, die Bevölkerung zu erreichen. In der Kooperative selbst hatten sie im letzten Monat große Probleme. Diebe waren über den Fluß gekommen und hatten ihnen bei Nacht alle 200 neu gezüchteten Hühner und Abdeckungs-material gestohlen und einen Brutapparat mutwillig zerstört. Die Arbeit von 3 Jahren vernichtet. Aber die Gruppe läßt sich dadurch nicht entmutigen. Sie werden wieder neu beginnen. Die Jatropha (Purgiernuß), von der ich bei meinem letzten Besuch Samen dagelassen habe, ist als Begrenzung ausgesät worden und wächst ganz gut, der Medizinalgarten ist eingezäunt. Sie sind sehr enttäuscht, weil die brasilianische Schwester, die aufgrund ihrer naturheilkundlichen Ausbildung sehr intensiv mit ihnen zusammengearbeitet hat und auch eine gute Ideengeberin war, wegen interner Eifer-süchteleien nach Brasilien strafversetzt worden ist. Sie betonen aber, daß sie gerne zu einem Produktionszentrum für Heilpflanzen werden und Artemisia und andere von der Gruppe benötigte Heilpflanzen anbauen wollen. Sie haben dafür ein 25x30m großes Areal reserviert, bräuchten aber Schläuche für die Tröpfchenbewässerung und Pflanzgefäße. Als wir uns den Platz genauer anschauen, hält sich dort auch eine Schlange mit einem schönen braunen Zackenmuster auf, eine Tutu, etwa 2 m lang, sehr kräftig und dick. Nach dem Biß soll man noch eine halbe Stunde Lebenszeit haben.


Radiostation-Zentrum Cantchungo


Informationen für die regionale Bevölkerung

In Bissau zurück besuchen wir Nelsons Zentrum, das in der Straße liegt, in der wir früher gewohnt haben. Alte ehemalige Nachbarn erkennen uns und es gelingt uns dieses Mal die ehemalige Kinderfrau unserer Tochter ausfindig zu machen. Sie ist eine ganz dünne, kleine weißhaarige, etwa 70 jährige Frau. Als sie mich sieht, schaut sie ganz ungläubig, erkennt mich dann aber sofort und fragt sofort nach“ihrer“ Alena. Sie hat sie zuletzt 1985 gesehen.

Freitag, 2. Januar


wir brechen mit Nelson und dem Caritas-Landrover zu unserer großen Rundreise auf.
In Mansoa besuchen wir ein aktives Zentrum, allerdings ein baulich sehr schlechtes, das dringend renoviert werden müßte. Positiv ist, daß hier sehr viel produziert wird: Cremes gegen Pilz-
erkrankungen, Sirup gegen Blutarmut,…Dieses Zentrum ist zum Verarbeitungszentrum für Artemisia geworden. Sie haben die Blätter getrocknet, in die von uns gelieferten Teebeutelchen gefüllt, einen Faden mit dem Schildchen Artemisia daran gebunden und eine 7 Tage Dosis für 750 CFA für Kinder und 1000 CFA (=1,50Euro) für Erwachsene verkauft. Diese Malariabehandlung hat eine neue Bedeutung erlangt, da Chloroquin, das Jahrzehnte bewährte Mittel gegen Malaria wegen seiner Unwirksamkeit nun endlich auch vom guiniensischen Markt genommen worden ist, allerdings ohne einen erschwinglichen Ersatz. Die pflanzlichen Medikamente finden großen Zuspruch, einer Infoveranstaltung wurde von der Bevölkerung großes Interesse entgegengebracht, es wurde sogar nach einem Kurs gefragt. Dieses Zentrum hat auch eine gute Verbindung zu den Ärzten im Krankenhaus und damit auch eine gute Wirksamkeitskontrolle. In Bissau wird einmal im Monat ein Stand vor der Kathedrale nach der Sonntagsmesse mit sehr großem Zuspruch veranstaltet. Schade ist, daß es bei Caritas Umbesetzungen und finanzielle Schwierigkeiten gegeben hat, so daß es jetzt für gar nichts mehr Unterstützung gibt. Das Personal wurde drastisch dezimiert. Die Medizingruppe hat jetzt zwar dadurch einen eigenen Raum, aber einen fast funktionsuntüchtigen Computer, keine Photokopier-möglichkeit…
Wir fahren weiter in den Süden nach Bedanda. Eine extrem schlechte Piste, weitaus schlechter als vor 2 Jahren, jede Regenzeit macht sich da deutlich bemerkbar. Guine-Bissau gehört zu den einzigen 3 Staaten auf der Erde, wo keine Steuern zu entrichten sind. Woher soll der Staat das Geld nehmen, um Straßen zu bauen? In einer Senke müssen wir einen kleinen See durchfahren. Nelson ist ein sehr vorsichtiger Fahrer, aber vor der Stelle hat er großen Respekt. Unterwegs schöne, sauber gekehrte Dörfer. Der Reis trocknet auf dem Boden vor den Häusern, auch verschiedene Hirsesorten, Peperonischoten, selten Mais. Bohnen liegen zum Trocknen auf den Strohdächern, Manchmal leuchtet das intensive Rot der Hibiskusblüten, die dann als Tee verwendet werden. Am Wegrand sind viele Felder bearbeitet und gesäubert. Wir sehen viele Manjok- und Bananenpflanzungen, immer wieder auch neue Cashewpflanzungen. Die Cashewbäume überziehen inzwischen das ganze Land, Arnold prägt den Begriff „Guiné-Kaschu“. In Pepitos Baumschule am Wegrand sehen wir nur noch wenige, aber sehr hoch gewachsene Bäume. Der Rest ist schon verpflanzt.


