Projektreise 4. bis 21. März 2011

Aus unserem vor jeder Reise extrem vollen Alltag (Erkältungswelle in der Praxis, Abrechnung, Computerzusammenbruch, Tabankaauftritt mit entsprechenden Vorbereitungen, runder Geburtstag, viele Übersetzungen für Bissau, Korrektur im letzten Moment……..), nach 2 Reisetagen, bewegendem Gottesdienst in Bissau mit Geburtstagsfeier einer Hundertjährigen mit ihren 5 Generationen Nachkommen, plötzlich in die Langsamkeit des Tabankabootes mit Kurs auf die Insel Nago versetzt.

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Kühler Wind auf dem Meer (ohne Arnolds Jacke wäre ich wahrscheinlich erfroren), bewegter Seegang, Delphinschule, einzelne wunderschöne kleine, unbewohnte Inselchen, Ebbe, überall tauchen um uns herum Sandbänke mit Vogelkolonien auf, ein ganz unwirkliches Geschehen. Ankern vor einer größeren Insel, die aussteigenden Mitreisenden müssen bis zum Hals im Wasser mit den Lasten auf dem Kopf ans Ufer waten. Fahrt durch Mangrovenarme, wobei die Stelzwurzeln der Mangroven immer länger werden und immer weiter aus dem Wasser ragen.
Und plötzlich tut es einen Ruck und wir sitzen auf einer Sandbank fest. Alle Männer springen ins hüfthohe Wasser und versuchen das Boot wieder flott zu bekommen. Vergebens. Der Kapitän und die Besatzung sind zutiefst verzweifelt, dass ihnen das auch noch mit uns zusammen passieren muss. Um uns das Warten zu versüßen, zieht plötzlich einer der Mitreisenden eine Packung Fertigbabybrei aus seinem Rucksack. Auf unseren Protest hin, dass wir eigentlich auch Afrikaner seien, wird der Babybrei in einer zuvor mit Sand und Meerwasser blankpolierten Schüssel mit mitgeführtem Süßwasser angerührt und reihum gegeben.
Hat gut geschmeckt! Arnold hat seine Angel aus dem Koffer gezogen und sie mal vorne, mal hinten, mal mit der Strömung, mal gegen die Strömung…….ausgeworfen, aber ohne greifbares Ergebnis.
Inzwischen Abenddämmerung und die Flut hat langsam eingesetzt. Beim Versuch, den Motor anzulassen, springt das Seil aus seiner Führungsrinne. Der obere Teil des Motors muss abgeschraubt werden, um an die Seilzugrinne heranzukommen. Wer hat den passenden Schrauben-schlüssel?
Die Sonne ist untergegangen, leicht auberginefarbene Wölkchen. Eine ganz zarte, filigrane Mondsichel ist am ersten Tag nach Neumond am Himmel zu sehen. Unsere mitgebrachte Solarlampe kommt zum Einsatz. Und endlich nach vielem Probieren springt unser Motor wieder an. Inzwischen ist es stockdunkel, auf beiden Seiten in großer Entfernung die schwarzen Scherenschnitte des Mangrovenufers, über uns ein beein-druckender Sternenhimmel. Ich glaube, so weit ins Weltall haben wir noch nie hineingeschaut!
Unser Glück währt nicht lange, und schon wieder sitzen wir fest. Wieder eine Zeit des Wartens, bis wir von der Flut losgeschwemmt werden. Dann folgt eine Zeit des Suchens. Wo ist der Hafen in dieser Dunkelheit? Plötzlich ein zartes Lichtlein am rechten Flussufer. Tatsächlich, aber von Hafen keine Spur! Umladen auf schmale Einbäume. Damit ich keine nassen Füße bekomme, werde ich von einem starken jungen Mann auf den Arm genommen und ans Ufer getragen. Diesen Luxus durfte Arnold nicht genießen.
In der Dunkelheit sind Häuser zu erahnen. Mir wird angeboten, auf dem Mofa mitzufahren, das wir mitgebracht haben. Ich lehne natürlich ab, die paar Schritte kann ich doch zu Fuß laufen! Dann geht es im Gänsemarsch einen schmalen Pfad durch den Urwald hindurch. Nach einer Weile Hundegebell. Endlich! Aber es geht durch das Gehöft hindurch, der Dreisteineofen glimmt noch, Ziegen und Enten zwinkern verschlafen, und weiter geht es. Müde, erschöpft, aber der Weg ist das Ziel!
Nach einer Stunde kommen wir kurz vor Mitternacht im Dorf an. Jetzt muss noch gekocht – Reis mit Fisch - und Wasser vom Brunnen geholt werden, damit wir uns im Freiluftbadezimmer, notdürftig erleuchtet von unserem Solarlämple, aber unter dem phantastischen Sternenhimmel, den Staub vom Gesicht waschen können.

