Projektreise vom Februar/ März 2012

Welch eine Reise! Im Vorfeld schon extrem anstrengend, teilweise auch mitbedingt durch mein ehrgeiziges Projekt, ein Heilpflanzenbuch für die Basis, für die Dörfer, schreiben zu wollen. Die Auswahl der Heilpflanzen hatte ich letztes Jahr zusammen mit der Medizingruppe getroffen. Die Fragestellung war, welche im ganzen Land wachsenden Heilpflanzen bei den am häufigsten in den Dörfern vorkommenden Krankheiten, wie Malaria, Durchfall, Husten, Kopfschmerzen….einzusetzen sind, mit klaren Dosierungsangaben und möglichst einfacher Zubereitungsart. Da mein Anspruch die zunehmende Unabhängigkeit und die Gesundheitsverbesserung in den Dörfern war, musste ich einsehen, dass die ganze Ernährungs- und Hygieneproblematik auch dazugehört. Und mein Vorhaben wurde immer umfangreicher und umfangreicher. Ich hatte erst kurz vor Weihnachten angefangen. Die ganzen Ferien und viele Nächte habe ich in trauter Zweisamkeit mit meinem Laptop verbracht. Mit dem Endergebnis von 135 Seiten war ich sehr zufrieden. Ich hatte vor, das Buch ich auf meiner Reise mit verschiedenen Gruppen, natürlich vorrangig der Medizingruppe, diskutieren.
Ich war dann schon sehr gefrustet, als 3 Wochen vor unserem Abflug plötzlich ein e-mail aus Bissau kam, dass unsere Reise aus mehreren Gründen gerade jetzt ganz unpassend wäre! Warum habe ich mir denn diesen ganzen Stress angetan? Und auch meiner Familie, in der es zu dieser Zeit sehr viel Unruhe gab?
Nichts desto trotz haben Arnold und ich unsere weiteren Vorbereitungen getroffen, den französischen Fluglotsenstreik ausgeblendet, kurz vor Abreise noch eine Übernachtungsmöglichkeit in Bissau organisiert, unsere 2x23kg Freigepäck pro Person mühelos ausgeschöpft und eine halbe Stunde vor Streikbeginn den Frankfurter Flughafen Richtung Paris verlassen. Ich hätte ja schon ganz gerne die tausend aufgestellten Notbetten, die damals wegen der Flugausfälle infolge des isländischen Vulkanausbruchs angeschafft worden waren, gesehen!
Auf dem Pariser Flughafen, ewige Wegstrecken entlang zuhasten, um dann wegen der ausladenden Körperfülle meiner Nachbarn einen halben Sitzplatz für die nächsten Stunden mein Eigen zu nennen.
Dakar um 21.30h nur 23°, ich bin froh über mein Fleecejäckle. Präsidentschaftswahlen stehen an, es gibt wohl immer wieder Demonstrationen, weil Kandidaten wegen fehlender Diplome und mangelnder Schulbildung abgelehnt worden sind, so auch der große Sänger Youssou N´Dour. Schade, er hätte vielleicht die Tradition Senghors fortführen können.

Vor unserem Hotel ein interessantes Kunstprojekt: aus Treibholz zusammen gezimmerte Stühle, farbig angemalt und mit den Böden von Getränkedosen verziert. Da Recycling auch eines meiner Themen in Guiné sein soll, ergibt sich ein interessantes Gespräch mit dem Künstler. Heute soll auch das große Fest mit der französischen Chansonsängerin France Gall stattfinden, die, nachdem sie durch einen der großen Heiler Dakars von Brustkrebs geheilt worden ist, jährlich ein weit bekanntes Trommel- und Tanzevent veranstaltet, deshalb auch die vielen Franzosen. Und auf morgen freuen sich alle wegen des großen Bootrennens mit den traditionellen, nur für diesen Zweck angefertigten Holzrennbooten, das einmal pro Jahr zwischen 3 Dörfern ausgefochten wird.