Papaia in Hülle und Fülle


die Cajublüten duften bereits

In Bedanda sehen wir das inzwischen ganz zerfallene Gesundheitszentrum. Irgendwie fehlt wieder einmal die nötige Koordination des Ministeriums. Das naturheilkundliche Zentrum dagegen steht sehr gut da mit einem neuen Haus für die Verarbeitung der Medikamente und 2 Wasserbehältern zum Auffangen von Regenwasser, um die Zeit von März bis Juni, in der die Brunnen nur salzhaltiges Wasser führen, überbrücken zu können.
Die Schwestern sehen jetzt in ihrem Projekt seit Jahren die ersten Erfolge. In den von ihnen betreuten Dörfern geht die Krankheitshäufigkeit Dank besserer Vorsorge, Moskitonetzen und Schwangerenvor-sorge zurück, die Unterernährung spielt nicht mehr die große Rolle und auch die Schwere der Krankheiten ist stark zurückgegangen. Früher haben sie bis spät in die Nacht gearbeitet, jetzt ist das nur noch selten der Fall. Dennoch werden in den 2 Tagen, in denen wir da sind, 2 Mädchen aus ganz entlegenen Dörfern bewußtlos, mit Krämpfen, hohem Fieber und dem Vollbild der zerebralen Malaria gebracht. Das eine Kind lag schon 5 Tage im Koma, durfte aber nicht gebracht werden, weil der Vater verreist war.