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Am nächsten Morgen sehen wir erst einmal, wo wir gelandet sind. Riesige Bäume, Baobab, Kapok, Colabäume, zum Meer hin ausgedehnte Grasebenen, Mangrovenarme, Urwald, viele Palmen, unter denen als Zeichen, dass die Palmfrucht reif ist, einzelne rote Früchte liegen.
Wir machen mit dem Verantwortlichen der Bootkooperative eine Runde durchs Dorf und begrüßen seine Bewohner. Die Frauen sind mit der Palmölherstellung beschäftigt. Letztes Jahr haben wir 1 ½ Liter rotes Palmöl geschenkt bekommen. Ich war mir gar nicht bewusst, wie viel Arbeit da dahintersteckt! Die Ölkerne müssen erst einmal mit einem Messer aus ihrem Kelch befreit und dann gekocht werden. Dann werden sie in einem alten Einbaum gegen die Bordwand geworfen, damit sich der Innenkern von dem fasrigem, umgebenden Fruchtfleisch löst und anschließend die Fasern von Hand ausgepresst werden (wir haben daraufhin in Bissau sofort eine einfache Palmölpresse für die Frauen gekauft, mit der der Ölertrag um 30% gesteigert werden kann).

Bei der Versammlung unter dem Mangobaum und meinem Moringa-vortrag (auch hier auf der Insel kommt der Baum vor, wird aber nicht verwendet) sitzen auf der einen Seite die Frauen, hören zu und arbeiten (entkernen die Palmölfrüchte, eine stellt ein Baströckchen her, das auf der Insel noch über dem Stoffwickelrock getragen wird), auf der anderen Seite die Männer, entspannt zurückgelehnt.
Für uns erstaunlich: die Frauen auf dieser Insel und auch in den abgelegenen Dörfern im Norden und auch im Osten sprechen fast ausschließlich ihre Stammessprache, kein Portugiesisch und auch nicht die Umgangssprache Criolo.

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Der König (Regulo) hat ein Gelände für den Gesundheitsposten bestimmt und wird die Geister mit einer Zeremonie besänftigen, für die in Bissau Zuckerrohrschnaps besorgt worden war. TABANKA wird gebeten, diesen Bau zu unterstützen (das Dorf wird die Steine herstellen und das Dachgerüst errichten, wir Zement und Zinkdachbleche finanzieren). Traditionelle Hebammen und Gesundheitshelfer sollen ausgebildet werden, um die medizinische Grundversorgung des Dorfes sicher zu stellen. Wir haben auf der Insel einen Händler aus Sierra Leone getroffen, der von Insel zu Insel fährt und indische Medikamente vertreibt, wobei die Medikamententestung mit dem Minlab deutlich gezeigt hat, dass die meisten indischen Medikamente in diesem Teil Afrikas nur sehr zweifel-hafte oder gar keine Wirkstoffe besitzen! Aber die Bevölkerung hier hat bisher keine Alternative.

In der abendlichen Dunkelheit vor der Hütte klagt mir eine junge Frau ihr Leid. Seit Jahren kann sie wegen ihrer starken Bauchschmerzen nicht mehr arbeiten. Sie war schon in Bissau bei verschiedenen Ärzten in Behandlung. Alle Blutuntersuchungen waren unauffällig, auch die Medikamente haben nichts genützt. Aber niemand hat ihren Bauch abgetastet, den fast kindskopfgroßen Tumor hätte man nicht übersehn können! Wir haben sie am nächsten Tag mit nach Bissau genommen und dafür gesorgt, dass sie operiert wird. Ihre Mutter hat mir immer wieder ans Herz gelegt, ich solle gut auf sie aufpassen, da sie ihre einzige Tochter ist. Ich hoffe, dass alles gut verläuft.