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Mittags wieder zum Flughafen, Erkennungsformalitäten von internationalem Format mit Fingerprint rechter Zeigefinger, linker Zeigefinger und noch ein Blick in die Kamera. Der Zöllner ist total begeistert von Arnolds Mütze mit den eingestrickten Schneekristallen und hätte das nächste Mal auch gerne eine solche. Was gibt es nicht alles im Dutyfree Bereich: Baobabpulver, Ingwerteebeutelchen, alle möglichen Marmeladen von Baobab bis Guava, alles zu horrenden Preisen. Muss ich in Bissau erzählen!
Nachdem ich nachts trotz Extradecke gefroren habe und auch der Wind am Strand sehr frisch war, kann ich es gar nicht glauben, als der Pilot am Zielort eine Temperatur von 33° angibt. Aber es fühlt sich wirklich so an! Herrlich, die Sonne auf der Haut und den Wind in den Haaren zu spüren. Bissau liegt eben doch eine Flugstunde südlicher.
Wir staunen: die neue 4 spurige Straße vom Flughafen ins Zentrum ist fertig und wir gleiten dahin, Mittelstreifen, von Straßenlaternen flankiert, riesigen Verkehrsschildern und, ich kann es gar nicht fassen, Fußgängerüberführungen! Es hat sich einiges getan seit letztem Jahr: der riesige,von China gebaute Ministeriumskomplex ist bezogen worden (das Gesundheitsministerium fehlt allerdings noch), es wird nach einer Rentenlösung für die Staatsangestellten gesucht, die Gehälter der Angestellten im Gesundheitsbereich sind erhöht worden, die Lehrer hingegen streiken schon länger und haben eine Streikdauer von 3 Monaten angedacht, weil sie ihre Erhöhungen für nicht angemessen halten, es soll eine neue Fabrik für Bonbon- und Seifenherstellung entstehen (eine merkwürdige Kombination), viele neue Bars und Hotels, der 2006 abgebrannte Zentralmarkt soll in einem mehrstöckigen Gebäude wiederaufgebaut werden, ein riesiges guiniensisch-chinesisches Militärhospital ist entstanden, das deutsche Nomahospital soll bald eröffnet werden (trotz intensivster Bemühungen können wir es nicht ausmachen), es gibt jetzt einmal in der Woche einen Direktflug in das Nachbarland Guiné-Conakry, was bisher nur über den Senegal möglich war (ob das wohl mit dem Bauxitabbau im Grenzgebiet zusammenhängt?). Bautätigkeiten, wo man nur hinschaut, Bissau scheint sich enorm und unkontrolliert auszudehnen.

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In der kleinen Hotelfachschule bekommen wir ein kleines Zimmer, es wird ein Extrawasserfass ins Bad gewuchtet, falls es am Wochenende kein Wasser geben sollte. Ansonsten alle schon in Karnevalsstimmung, die Schulen haben Ferien und viele Institutionen haben geschlossen. Samstags wird nicht mehr gearbeitet, das war in den 80er Jahren noch ganz anders! Mit unseren vielen Vorhaben sieht es von daher etwas unsicher aus.

Samstag, 18.02.2012

Frei Michael, der etwas hyperaktive Franziskanerpater, der ein großes Gemeindezentrum im Zentrum betreut, ist total begeistert von der Aussicht, in Bälde die von Solarworld gesponserten 33 Solarpanels für sein Ausbildungszentrum zu bekommen. Ein Raum ist sehr sauber mit gelber Ölfarbe halbhoch gestrichen, 20 Plätze mit Laptops, ein großer Schrank mit englischer, französischer und portugiesischer Literatur ausgestattet, weil hier auch Sprachkurse abgehalten werden sollen. Michael will das Zentrum noch aufstocken, um auch für Frauen Ausbildungsplätze zu schaffen, versucht Material in Italien zu arrangieren, hat mit diversen Verkäufen Geld erwirtschaftet, um Zusatzmaterial für die Panels zu kaufen…..scheint eine sehr agiler Organisierer und Kaufmann zu sein.

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In seinem Zentrum werden auch Heilmittel der Medizingruppe verkauft. Auf dem Tisch liegt eine interessante Jeanstasche. Als ich die dort sitzende Frau daraufhin anspreche, erzählt sie mir, dass sie 3 fast erwachsene Töchter habe, denen sie jeweils einen knappen Jeansrock gekauft habe mit der Maßgabe, ihn nur mit einer Art Leggins anzuziehen. Als sie sich nicht daran hielten, hat sie den Moment abgewartet, als alle in der Schule waren, und die Röcke unten zugenäht und ihnen wieder aufs Bett gelegt. Keine hat ein Wort gesagt. Das Ergebnis ist jetzt die Tasche.
Nelson, den ich seit Wochen versucht hatte zu erreichen, weil wir in den ersten Tagen geplant hatten, mit dem Boot auf die Insel zu fahren, meldet sich. Er war die ganze letzte Zeit auf der Insel gewesen, wo es weder Telefon- noch Internetverbindung gibt, hatte 3 Tage am Hafen geschlafen und heute morgen einen Fischer erwischt, der nachts um 2 Uhr losgefahren ist, um möglichst früh in Bissau zu sein, um seinen Fisch zu verkaufen. Er erzählt von dem Vorfall mit dem Boot: sie hatten das Boot mit Cashewnüssen total überladen und sind dann auf eine Sandbank aufgelaufen. Bei zunehmender Ebbe wurde das Gewicht immer größer und das Boot ist unten auseinander gegangen. Um sich zu retten, hat die Mannschaft alle Säcke über Bord geworfen. Als in Bissau bekannt wurde, dass das Boot in Seenot ist, wurde Nelson dafür verantwortlich gemacht und die Hafenpolizei hat ihn vor den tätlichen Angriffen der wütenden Angehörigen gerettet. Nelson ist ihnen mit einem anderen Boot zu Hilfe gekommen und hat vor Enttäuschung geweint. Er und seine Kooperative waren so stolz über den Erfolg des letzten Jahres gewesen, es hatte viel Cashew und noch dazu einen guten Verkaufspreis gegeben. Wenn es weiter so gut gelaufen wäre, hätten sie das ganze Darlehen schon dieses Jahr zurückzahlen können. „Das ist ein Fehler, den wir nur einmal gemacht haben, er wird sich nicht wiederholen“. Das Boot ist in der Werft, wird repariert und ist ab Mitte März wieder einsatzfähig.