Samstag, 3. Januar

Wir setzen schon um 8.30 Uhr mit einem kleinen Motorboot über den Fluß. Es ist extrem neblig, alles tropft (für die Trockenzeit sehr ungewöhnlich). Der löchrige Bootssteg ist sehr rutschig, aber man paßt auf und hilft mir sofort. Einige Schüler, die in eine entfernte Stadt in die Schule gehen, fahren mit. Sie haben einen Sack Reis als Schulgeld dabei. Auch die Überfahrt wird mit Reis bezahlt. Ein Padre erwartet uns auf der anderen Seite und bringt uns in den Garten seiner Kooperative. Trotz vieler Probleme mit Geld, Transport und Führung finden wir ein schön angelegtes Areal mitten im Busch mit Salat, Auberginen, Tomaten, Bananen….Beeindruckend im Süden die großen einzeln stehenden Urwaldriesen und das im Vergleich zum Norden noch sehr grüne Buschland. Mittagessen mit 9 italienischen Freunden und Verwandten des Padres - ein gewaltiger Lärmpegel! Während ihres Aufenthaltes haben sie mitgeholfen, das Haus der Näherinnen zu renovieren. Es soll auch zur Erwachsenenalphabetisierung und als Versammlungshaus genutzt werden. Auf dieser Seite des Flusses ist laut der hier arbeitenden kenianischen Schwestern die Situation eine ganz andere als in Bedanda. Sie beklagen die hohe Müttersterblichkeit und die fehlende Basisgesundheitsversorgung. Sie sehen allerdings nicht, daß ihre Arbeit nur darin besteht, die Nahrungsmittel von PAM (Welternährungsprojekt) zu verteilen, ohne den Frauen ernährungstechnisch etwas beizubringen. Die Nahrungsmittel werden für die ganze Familie als Ernährungsaufbesserung verwendet, das betreffende Kind bleibt absichtlich unterernährt, um den Zustrom an Nahrungsmitteln nicht abzuschneiden. Wir halten an dem Haus, das letztes Jahr abgebrannt war und wo ich 200 Euro als Nothilfe dagelassen hatte. Die Familie ist „Tabanka“ sehr dankbar.


Cooperative in Catió – Padre Mauricio


Pulga oder Jatropha – zur Ölgewinnung

Am Abend, der Bootsmann hat auf uns gewartet, setzen wir wieder über den Meeresarm. Auf dem Rückweg nach Bedanda laufen wir den Rest des Weges durch die riesigen Reisfelder, die in mühevoller Handarbeit aus Mangrovensümpfen dem Meer abgerungen worden sind, und bewundern wieder einmal das ausgeklügelte Be- und Entwässerungsystem, die aufgeschichteten Reisbündel, die kleinen Hüttchen der Jungen, die die Vögel verscheuchen müssen……Es dauert nicht lange und Mario, der Hauptverantwortliche des Naturheilkundezentrums kommt uns mit dem Fahrrad entgegen. Er spricht über die Probleme des Zentrums. Die Gruppe ist ursprünglich als Freiwilligengruppe im christlichen Sinne als Dienst am Mitmenschen konzipiert worden. Aber mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, gibt es zunehmend kritische Stimmen und einige Mitglieder fordern eine geregelte Bezahlung. Ein Problem könnte auch werden, dass bei Nichterfüllung dieses Wunsches einzelne sich absetzen und ihre eigene Praxis eröffnen werden.

Im Dorf kommt uns Nelson entgegen, er hatte sich schon Sorgen über unseren Verbleib gemacht.


Gemüsegarten und Bananenfeld in Catió


die Reisfelder von Bedanda – rießig!

Sonntag, 4. Januar

Auf dem Rückweg Richtung Nordwesten ein kurzer Abstecher nach Caboxanque, zu unseren Zeiten damals in den 80er Jahren ein riesiges Reisanbau- und landwirtschaftliches Bildungsprojekt, das mit enormen finanziellen Hilfen aufgebaut worden ist und in dem Arnold mitgearbeitet hat. Das Dorf ist wunderschön am Fluß gelegen, die damaligen Projekthäuser außer dem Lagerhaus verfallen, der einstige Hafen ungenutzt. Arnold hat noch die früheren Bilder von damals vor 25 Jahren im Kopf. Im Dorf kommen wir an einem Backofen vorbei, aus dem ein 12 jähriger Junge die frischen, duftenden Brotstangen herauszieht. Er begrüßt mich auf traditionelle Weise, wie er auch eine guiniensische Frau begrüßen würde, mit: „Bon dia, mae“ (guten Morgen, Mutter). Später erfahren wir, daß die Aktivitäten vom ehemals staatlichen Projekt in Caboxanque nach Cantanhez verlegt worden sind. Die guiniensische ONG -Accao para o Desenvolvimento- (Aktion für die Entwicklung) hat dort ein neues Zentrum mit Schule und Agrotourismus eingerichtet und der Urwald von Cantanhez wurde unter Naturschutz gestellt. Gerne hätten wir es noch besucht, aber die 2-3 Stunden Umweg sind einfach nicht mehr drin. Auf dem Weg nach Bafata überqueren wir wieder die alte portugiesische Brücke, die über die Stromschnellen des Rio Corubal führt. 20-30 Frauen waschen dort ihre Wäsche auf den Felsblöcken und legen die Wäsche zum Trocknen auf die Steine. Ein sehr farbenfrohes Bild.