Die Heimreise ist auch wieder spannend. Mit 6 Frauen, die ganz viele Kanister Palmwein mit sich führen, den sie in Bissau verkaufen wollen, wobei sie einen davon schon gemeinschaftlich auf dem Boot leeren,
8 Schweinen, die unter großem Protest über Einbäume zu uns gelangen und Anlegen bei Ebbe in Bissau, wobei wir nur durch das Überqueren zweier am Kai liegender Schiffe ans Ufer gelangen können.


Unsere Projekte

• Medicina natural

Das neue große Zentrum bestehend aus Mansoa, Bissorá und Farim ist sehr aktiv. Die Apotheke von Mansoa mit dem Küchenhaus hat sich zum Zentrum der Produktion entwickelt. Die Apotheke selbst ist sauber und liebevoll gestaltet. In den letzten Wochen ist eine riesige Menge an verschiedenen Cremes, Tropfen und Sirupen produziert worden.
Der Verkauf in der Apotheke läuft gut, die Akzeptanz in der Bevölkerung ist groß. Mansoa wird der Hauptlieferant für die neue Apotheke in Bissau werden.

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Wir haben die Hoffnung, dass sich die Gruppe im Süden wieder neu formiert. Contubuel ist die Hauptverarbeitungsstätte der Djanderéwurzel und tauscht sich gut mit Mansoa aus. Leider konnte das Küchenhaus bisher nicht renoviert werden. Aba hat in den letzten 2 Jahren die Malariaprophylaxe für Schwangere infolge der Unpassierbarkeit des Rio Corubal (das Führungsseil der Fähre war gerissen) nicht weitergeführt. Ein Neubeginn und vielleicht sogar eine Ausweitung des Projektes erscheinen wieder möglich.
Auf Reisen ergeben sich manchmal interessante Begegnungen. Am vorletzten Tag, auf unserer Rückreise nach Bissau, wurden wir auf Vermittlung des Bischofs von Bafata von 2 Konsultanten aus dem Senegal mitgenommen, die in 24 Zentren im Nordosten des Landesein Ernährungs- und Schwangerenüberwachungsprojekt betreuen. Könnt ihr Euch vorstellen, dass sie nichts über Moringa und Djanderé wussten? Also habe ich losgelegt, die Armen, sie waren mir in der Enge des Autos hilflos ausgeliefert! Letztendlich waren sie sehr interessiert, würden die beiden Pflanzen auch gerne in ihr Projekt integrieren, wollten aber nichts gegen den Willen der Regierung tun. Aber mit dem Generalsekretär des Gesundheitsministeriums hatte ich schon zuvor gesprochen. Er war sehr beeindruckt gewesen von unserer Arbeit und hat für nächstes Jahr schon große Pläne mit der Medizingruppe.

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Unsere Reise dieses Jahr stand ganz im Zeichen von Moringa, der Pflanze, die einen hohen Ernährungswert, einen hohen medizinischen Nutzen hat, die zur Wasserreinigung und in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann, aber von den meisten Guiniensern nicht verwendet wird. In Bissau haben wir in Zusammenarbeit mit AD (lokale NGO) ein großes Symposium mit 50 sehr interessierten Teilnehmern abgehalten und hinterher eine kleine Stärkung mit Moringaprodukten (Moringatee, Moringasaft, Moringasuppe, Moringakekse) angeboten. Denselben Vortrag habe ich nochmals für die Bevölkerung der Insel Nago unter den großen Mangobäumen, in Nhabijon und im Norden des Landes, in Tenhate, für die Lehrer der EVA-Umweltschulen abgehalten. Immer große Begeisterung und „das machen wir jetzt!“.
Die Radiosendungen über Heilpflanzen finden großes Interesse bei der Bevölkerung und werden nach wie vor jeden Montagabend ausgestrahlt. Die vielen Fragen, die bei den Hörern entstehen, beantwortet anschließend der ehemalige Chef der Gruppe Medicina natural.
In einer sehr konzentrierten Arbeitssitzung haben wir ein naturheilkundliches Behandlungsschema der 10 häufigsten Krankheiten in Guiné-Bissau erarbeitet, was auf der nächsten Reise praktisch umgesetzt werden soll (geplant ist, ein kleines Buch zu verfassen, Kurse für Dorfhebammen und Gesundheitshelfer in den Dörfern abzuhalten, einen Heilpflanzengarten um jeden Gesundheitsposten herum anzulegen………..kleine Schritte in die Unabhängigkeit der Dörfer).