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Die für die Insel reservierten Tage verbringen wir jetzt in Bissau, besuchen Bekannte und schauen uns den Carneval an. Das Motto ist „Frieden und Entwicklung“.Überall findet man den Hinweis, dass der Carneval nur mit
Verhüterli sicher ist, im Hinblick auf größere Freizügigkeit im Carneval, Alkohol und AIDS sicher berechtigt. Es treten Trommel- und Tanzgruppen einzelner Schulen oder Stadtteile auf, die Einblicke in die ursprünglichen guiniensische Stammeskulturen geben und für ihre Darbietungen prämiert werden. Heimweg im Dunkeln, Kerzenschein an den kleinen Verkaufstischchen, wo Bananen, Orangen (jetzt ist Orangenzeit, sie werden wegen ihrer fest anhaftenden Schale mit dem Messer rundherum abgeschält und als weiße Bälle zum auslutschen angeboten), im Fett Herausgebackenes und vieles mehr angeboten wird. Angst? Nein, überhaupt nicht, die Leute sind freundlich, neugierig und unser Criol verbindet.

Sonntag, 19.02.2012

Mittagessen in einer ganz einfachen Gaststätte, Reis mit Bohnen und Schweinefleisch. Unser Fahrer (wir haben für den ganzen Aufenthalt ein Auto samt Fahrer zur Verfügung gestellt bekommen, was unsere Aktivitäten enorm erleichtert) kann nicht teilnehmen, weil er wohl seine Schuhe gewaschen und auf das Dach zum trocknen gelegt hat und jetzt in der Carnevalszeit Angst hat, dass sie ihm geklaut werden könnten. Er muß also schnell nach Hause und seine Schuhe sichern.
Wir fahren zur naturheilkundlichen Apotheke nach Mansoa. Viele neue Häuser, mit schmiedeeisernen Gittern, buntem Anstrich, kleinen Vorgärten, sogar Kachelbilder nach portugiesischem Vorbild am Eingang. Wir wundern uns! Alles wird dem Drogengeld zugeschoben. Auch viel mehr Autos auf den Straßen, ein Extrembeispiel war ein neuer, extrem großer und leistungsstarker BMW, den ein junger Guinienser mit quietschenden Reifen durch die Stadt fuhr. Sehr sinnvoll die neuen Schwellen an Dorfein- und -ausgang, um die Raser etwas auszubremsen.
Die Apotheke in Mansoa ist gut besucht und hat einen guten Ruf. Selbst aus Bissau kommen die Leute. Sehr großen Bedarf gibt es an den Mitteln gegen Hepatitis, Gelbfieber…also an Medikamenten gegen Krankheiten, auf die die Schulmedizin keine Antwort geben kann. Die Nachfrage ist so groß, dass jetzt ganztägig geöffnet ist. Was mich sehr freut: der Verkauf von Moringasamen und –pulver hat seit letztem Jahr stark zugenommen. Früher konnte man wohl die Leute um ein paar Moringablätter aus ihrem Garten bitten, heute bekommt man nichts mehr geschenkt, weil die Leute die Blätter selbst essen. Das Wissen um den Wert von der Pflanze hat sich wohl enorm verbreitet, wie es mir aus ganz
unterschiedlichen Landesteilen berichtet wird. Und das innerhalb eines Jahres! Arnold meint, das wäre ein enormer Erfolg, nach dem sich viele große Organisationen sehnen würden. Die Nähgruppe hat wohl viel produziert, viele neue Taschenmodelle. Leider bekommen wir nichts zu sehen, weil eine große Gruppe von italienischen Touristen alles aufgekauft hat.