Stromschnellen bei Saltinho


dankbare Familie – das Dach ist wieder gedeckt!

In der Regionalhauptstadt Bafata schauen wir kurz beim dortigen Bischof vorbei. Wir haben Glück, er will gerade nach Bissau aufbrechen, und wir stellen ihm unsere Idee, in dem nahegelegenen Seminar-zentrum Njabijon einen Schau-Heilpflanzengarten anzulegen, vor. Er ist ganz angetan von der Idee und meint, in seinem Garten könnte man so etwas auch machen!
Es geht weiter nach Contubuel, dem 2. Reisanbauzentrum vor 25 Jahren, leider auch im gleichen baulichen Zustand. Aus irgendeinem Grund wurden die Reisanbauflächen umfunktioniert und alle Frauen des großen Dorfes bauen jetzt Zwiebeln statt Reis an. Ein großes Problem ist deren Lagerung, da Zwiebeln bei den Temperaturen sehr schnell verderben. Die brasilianischen Schwestern in Contubuel verarbeiten die Wurzel der Djanderepflanze als Malariaprophylaxe. Das Projekt läuft gut, sie könnten ihre Produktion sogar noch steigern. In dem Krankenpfleger und dem Arzt des Dorfes haben sie schon weitere Interessenten gefunden, was auch wieder den Vorteil der medizinischen Kontrolle hätte.


Solartrockner für Wurzeln, Blätter, etc.


Naturheilmittel hergestellt in Contubuel

Von dem Trockengerät, das „Tabanka“ letztes Jahr finanziert hat, sind die Schwestern total begeistert, da es ihre Arbeit wesentlich erleichtert. Sie wollen in Zukunft auch probieren Früchte und Kräuter zu trocknen. Das große Dorf liegt an der Straße auf dem Weg zur senegalesischen Grenze. Es ist sehr schmutzig und die Luft wieder ganz rauchig von den vielen abendlichen Feuern. Es prasselt in der Ferne, am Dorfrand lodern die Buschfeuer. Es ist fast Vollmond und die Nacht wird recht frisch. Die Decke über dem Laken, komischerweise eine, die man normalerweise im Flugzeug der TAP bekommt (wie mag die wohl hierher kommen?) können wir gut gebrauchen.