• Heilpflanzengarten Nhabijon

Der Garten ist gut gepflegt, die Pflanzen sind kräftig gewachsen und werden auch verarbeitet, wobei der von TABANKA in Gambia organisierte Solar-trockner gut beitragen kann. Wir haben während unseres Aufenthaltes dort innerhalb weniger Stunden Maniok, Papaya, Zwiebelringe (absolut köstlich!) Bananen, Ingwer und Curcuma getrocknet. Und jetzt kommt die Mangozeit!

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Die Guinienser waren so begeistert, dass sie das Gerät jetzt selbst herstellen wollen. Wäre super!
Sehr beeindruckend war auch die Einführung des Solarofens. Innerhalb von
2 Stunden haben wir Bohnen und Papaya in Gläsern eingekocht, ein köstliches Ratatouille zum Mittagessen zubereitet und einen Bananenkuchen gebacken. Mit weiterer Unterstützung kann ich mir gut eine weitere Verbreitung dieser Geräte vorstellen.
Arnold hat versucht, gemeinsam mit den guiniensischen Verantwortlichen einen brennholzsparenden Ofen Typ „Martin Schleier“ zu bauen. Martin hatte uns eine CD mit genauer Bauanleitung überlassen. Leider waren die im Vorfeld hergestellten Ziegel zu groß, so dass nur der Unterbau fertiggestellt werden konnte. Außerdem entstand der Wunsch, den Herd für 2 große Töpfe anstatt für 3 unterschiedlicher Größe zu konstruieren. Da müssen wir erst einmal mit Martin Rücksprache halten, bevor es weitergehen kann.
Hier, wie auch in Mansoa wurden sehr gute Erfahrungen mit den 4 von uns letztes Mal mitgebrachten homöopathischen Medikamenten im Gartenbau gemacht. Mickrige Pflanzen gediehen besser, Stecklinge wuchsen besser an und die Pflanzen waren besser gegen Schädlinge, sogar Termiten, geschützt.
In den nächsten Monaten sollen Erfahrungen mit der Herstellung von Pflanzenfarben gemacht werden.


• Schulgärten

Die beiden von den Schülern in Burgwindheim mitfinanzierten Gärten sind sehr schön angelegt worden. Die Schule von N´Panquinha hat das Problem, dass der Brunnen etwas von dem Garten entfernt liegt, so dass man richtige „Gießkannenkarawanen“ beobachten kann, wenn die Bewässerung angesagt ist. UNICEF hat einen neuen Brunnen direkt neben dem Garten in Aussicht gestellt.

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Infandre hat einen sehr großen Garten angelegt. Leider ist vor einer Woche die Brunnenwand eingebrochen, sodass jetzt in der Trockenzeit in wenigen Tagen das ganze Gemüse vertrocknet ist. Ein trauriger Anblick, aber es wird schon nach Lösungsmöglichkeiten gesucht.
Mario, der Direktor der Schule und zugleich sehr aktives Mitglied der Gruppe Medicina natural, hat sogar vor, mit den Schülern Manjok und Reis anzubauen. Ein Schritt zur Unabhängigkeit der Schulküche von den unregelmäßigen Lieferungen von PAM (Welternährungsprogramm) und eine Vermittlung der Bedeutung der Landwirtschaft.
In beiden Schulen wurden Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Auberginen, Kohl und ganz viel Salat angebaut. Durch langsames Eingewöhnen vergaßen die Kinder ihre anfängliche Weigerung das Grünzeug zu essen, „das sonst nur die Ziege frisst“.
Innerhalb des Zaunes soll in der Regenzeit noch ein “2. Zaun“ Moringa angebaut werden. Zwischen beiden Schulen herrscht ein reger Austausch an Samen und Stecklingen.
An vielen Orten in Guiné, so auch hier, stehen Kapokbäume, deren Kapseln sich gerade öffnen und ihre Samen mit der weichen Wolle im Wind verstreuen. Ich hätte gerne die Wolle für eine Nähgruppe gehabt, um daraus Kissenfüllungen oder leichte Decken herzustellen. Aber das, was bei uns in Europa teuer bezahlt wird, findet in Guiné überhaupt keine Verwendung. Die riesigen Bäume sind an Stamm und Ästen mit spitzen Dornen übersät – wie an die Wollkapseln herankommen? Vielleicht schaffe ich das das nächste Mal!
Was uns sehr freut: die Schüler haben Antwortbriefe auf die im Sommer von uns mitgebrachten Briefe der Schüler aus Burgwindheim verfasst.