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Es ist wieder die Zeit, dass sich die großen Kapokkapseln öffnen und ihre wolligen Samen verstreuen, die hier jedoch nicht genutzt werden. Ich habe ein Kissen und eine Babydecke damit gefüllt und zeige sie überall, so auch hier, vor. Alle sind sehr begeistert. Mal sehen, ob das Samenkorn aufgeht.

Montag, 20.02.2012


Frischer Morgen, ich bin wieder dankbar über mein Fleecejäckle. Unser Frühstück ist heute vergessen worden und beschränkt sich deshalb nur auf ein paar Bananen. Ein Treffen (hier heißt es „reunião) auf Ministeriumsebene. Wir warten vor einem supermodernen, noch funktionierendem Kopiergerät – high tech. Eine italienische Spende. Was ist, wenn die Patrone leer ist?
Einer der Teilnehmer erkennt Arnold als einen, der damals in den 80er Jahren im Süden gearbeitet hat.

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Mein jährlicher Gang ins Ministerium soll immer dazu dienen, die Aktivitäten der Naturheilkundegruppe zu zeigen und zu versuchen sie auf dieser Ebene immer wieder im Gedächtnis zu verankern. Ich überreiche also unser neues Buch mit dem Hinweis, ein einfacheres mit Bildern und Pictogrammen für die Analphabeten machen zu wollen. Ich werde zurecht gewiesen, dass die Situation nicht mehr so wie vor 30 Jahren sei. Mittlerweile könnten alle auf den Dörfern lesen und schreiben. Hmh. Dem stehen meine Erfahrungen entgegen, dass ich mich in vielen Dörfern nicht einmal unterhalten konnte, weil die Leute, vor allem die Frauen, kein Criol sondern nur ihre Stammessprache sprechen. Und kann man von jemandem, der 4 Jahre Schulbildung mit häufigen Unterrichtsausfällen hinter sich gebracht und dann mangels Bücher (es gab jahrelang nicht einmal Schulbücher!) nicht einmal die Möglichkeit des Lesens hatte, behaupten, er könne lesen und schreiben?
Bei allen, denen ich von dieser Behauptung erzähle, stoße ich auf das gleiche mitleidige Lächeln und Schulterzucken.
Aber es gibt ein neues Programm für die Dörfer. Es soll keine Dorfhebammen und Basisgesundheitshelfer mehr geben, stattdessen den Dorfhelfer, der jeweils 50 Familien betreuen und regelmäßige Hausbesuche machen soll. Seine Aufgabe ist es, Schwangere und Kinder zu den Vorsorgeuntersuchungen zu schicken und im Falle von Malaria oder Durchfall Medikamente zu verabreichen. Alle Frauen sollen künftig im Hospital entbinden, um die hohe Müttersterblichkeit zu senken. Sicher lobenswerte, aber wegen Entfernungen, Verfügbarkeit von Medikamenten und fraglicher Bezahlung der Dorfhelfer, sehr fragliche Ansätze.
Takir, das Zentrum der Padres mit einem schönen Gemüsegarten, aber keiner einzigen Artemisiapflanze mehr, und wie viele hatten wir vor ein paar Jahren hier! Das Problem ist die Stecklingsvermehrung bei Hybriden. Ich habe Samen mitgebracht, betone aber, dass es das letzte Mal ist.
Nhabijon das Tagungszentrum. Viele brechend volle Orangen-, Mandarinen- und Grapefruitbäume. In Dreifelderwirtschaft angelegte Gemüsebeete mit vielen kräftigen Salatpflanzen, Weißkrautköpfen (italienische Frage, was man mit dem ganzen Kohl anfangen soll, deutsche Antwort: natürlich Sauerkraut), 3 verschiedene Sorten von Okra und Unmassen von Zwiebeln. Ein neues Standbein soll die Zucht von Schafen, Ziegen und Hühnern sein, um über den Verkauf der Tiere etwas zur Finanzierung des Zentrums beizutragen und nicht nur vom italienischen Tropf abhängig zu sein.

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Der Heilpflanzengarten ist gut gepflegt und wird von dem Verantwortlichen 2 mal täglich gegossen. Er hat die Pflanzen auch vorschriftsmäßig getrocknet und verpackt.
Im vergangenen Jahr sind hier über 30 Kurse mit bis zu 30 Teilnehmern abgehalten worden. Der Garten stieß bei allen auf großes Interesse und der Verantwortliche hat Führungen veranstaltet. Die italienischen Freiwilligen haben vor, einen Flyer über den Garten und die Anwendung der Heilkräuter zu machen, den sie dann Interessierten mitgeben können.
Der Techniker des Zentrums hat den Solartrockner und den Solarofen in seine Kurse mit eingebunden. Er hat ein ganz einfaches Trocknermodell für die Dörfer entwickelt, hergestellt aus einfachen lokalen Materialien. Wir sind begeistert, so soll es sein! In den 2 Kurstagen trocknen wir Papayastücke und versuchen die berühmten italienischen Pomodori secchi herzustellen.