Montag 5. Januar

Eine weite und wegen der Straßen beschwerliche Reise in den Osten des Landes nach Beli. Wesentlich trockener, abgebrannte Flächen, nur mit den weißen Baga-Baga Pilzen (=Termitenhügeln) bestanden, verbackene Mineralstoffkomplexe, die wie Lava aussehen, dunkle Felsplatten, nur in den Senken, Rias genannt, wo es Wasser gibt, etwas grün. Nelson fährt den Weg zum ersten Mal und er kann es gar nicht fassen, daß das auch Guinea-Bissau sein soll. Wir fahren durch das etwa 2,5 km lange Djandere-Gebiet. Einzelne Blüten haben sich schon entfaltet, aber schnell lernen wir auch die noch nicht blühenden Pflanzen zu erkennen. Auch hier ist Nelson ganz begeistert, weil er die Pflanze noch nie in natura gesehen hat.
Es ist ein weiter und ermüdender Weg - 7 Stunden Fahrt für die ca. 100 km - aber wir schaffen es rechtzeitig zur Eröffnung des Grundkurses für Dorfhebammen und Basisgesundheitshelfern in Beli zu sein. 80 Teilnehmer aus bis zu 70km entfernten Dörfern sind hier für 10 Tage zusammengekommen, die Frauen teilweise mit ihren Säuglingen oder Kleinkindern auf dem Rücken. Sie müssen sich für diese Zeit 6 Räume mit jeweils einem Bett teilen! Es ist eine Riesenorganisation (diese 80 Teilnehmer wollen schließlich 3mal am Tag essen!), an der die Kooperanten des Weltfriedensdienstprojektes maßgeblich beteiligt sind. Ich treffe einige alte Bekannte. Die 3 Teilnehmer, die letztes Jahr zu meinem Kurs nach Bissau geschickt worden waren und sich dort absolut schweigsam und zurückhaltend verhalten hatten, begrüßen mich hier wie eine alte Freundin, und ich bin sehr erstaunt über das Selbstbewußtsein, mit dem sie sich hier in ihrer vertrauten Umgebung bewegen. Die Hebamme Abba wird die Grundausbildung für die Dorfhebammen abhalten und Suleyman, ein damals vor 25 Jahren ganz junger Krankenpfleger, in dessen Gesundheitszentrum in Bissau ich immer einmal pro Woche gynäkologische Sprechstunden abgehalten habe, ist zu meiner Überraschung derjenige, der die Basisgesundheitshelfer ausbilden wird.
Zur Eröffnung viele Reden, in denen meine Funktion als diejenige, die maßgeblich an der Verwirk-lichung dieses Projektes mitgewirkt hat, etwas übertrieben dargestellt wird. Traditionelles Abend-essen: dort angebauter Reis mit Huhn und guter Soße aus einer großen Schüssel, wobei Arnold und ich einen Löffel bekommen und Abba, Suleyman und Nelson mit der Hand essen. Als Nachtisch eine geschälte Orange, mit der typischen weißen, dicken Schale, von der die Kuppe abgeschnitten und deren Saft „ausgezühlt“ (wie die Franken sagen) wird. Diese Orangen gibt es gerade im wahrsten Sinne des Wortes haufenweise in den Dörfern der Region. Eine kalte Nacht kündigt sich an und wir werden mit allen möglichen Tüchern, darunter auch Tischdecken, zum Zudecken ausgestattet. Wir hätten sonst auch empfindlich gefroren.


Fortbildung in Beli – Aba eröffnet den Kurs


WFD-Cooperantin Isabel, Aba und Nelson

Dienstag, 7. Januar

Ein kalter Morgen. Der Landrover hängt schief. Ein Reifen hat ein Loch, kein Wunder bei den scharfkantigen Steinen. Glücklicherweise gibt es noch einen Automechaniker aus dem ganz alten WFD Projekt, der sich darum kümmern kann. Beim Frühstück erfahren wir von dem gigantischen Bauxitprojekt hier im Osten, das bald anfangen soll, wobei ganz klar ist, daß viele absahnen werden, aber sicher nicht der Staat Guinea-Bissau.
Ich nehme noch kurze Zeit an dem Hebammenkurs teil. Ich kann begreifen, worum es geht, Abba setzt die Sprache ihres voluminösen Körpers sehr geschickt ein, aber die Sprache Fula verstehe ich nicht. Die Frauen sitzen sehr konzentriert im Halbkreis und erfahren zum ersten Mal etwas von der Anatomie der Frau, was sie sehr in Erstaunen versetzt. Ihre Kinder schlafen festgezurrt auf ihrem Rücken oder sitzen auf dem Schoß und spielen mit dem Falten ihres Kleides. Ein Kind hustet dauernd, ein anderes kreischt. Die Inhalte des Kurses sind: Anatomie, Entwicklung einer Schwangerschaft, Kontrolle der Schwangerschaft und vor allem frühzeitiges Erkennen von Schwangerschafts- und Geburtsrisiken. Ernährung ist auch ein großes Thema. Von den 35 teilnehmenden Frauen haben nur 4 im letzten Monat grüne Blätter als Gemüse dem Essen zugesetzt. Für Abba ein Hinweis, daß sie das Thema sehr ausführlich behandeln muß. Die Basisgesundheitshelfer werden in der Behandlung von Malaria, Augenentzündung, Husten, Durchfall und Kopfschmerzen unterrichtet. Sie werden dafür einen kleinen Vorrat von Medikamenten bekommen. Es gelingt uns für den nächsten Kurs im April Nelson zu integrieren. Er wird dann über die Behandlung dieser Krankheiten mit pflanzlichen Heilmitteln sprechen, zusammen mit den Teilnehmern Arzneimittel herstellen, und zwar mit den Möglichkeiten, die es im Dorf gibt, und mit ihnen auch einen Heilpflanzengarten anlegen. Ich hoffe, daß das ein Schritt in die Unabhängigkeit werden wird. Im Moment ist die Versorgung mit Medikamenten sehr unregelmäßig und ganz häufig heißt es „nada ka ten“ (nichts gibt es).
Wir verabschieden uns und bekommen frisch gestampften Reis geschenkt. Auf dem Rückweg nehmen wir einen alten kranken Mann und seine Frau zur Begleitung mit und natürlich den obligatorischen Sack Reis, damit er im Krankenhaus von Gabu auch etwas zum Essen hat.