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Auch Tenhate im Norden des Landes hat einen schönen Garten angelegt, den Zaun, so wie es dort Sitte ist, aus den Mittelrippen der Palmenwedel kunstvoll gefertigt. Eine kleine Baumschule mit Guava, Limonen, Moringa, Avocado, etc. soll zur Verbreitung dieser Pflanzen in den weiteren, für die Zukunft geplanten Schulgärten dienen. Hier steht auch die Guava, die ich letztes Jahr gepflanzt habe, mit Abstand die größte. Alle wissen, dass das die Guava der Douttora Sonia ist. Nett!

Tenhate ist die erste Dorfschule Guiné-Bissaus, die Dank unseres Solar-pannels und der von TABANKA finanzierten Pumpe fließendes Wasser hat. Welch ein Stolz, einfach den Wasserhahn aufdrehen zu können!

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Während ich wieder meinen Moringavortrag (Powerpoint auf dem Lande, zwischendrin Zusammenbrechen der Elektrik, aber dank von irgendwoher hergezauberten Isolierbändern Wiederfunktionieren des Beamers, als wäre nie was gewesen) abhalte, versucht Arnold mit einem sehr fähigen Maurer in der Mittagshitze ein Haus aus Plastikflaschen nach Andreas Fröse (soll einmal einen Kindergarten geben) zu bauen. Ein wunderschönes Gelände neben der Schule, umgeben von Urwald und großen Bäumen. „Da würde ich auch gerne in den Kindergarten gehen“! Leider hatte die Schule zu wenige Flaschen besorgt und mit Sand gestopft, sodass sie über das Fundament für eine Wand nicht hinauskommen. Aber ein hoffnungsvoller Anfang!


• Straßenlaterne in Baceor

Als die Finanzierungsanfrage für eine Straßenlaterne von AD kam, waren wir schon etwas verwirrt und haben uns aus unserem westlichen Verständnis heraus gefragt: Was soll schon eine Straßenlaterne auf einem abgelegenen Dorf bewirken können?
Wir haben Baceor besucht, ein kleines Dorf von Reisbauern im Norden. Überall sind wir zum Schmuck aufgehängte Reisbündel zu sehen. Und da stand sie die Straßenlaterne (ich habe sie mir größer vorgestellt) mit ihrem Solarpanel. Daneben ist ein „Clube“, eine Art Gemeinschaftshaus, gebaut worden, in dem man sich abends treffen und auch Disko veranstalten kann. Eine enorme Aufwertung für das Dorf. Alle anderen Dörfer außen herum sind neidisch und hätten auch gerne so ein Vorzeigeobjekt. Unter den großen Mangobäumen wird uns eine köstliche traditionelle Mahlzeit bestehend aus Reis, Fleisch und Gemüse serviert und dazu ganz frischer, süßer, noch perlender Palmwein.
Danach müssen wir auf einer eigens aus Bambus erbauten Tribüne neben dem König und den Ältesten Platz nehmen, und es wird für uns getrommelt und getanzt. Die Frauen in mit vielen Glöckchen benähten Tanzröcken, ältere Frauen mit Kalebassen, rundum verziert mit Perlenschnüren, auf dem Kopf, die jüngeren Frauen in indigofarbene Röcke, verziert mit einer roten Schärpe, gewickelt, Männer, Kinder, das ganze Dorf tanzt an uns vorbei – laut, rhythmisch, Staub aufwirbelnd, beeindruckend. So viele Hände in so kurzer Zeit haben wir noch nie geschüttelt.
Bei den Festreden steht einer der Ältesten auf und sagt voller Stolz: “ich habe nie gedacht, dass es in meinem Dorf einmal so etwas geben würde (er meinte die Straßenlaterne)!“
Zum Abschied (etwa 2 Stunden nach dem großen Mittagessen) gibt es nochmals Reis mit köstlichem Fisch oder Fleisch aus einer großen Gemein-schaftsschüssel am Boden und traditionell mit den Fingern zu essen.