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Funktioniert super. Außerdem ist sehr stolz, im Solarofen während eines Kurses selbst einen Kuchen gebacken zu haben. Eine sehr ungewöhnliche Szene, da Kochen und Backen absolute Frauensache ist.

Dienstag, 22.02. und Mittwoch, 23.02.2012

Die Medizingruppe ist in ständiger Bewegung. Da die Leiterin der Gruppe mit dem Aufbau eines neuen Zentrums weit unten im Süden, schon an der Grenze zu Conakry, beschäftigt ist, steht sie der Gruppe kaum noch zur Verfügung, was natürlich viel Unsicherheit ausgelöst hat. Dennoch kommen 19 Mitglieder, teilweise auch neue, eine Gruppe von den Inseln erscheint nach einigen Jahren des Fehlens wieder, es gibt eine Gruppe, die sich unabhängig gemacht hat….also viel in Bewegung, aber wenn sie sich nach wie vor als Teil der Gruppe fühlen und sich an die erarbeiteten Richtlinien halten, ist es ok. Die Arbeit ist immer überlagert von den persönlichen Problemen des einzelnen und jeder muss versuchen einen für ihn gangbaren Weg des Überlebens zu finden. Viele Schwierigkeiten, seien sie gesundheitlicher, seien sie familiärer Natur, werden mir geschildert in der Hoffnung, dass ich ein bisschen zur Problemlösung beitragen kann.
Alle sind sich einig, dass die Verbreitung und die Verwendung von Moringa im letzten Jahr stark zugenommen hat. Nhabijon und auch Cacheu haben sehr viel neu angebaut, sogar in Bissau wird schon Moringapulver verkauft.
Der Kurs läuft sehr gut, viel Austausch, viele Diskussionen, immer wieder Abgleiten in Fragen der Hygiene, Ernährung oder Umweltschutz. Um schneller voranzukommen, lasse ich Gruppenarbeit machen, wobei sehr gute Verbesserungsvorschläge für unser Buch zusammengetragen werden. Zuletzt potenzieren wir noch eine Pflanze, die Termiten vom Garten abhalten soll.

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Eine alte Frau hat letztes Jahr auf meinen Ansporn hin Kapokwolle gesammelt und alle sind jetzt begeistert, die verarbeitete Wolle zu sehen, bzw. sie in Form einer Kochkiste einzusetzen.

Arnold baut mit einem Mitarbeiter des Zentrums den Lehmofen Typ Martin Schleyer zu Ende. Lehmsteine mit den genauen Abmessungen sind vorbereitet worden. Von dem im letzten Jahr gebauten Ofen muss eine Schicht abgenommen werden, aber dann entsteht ein wunderschönes Modell.

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Es ist immer schön zu sehen, wie kleine Impulse aufgenommen und umgesetzt werden!

Abends 2 Stunden Rückfahrt auf glatter Teerstraße nach Bissau, am nächsten Morgen soll es um 7 Uhr in den Norden gehen.

Donnerstag, 24.02. bis Sonntag, 26.02.2012

Nachts überwältigt mich eine Migräne und ich habe wohl vergessen, ein Schmerzmittel in meine Reiseapotheke zu packen. Die Apotheken sind noch geschlossen und wir kommen erst drei Stunden später an einer Apotheke vorbei.
Ich habe die Wahl zwischen einem indischen oder chinesischen Ibuprofen (von beiden weiß ich, dass in Afrika viele Fälschungen kursieren). Die Chinesen mögen es mir verzeihen, ich habe mich für die schweinchenrosanen indischen Tabletten entschieden. Es muss doch etwas an Wirkstoff drin gewesen sein, meine Schmerzen waren bei Kursbeginn einigermaßen erträglich.
Diesmal sind es 16 Lehrer der Umweltschulen „EVA“, die sich naturheilkundliches Wissen für die Schulen und die Dörfer aneignen wollen. Ich fühle mich anfangs etwas unsicher, da ich nicht wie bei der Medizingruppe medizinisches Wissen voraussetzen kann. Aber auch hier wieder großes Interesse, viele Diskussionen, aber es muss mehr demonstriert werden, z.B. die Teezubereitung, die Herstellung des berühmten „schwarzen Steines“ aus einem Rinderknochen, der eine hervorragende Wirkung bei Schlangenbissen hat. Auf einem kurzen botanischen Spaziergang finden wir alle besprochenen Pflanzen.