Die Wüstenrose – giftig und heilig


schlangensicheres Hühnerhaus

Wogende Grasfelder, Affen, die über den Weg springen, in der Ferne eine Fläche mit rosa Blüten, die wir uns natürlich anschauen müssen. Es sind Büsche wachsen mit großen rosa Blüten, die direkt auf den Felsplatten wachsen. Die Pflanze heißt Wüstenrose und ist sehr giftig. Es werden ihr magische Kräfte zugeschrieben. Man darf sie nicht pflücken, sonst muß man sterben. In einem Dorf an einem großen See gelegen kaufen wir getrockneten Fisch. Die Leute unterhalten sich sehr bereitwillig mit uns Fremden.
Unterwegs noch einmal ein platter Reifen und dann ein sehr herzlicher Empfang in Njabijon. Beim Duschen kommt eine braunrote Staubbrühe aus meinen Haaren. Die Nacht ist sehr laut, Gebete von der Moschee bis zum Morgengrauen, das Neujahrsfest der Muselmanen.


Mittwoch 7. Januar

Morgens Auswahl des Geländes für den anzulegenden Heilpflanzengarten. Ein Garten an diesem Ort hätte einen sehr großen demonstrativen und erzieherischen Wert, weil hier viele junge Leute zu Seminaren zusammenkommen. Auch die Medizingruppe könnte in Zukunft ihre Seminare hier abhalten und dann auch Medikamente zusammen herstellen. „Tabanka“ wird dazu einen jungen Mann bezahlen. Die Beratung, welche Pflanzen angebaut werden sollen, wird die Medizingruppe übernehmen. Die Vorbereitung des Geländes soll schon jetzt beginnen, damit zur Regenzeit gepflanzt und gesät werden kann.




Nabijom – Auswahl der Fläche für den Heilpflanzengarten im Fortbildungszentrum der Diözöse Bafata

Rückfahrt nach Bissau. Gespräch mit PLAN International. Nach Verständigungsschwierigkeiten im Vorfeld, werde ich jetzt aufgefordert, einen Projektentwurf zu schreiben, wie die Pflanzenheilkunde in den Basisgesundheitsdiensten der Dörfer integriert werden könnte. Wenn wir das erreichen könnten, wäre es eine sinnvolle und große Sache. Plan arbeitet in der großen Nachbarregion von Boe, in Bafata.
Wir müssen noch unseren Rückflug bestätigen, sonst können wir nicht heim fliegen. Eine sehr mürrische Kapverdianerin kümmert sich um die Reservierung. Als wir schon die Türklinke in der Hand haben, ruft sie uns zurück und drückt uns ein paar Bonbons in die Hand. Man muß nicht alles auf dieser Welt verstehen können! Vor der Kathedrale kaufen wir noch eine Holzmaske. Wir haben aber kein Geld mehr. Wir sollen sie trotzdem mitnehmen und das Geld morgen bringen. Wir sind ganz erstaunt über das Vertrauen, aber der Schnitzer sagt, daß er die Familie von Nelson kennt. Das ist seine Sicherheit.