• Mutter-Kind-Zentrum von Elalab

Elalab ist ein Dorf auf einer von Meeresarmen gebildeten Insel im Norden. Um in die Nähe zu gelangen, müssen wir erst einmal 10 km Sandpiste überwinden. Um nicht steckenzubleiben, in einer Geschwindigkeit, die an die Rallye Paris-Dakar erinnert. Danach ein einstündiger Fußmarsch in der Mittagshitze über die Dämme der Reisfelder. Leider haben wir keine Flusspferde selbst, sondern nur ihre Fußabdrücke gesehen. Sie leben dort in den Wasserläufen der Meeresarme und tun sich in den Reisfeldern gütlich. Schon vor dem Dorf werden wir von tanzenden Frauen abgeholt. Majestätische Baobab- und Kapokbäume. Großes Palaver unter den Mangobäumen über die Wünsche und Vorstellungen des Dorfes. Wegen der Isolierung und schweren Zugänglichkeit will das Dorf in Gemeinschafts-arbeit ein großes Boot bauen und hätte gerne finanzielle Unterstützung für den Motor.

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Die Schule von Elalab ist auch mit einem Solarpanel und Pumpe ausgestattet und somit die 2.Schule in Guinea mit Wasser aus dem Wasserhahn. Der Garten und das Toilettenhaus ist noch in den Anfängen. Nach dem Festmahl Ortstermin für das zu bauende Mutter-Kind-Zentrum, für das TABANKA schon die Brunnenfinanzierung geleistet hat. Der Kooperationspartner für den Bau steht noch nicht sicher fest. Ein wunderschöner Platz unter großen Bäumen!
Plötzlich furchtbar lautes Quietschen von Schweinen. Mir wird der Grund erklärt: ein Schwein wird für uns als Gastgeschenk eingefangen! Hilfe! Tatsächlich nehmen wir ein Ferkel mit neugierigem, blankpoliertem Rüssel mit. Die Sache mit dem Flugzeug war dann aber doch zu schwierig. Hätte mir schon hier in unserem Garten gefallen!
Rückfahrt in einem großen Boot durch die Mangrovenarme. Leider habe ich auch hier wieder nicht die Krokodile gesehen, die sich von ihrem sonnigen Uferplatz ins Wasser geflüchtet haben.


• Gesundheitsposten und Reisschälmaschinen in Boé

Nach anfänglichen Transportproblemen, die letztendlich der Bischof von Bafata gelöst hat, indem er uns Auto und Fahrer zur Verfügung stellte, gelingt es uns, in den letzten Tagen zusammen mit der Hebamme Aba in den Osten zu fahren. Da sie Parlamentsabgeordnete der Region ist, wird es ein „Hofhalten“ in den Dörfern. Alle Probleme werden ihr vorgelegt und nach einer Lösung gesucht. Auf der Fahrt sehen wir beidseits des Weges große abgebrannte Flächen und Neuanlagen von Cashew. Die Ausbreitung der Pflanze Djanderé erscheint uns eingeengt. Wir können nur wenige Dörfer besuchen, da viele trotz Trockenzeit noch wegen bestehender kleiner Flussläufe nur schwer zugänglich sind, und wir das uns zur Verfügung gestellte Auto nicht über Gebühr strapazieren wollen.