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Anschließend werden wir gebeten, die Lehrer in der Anwendung eines Herbariums zu unterweisen. Ein Lehrer hat ein kleines Museum über medizinische Heilpflanzen eingerichtet und hat sogar ein Lied über den Wert der Pflanzen komponiert.
Sonntagmorgen plötzlich alles sehr feierlich, die Frauen werden geholt und ein „happy birthday“ auf portugiesisch erklingt für Arnold. Wir bewundern den großen, schön angelegten Schulgarten und versuchen Vorschläge für die Behandlung der pilzbefallenen Tomaten zu machen. Die Vielfalt hat zugenommen, es gibt Weißkohl, Karotten, in Bissau sogar rote Rüben, und die Kinder gewöhnen sich in der Schulküche an die neue Kost. Früher haben UNICEF und PAM Reis, Milchpulver, Öl und einen Getreidemischung geliefert, jetzt kommt Kartoffelbreipulver aus den USA!!!!! Dabei gibt es im Land ganz viele Süßkartoffeln!!!

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Am letzten Tag demonstriere ich Ideen, wie man Abfall, vor allem Plastiktüten, recyceln kann. Könnte das nächste Jahr unter dem Thema Abfallvermeidung und –beseitigung in den Dörfern stehen und ich einen Kurs mit einer Frauengruppe machen? Wie wäre es mit einem Wettbewerb ähnlich unserem „unser Dorf soll schöner werden“, vielleicht “unser Dorf soll sauberer werden“?
Zugleich demonstriere ich noch eine spezielle Perlenkette, mit der jede Frau sehr einfach ihre fruchtbaren Tage im Zyklus feststellen kann. 20 Frauen sind gekommen. In den Schulen gibt es das große Problem, dass 14jährige Schülerinnen, manchmal auch noch jünger, schwanger werden und dann die Schule aufgeben müssen. Eine Idee wäre, in einer gewissen Altersklasse Sexualkundeunterricht einzuführen, vielleicht nächstes Jahr in den Umweltschulen.
In diesen Tagen im Norden sind wir in einem Haus am Strand untergebracht. Eine Stunde lang allerschlimmste Staubstraße, viele Vögel, sogar Eisvögel am frühen Morgen, spezielles Gras am Wegrand wird geschnitten, um die Häuser neu zu decken, einzelne Baumwollsträucher, Palmen, weite Ebenen mit Viehherden.

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Schön, am Abend über den feinen Sandstrand zu laufen, den heimkommenden Fischern bei der Verwertung ihres Fanges zu zuschauen, die Trockengestelle für den eingesalzenen Trockenfisch, die Räucheröfen im Dorf.

Das Meer rückt jedes Jahr um einige Meter vor und hat einige der Häuser, die oben auf der Düne standen, innerhalb des letzten Jahres heruntergespült. Teilweise am Strand rot-schwarzer Lateritboden, der Vulkangestein gleicht, was im Abendlicht eine ganz mystische Stimmung schafft.

Montag, 27.02.2012

Wir fahren mit dem von Tabanka mitfinanzierten Boot nach Elalab. Um den Weg abzukürzen hat das Dorf in Gemeinschaftsarbeit einen etwa 2m breiten Durchstich durch das Mangrovendickicht geschaffen. Viele Reiher und große Vögel, Alligator sehe ich wieder keinen.

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Das Mutter-Kind-Zentrum von Elalab sehr sauber, aufgeräumt. Außen hängen die Plaketten, welcher Verein was gesponsert hat. Die drei ersten in diesem Zentrum geborenen Kinder werden uns vorgestellt. Alle Frauen, die ihre Schwangerenvorsorge hier gemacht haben sollen dann hier für ihr Kind Babyschühchen und ein Mützchen bekommen, was eine liebe Großmutter in der Schweiz für sie gestrickt hat. Und auch diese ersten 3 kleinen Babys werden entsprechend ausgestattet.
Wir bekommen das für diese Region typische Essen: Reis mit Fisch und ganz viele gekochte Austern. In einer kurzen Versammlung stelle ich auch diesen Frauen die Kette vor und überreiche ihnen die Glöckchen für ihre Tanzröcke.
Am Abend noch ein Gespräch mit einem der leitenden Lehrer, was wir noch alles in den Schulen verbessern könnten: 2 Schulen möchten mit der Bienenzucht anfangen, 2 Schulen wollen Pflanzenschutz mit homöopathischen Mitteln machen, die Seifenproduktion der Frauen könnte forciert werden……..