Donnerstag, 8. Januar

Unsere Kurse in Bissau beginnen. Leider zeigt die Interimsleiterin von Caritas kein Interesse und läßt sich in den ganzen 3 Tagen nicht ein einziges Mal sehen. Schade! Sie hat auch nur erlaubt, daß pro Zentrum 2 Leute an dem Kurs teilnehmen. Das hat aber den Vorteil, daß nur der harte Kern da ist. Zu meiner großen Freude ist auch der ehemalige Leiter der Gruppe, Tio Ze, da. Er hat sehr viel Autorität und alle hören auf ihn. Auch der wissenschaftliche Leiter, der Leiter des Nationallaboratoriums, der in den letzten beiden Jahren nicht mehr teilgenommen hat, ist da. Statt Unterricht abzuhalten, versuche ich an diesem Tag nur etwas zu moderieren. Es herrscht eine sehr offene und gesprächsbereite Stimmung und es ist schön zu beobachten, wie sich wieder ein Wir-Gefühl entwickelt. Am Ende des Tages werden folgende Beschlüsse gefasst:
1. es wird ein Jahresplan mit dreimonatlichen Treffen erstellt
2. das Zentrum von Bubaque, das erste naturheilkundliche Zentrum Guineas, soll besucht und eine Problemlösung gefunden werden
3. es sollen einheitliche Preise für die Medikamente festgelegt werden
4. man wird sich auf einen Vorrat von Medikamenten einigen, einem „stock“der immer in jedem Zentrum vorhanden sein muss
5. jedes Zentrum wird in der Hauptsache einzelne Medikamente produzieren und die anderen damit versorgen – Arbeitsteilung
6. die Zusammenarbeit wird sehr betont
7. die wissenschaftliche Gruppe wird wieder ihre Arbeit aufnehmen




Montage der Solarlampen LED-100 in Bissau

Um 9.00 Uhr beginnen wir die Solarlampen im Technikzentrum von AD auszupacken und alles für den Zusammenbau zu strukturieren. „AD“ hat mir 2 gut ausgebildete Techniker zugeteilt. Wir arbeiten den ganzen Tag in Etappen am Zusammenbau der LED-Lampe 100, die Solar-Licht in die Hütten bringen soll.

Freitag, 9. Januar

Ich stelle 2 in Guinea vorkommende Pflanzen vor. Die eine ist ein blau blühender Busch, der mehr als Zierpflanze verwendet wird und die andere ein kleines Kräutlein, das bei Asthma sehr effektiv hilft. Großes Erstaunen über ihre Fähigkeiten.
Nachmittags lautet das Thema: Der Einsatz von Heilpflanzen bei AIDS. Ich habe dazu den Chef des „AIDS Service“ eingeladen, einer Gruppe von jungen Leuten, die Aufklärung über AIDS in den Schulen abhalten. Für beide Gruppen ist der Kontakt sehr interessant. Sie haben sich bisher sogar das gleiche Zimmer bei Caritas geteilt, ohne zu wissen, was die jeweils andere Gruppe eigentlich macht.
In den Pausen versuche ich noch mit möglichst vielen Leuten und Organisationen zu sprechen. Verbindungen herzustellen und zu vernetzen sehe ich immer als eine meiner Hauptaufgaben in dieser kurzen Zeit an.


Schwester Maria hat die Leitung der Gruppe „Naturmedizin“ übernommen


Heilpflanze Gervao

Im Technikzentrum setzen wir die Arbeiten zum Zusammenbau der SOLUX LED-100 fort. Die vielen Kleinteile, der richtige Zusammenbau und die vielen aufeinanderfolgenden Schritte müssen gut vermittelt werden. Um 16.00 Uhr brennt die erste Lampe – es hat geklappt!! Wir stellen noch 3 andere fertig, die wir vorher in den Etappen schon weitgehend zusammengebaut hatten. Um 18.00 Uhr brennen 4 Lampen – Der Leiter von AD, den wir herbeirufen, ist ganz begeistert und überzeugt, daß die Lampe sehr gut von der Dorfbevölkerung angenommen und genutzt wird.