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Da erst seit wenigen Monaten die Fähre, die fast 2 Jahre stillgestanden war, wieder funktioniert, hatte Aba ihre vor einigen Jahren angefangene Schwangerenüberwachung und Ausbildung der traditionellen Hebammen nicht fortführen können. Als Ergebnis sehen wir zwar einige neugebaute Gesundheitsposten, die jedoch nicht bestimmungsgemäß verwendet, sondern von den Gesundheitshelfern selbst bewohnt werden. Nach Aussetzen der Supervision ist wohl nichts mehr vorangegangen. In einzelnen Dörfern sind alle Geburten gut verlaufen, in einem Dorf gab es mehrere Totgeburten, die vielleicht mit einer guten Schwangerenüberwachung hätten vermieden werden können.
Aba ist auch sehr enttäuscht von ihrem Projekt, das einmal so gut angefangen hatte, aber zu kurz von ihr begleitet werden konnte. Da sie als Abgeordnete eine Vertreterin für ihre Arbeit in der Regionalhauptstadt Gabu bekommen hat, könnte sie sich wieder intensiver um die Region Boé kümmern. Das größte Problem dabei ist jedoch der Transport!
Da sie nun auch schon über 50 Jahre alt ist und sich diese schlechten Straßen (selbst unser Fahrer, der schon viel herumgekommen ist, war entsetzt über den Zustand und meinte, dass er so schlechte Wege zuvor noch nie gefahren ist) nicht auf Dauer bis in die ferne Zukunft zumuten möchte, ist es ihr gelungen, für 6 Jugendliche aus Boé Plätze in der Krankenpflegeschule in Bissau zu bekommen, mit der Verpflichtung, danach mindestens 4 Jahre in der Region Boé zu arbeiten (aus der Hauptstadt Bissau würde sonst niemand in diese verlassene Region gehen).

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Wir haben 2 Dörfer mit den von TABANKA finanzierten Reisschäl-maschinen besucht. Die Frauen sind absolut glücklich, von der schweren Arbeit des täglichen Reisstampfens befreit zu sein und haben voller Begeisterung für uns getanzt.
Bis jetzt stehen die Maschinen unter einem Mangobaum, werden aber in einem speziell dafür gebauten Haus am Boden fixiert werden, so dass die Unwucht wegfällt und ihre Lebensdauer verlängert wird. Wenn die Maschine gut läuft, kann sie bis zu 500 kg Reis pro Stunde sehr sauber schälen. Alle Verbesserungsvorschläge unsererseits wurden sehr positiv aufgenommen.
Auch die Ziege mit den schönen bernsteinfarbenen Augen, die wir bekommen haben, konnten wir nicht nach Hause mitnehmen. Schade!
Die Kommunikation läuft auch hier fast nur über die Körpersprache, selbst dem Fahrer als Guinienser geht es in diesem Gebiet, in dem nur Fula gesprochen wird, nicht anders als uns Weißen. Da auch kein Lehrer in diese Region möchte (es gibt höchstens einmal pro Woche eine Reisemöglichkeit in die Regionalhauptstadt, keinen Handyempfang und kein übergreifendes Radio), steht die Hälfte der Schulen leer, in den anderen unterrichten Lehrer, die selbst nur ein paar wenige Jahre Schulbildung hatten.


• Solarlampenprojekt

Die Solarlampen finden nach wie vor guten Absatz. Wir haben neue Exemplare (lichtstärker und für eine Raumlösung) vorgestellt, die auf großes Interesse stießen. Eine weitere größere Lieferung wurde vereinbart.


• Nähgruppe

Zu meiner großen Überraschung hat die Nähgruppe eines meiner im letzten Jahr vorgestellten Modelle wunderschön umgesetzt. Die Frauen sind bereit, auch neue Schnitte zu verwirklichen, falls wir sie ihnen zusenden.

Für uns eine sehr beeindruckende Reise. Noch nie sind wir so viel gelaufen und haben so viele Dörfer besucht. Überall herrschte eine freundschaftliche und fröhliche Stimmung, nie habe ich auch nur die geringste Angst verspürt, nicht einmal nachts in den Mangrovenarmen. Vieles, was wir in den vergangenen Jahren initiiert haben, ist in Gang gekommen. Manchmal hat man das Gefühl, ein Puzzlesteinchen fügt sich zum anderen. Auch wenn es nur kleine Projekte sind, die wir unterstützen, so sind sie doch für die Dörfer eine große und oft die einzige Hilfe.
Wir haben uns zwar etwas erschöpft, aber in einer sehr zufriedenen Stimmung wieder auf den Heimweg gemacht und waren schockiert zu erfahren, was sich zwischenzeitlich in diesen wenigen Tagen im Rest der Welt alles ereignet hatte.

Vielen Dank allen, die Tabanka sind!

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