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Dienstag, 28.02.2012

Im Morgengrauen Rückfahrt nach Bissau. Unterwegs Stop in einem EVA Kindergarten, die Kinder sind gerade beim Essen, mit den Händen natürlich.
Nach den vielen Diskussionen mit den Lehrern will ich mir gar nicht überlegen, ob sie vorher ihre Hände mit Seife gewaschen haben. Die mitgebrachten Stifte können sie gut gebrauchen.

In Cantchungo Stop bei den Agraringenieuren. Der Chef ist begeistert von ihren Fortschritten, sprudelt nur so von Ideen und überlegt sich auch, ein Moringaprojekt zu machen.
Trotz aller Hetze kommen wir eine halbe Stunde zu spät nach Bissau, wo im Labor die Extraktion von Citronelladuftöl stattfinden soll. Einige Mitglieder der Gruppe medicina natural sind gekommen. Mehr als ein duftendes Wasser bekommen wir nicht zustande. Den Prozess müssen wir noch etwas vertiefen.

Mittwoch, 29.02.2012

Morgens um 6.15 Aufbruch in den Süden. Für den Fahrer eine extrem anstrengende Fahrt. Es ist dunkel und neblig, dunkle Gestalten am Straßenrand, plötzlich eine Kuh mitten auf der Straße.
Bei dieser Fahrt kommen wir in intensiven Kontakt mit der Zeit des Befreiungskampfes. Die NGO A.D. (Aktion für den Fortschritt) hat Teile der portugiesischen Befestigung im Süden wieder ausgraben und ein kleines Museum errichten lassen. Zur Eröffnung sind ehemalige portugiesische Soldaten und auch der Kommandant gekommen, der sich damals dem Befehl Salazars widersetzt hatte, um die guiniensische Bevölkerung zu schützen. Nach über 30 Jahren ist er bei der Eröffnung des Zentrums öffentlich rehabilitiert worden. Es müssen sich ergreifende Szenen abgespielt haben.

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Gespräche in einem Dorf, danach eine Schulklasse, die am Weg steht und zu unseren Ehren ein Lied singt. Letztes Jahr ist für die EVA Schulen ein Camp im Norden veranstaltet worden, dieses Jahr soll es im Süden stattfinden. Danach stundenlang übelste Staubstraße, wo wir alle heftig durchgerüttelt werden. Zunehmend Urwald mit einzelnen mächtigen Urwaldriesen, mehr als armdicken Lianen, einfach wunderschön grün und undurchdringlich. Wir kommen in Jemberem an, dem AD Zentrum im Süden, das die 14 dortigen Naturreservate betreut. Wunderschöne, gut belüftete Rundhäuser. Unseres heißt „Dari“, Schimpanse. Es gibt verschiedene Affenarten in den Wäldern, aber die Schimpansen sind diejenigen, die man am meisten achtet und über die es die nettesten Geschichten gibt. Wenn Affen in eine Orangenpflanzung einfallen, reißen sie wahllos die Früchte von den Bäumen und veranstalten ein furchtbares Durcheinander. Nicht so Dari. Er nimmt nur die Früchte, die am Boden liegen und falls die nicht ausreichen, pflückt er noch ein paar. Die Schalen legt er auf eine Seite auf den Haufen, die Kerne auf die andere Seite.

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Wieder eine Dorfversammlung, in der die Frauen sehr klar ihre Wünsche äußern. Cantanhez ist eine Halbinsel mit 25 000 Einwohnern und einem! Gesundheitszentrum!!! Wie weit müssen die Leute im Notfall oder bei einer komplizierten Entbindung laufen! Es gibt ein altes Zentrum noch von den Portugiesen, aber ziemlich verfallen. Es könnte mit gegenseitiger Hilfe wieder renoviert werden. Das ist der dringlichste Wunsch des ganzen Dorfes. Der Dorfchef hätte eigentlich noch ganz gerne ein Motorrad für sich, aber naja. Die alten Frauen verdrehen ihre Augen. Mit dem aus den Solarlampen erwirtschafteten Geld ist ein Brunnen mit Wasserreservoir gebaut worden, der mehrere Wasserhähne im Dorf speist. Frauen haben in einer Cooperative ein kleines Gästehaus gebaut, wollen noch ein Hühnerhaus errichten und haben einen großen Gemüsegarten angelegt.