Samstag 10.Januar
Wir hatten von den Heilpflanzen unseres Posters ein Memoryspiel vorbereitet. Das haben wir an diesem Morgen im großen Kreis am Boden gespielt. Für alle ein großes Vergnügen mit viel Gelächter. Eine Schwester stellt ihre erfolgreiche Behandlung von Hepatitis B mit einer Pflanze vor. Sehr beein-druckend. Und alle sind sich einig, daß ein Wissensaustausch auf diese Art und Weise auch in Zukunft erfolgen sollte.

Im Technikzentrum beginnen wir einen neuen Zyklus, denn heute sind noch 2 weitere Männer dabei, die von den 2 schon ausgebildeten im Zusammenbau der LED-100 unterrichtet werden sollen. Ein etwa 50 Jahre alter Mann kennt mich noch aus früheren Zeiten. Der Zusammenbau geht langsam vonstatten, aber um 14.00 Uhr brennt die erste Lampe und wir bauen sie gemeinsam fertig. An der zweiten muß ein Lötfehler oder ein Wackler etc. aufgetreten sein. Alles gar nicht so einfach – aber die vier sind wirklich gut und gehen sofort daran mit dem Prüfgerät die Fehlerstelle zu suchen. Ich bin ganz optimistisch, dass alles sehr gut klappen wird. Die Lampen sollen dann, wenn sich durch Reis- und Cashewverkauf etwas Geld angesammelt hat, in den Dörfern verkauft werden. Der Kaufpreis dient dazu, dass zum einen achtsam mit der Minisolaranlage umgegangen wird, und wir wollen den Erlös für den Aufbau von Schulgärten, Heil- und Obstpflanzenbaumschulen weiter verwenden. Somit hat das Solarprojekt einen doppelten Nutzen.

Sonntag, 11 Januar

Die Krapfen müssen noch gemacht werden, Nelson lädt uns zum Essen ein und erzählt von seiner Insel. Es gibt dort kein Gesundheitszentrum und auch keinen geregelten Transport nach Bissau, sodaß es in letzter Zeit einige Male vorgekommen ist, daß Kranke zu lange auf ein Boot warten mussten dann auf dem Weg gestorben sind. Es scheint eine Region zu sein, wo noch viel über den Tauschhandel läuft.

Auf dem großen Markt sprechen wir noch mit traditionellen Heilkundigen, die dort ihre Kräuter verkaufen. Es sind die gleichen Mittel, die die Gruppe auch verwendet. Erst wollen sie Geld für ein Photo, aber dann unterhalten wir uns sehr nett und gehen als Freunde auseinander. Auf der Suche nach CDs begeben wir uns in die tiefen Höhlen des Marktes, wo ein kleiner Stand am anderen liegt und fast kein Durchkommen ist. Stoffe wollen wir noch kaufen in einem dunklen Raum mit Stoffstapeln bis an die Decke, wobei jeder Stapel einem anderen Verkäufer gehört und jeder noch lauter und überzeugen-der seine Stoffe anpreist. Ein Chaos! Abbasinha, unsere Begleiterin, handelt gnadenlos. Zwischendrin fühlt sich die Stimmung etwas bedrohlich an, aber auch hier trennen wir uns unter viel Gelächter als Freunde.


Die Stoffkooperative - schnell noch ein Foto!

Einchecken auf dem Flughafen mit 30 kg zu viel. Auf meine Bitte, etwa großzügig zu sein, werden mir 5 kg erlassen. Als der Chef kommt und seinen Mitarbeiter korrigiert, es wären doch mehr kg gewesen, erklärt er ihm unser Übereinkommen. Und es ist gut so.

Ich empfinde es so, wie es der Pater in der Kirche ausgedrückt hat. Vor der ganzen Gemeinde mußten wir zu Ende des Gottesdienstes aufstehen und er hat kurz erzählt, was wir hier in Bissau gemacht haben. Er hat uns mit den Worten verabschiedet: „sie fahren jetzt in das kalte Europa zurück, aber mit der Wärme Guines im Herzen.“


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