Donnerstag, 01.03.2012

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Langes Gespräch über unsere neuen Ideen, die wir in diesen Tagen entwickelt haben. Danach mit einem Führer in den Wald. Er zeigt uns Heilpflanzen, Unterstände aus dem Krieg, in denen die Bevölkerung jahrelang gelebt hat, auch den von dem Widerstandskämpfer Osvaldo Vieira, nach dem der Flughafen in Bissau benannt wurde. Zwischendurch der Blick auf die Affen hoch oben in den Wipfeln. Aber das Vorankommen ist schwierig wegen des Dickichts. Unten soll man auf die

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Schlangen aufpassen und oben in den Wipfeln nach den Affen schauen. Nicht so einfach! Außerdem haben wir noch eine Guinienserin dabei, die plötzlich mitten im Urwald Asthmabeschwerden bekommt, nicht mehr weiter kann, sich immer wieder platt auf den Boden legt, schließlich noch anfängt vor mit herzuschwanken. Unsere ganzen Wasservorräte sind aufgebraucht, meinen Traubenzucker hatte ich extra aus dem Rucksack genommen, um ihn zu entlasten, kein Medikament, nichts. Das, was man eine optimale Ausrüstung nennt. Ich habe wirklich Angst um diese Frau gehabt. Aber wir haben es geschafft.

Das ganze Land duftet vor allem abends nach den Cashewblüten. Die Vögel hacken die reifsten Früchte schon an, so dass sie runterfallen und von den Kindern aufgesammelt werden. Auch wir konnten auf diese Weise wieder einmal diesen typischen Geschmack spüren, mit dem wir Guiné verbinden. Und abends dann der Geruch der kleinen Feuerchen, in denen die Kerne geröstet werden.

Bei einem Spaziergang in die Reisfelder hinunter finden wir einen Strauch, dessen Blüten wie Gardenien duften. Hinterher erfahren wir, dass sich die Schlangen in der Trockenzeit in die feuchten Reisfelder zurückziehen!

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Freitag 02.03.2012

Über das komunale Radio ist die Meldung verbreitet worden, dass wir da sind und eine kleine Veranstaltung für Frauen machen wollen. Am Morgen stellen sich 50! Frauen mit ihren Kindern auf dem Rücken ein und ich erkläre wieder einmal meine Kette, als Möglichkeit der Selbstbestimmung.

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Nach dem Mittagessen wollen wir fahren. Zuvor noch einmal in den Wald zum größten Kapokbaum der Halbinsel. Er ist gigantisch, seine Brettwurzeln sind wie gewundene Tücher über den Boden ausgebreitet. Nach dem Essen muß ich erst noch gynäkologische Sprechstunde abhalten. Als ich damit fertig bin, heißt es, dass eine Frau im Dorf in den Wehen liegt und ich kommen soll. Früher war die Geburtshilfe meine Leidenschaft, aber ich habe seit über 30 Jahren keine Geburt mehr geleitet. Aber Arzt ist Arzt und der muss es wohl wissen! „Hast du keine Handschuhe mitgebracht?“ Nein, habe ich wirklich nicht. Es werden Handschuhe besorgt und ich untersuche die Frau. Die Arme, sie darf keinen Stöhner von sich geben und liegt auf einer Bastmatte am Boden. Es wird wohl noch etwas dauern. Sollen wir fahren? Die Hebamme ist nach Bissau gefahren, der Krankenpfleger ist nicht da. Wer könnte ihr helfen? Ich vertraue auf meine geburtshilfliche Erfahrung und wir fahren, wenn auch mit einem schlechten Gewissen zurück, um vor Einsetzen der Dunkelheit die Teerstraße zu erreichen.. Bei einem Stop nach 4 Stunden, es ist schon dunkel geworden, rufen wir an und ich bin sehr glücklich zu hören, dass ein kleiner „Arnold“ auf die Welt gekommen ist. Nachts zu fahren ist immer sehr gefährlich. Am Wegrand einzelne Feuer, dann aber, wenn auch selten, ein großer Ferseher auf der Veranda mit ganz vielen Zuschauern, es spielen Benefica Lissabon gegen Porto.
Wie jeden Tag kommen beim Duschen braune Wasserströme aus den Haaren und wie jeden Tag sinken wir erschöpft ins Bett und rufen aus:“was für ein Tag!“

Samstag, 03.03. und Sonntag, 04.03.2012

Fahrt im Toka-Toka (Fordtransitbus) nach Cumura, in der Nähe von Bissau. Es ist unglaublich, aber es wird immer noch ein Passagier zu geladen, obwohl man sich schon gegenseitig auf dem Schoß sitzt. Noch einige Gespräche, in letzter Minute mit einer italienischen Kollegin ( uns beiden ist von einem italienischen Freund jeweils dringend ans Herz gelegt worden, mit der anderen zu sprechen, aber niemand konnte mir über sie Auskunft geben), die sehr an Moringa und Djanderé interessiert ist und die beiden Pflanzen in ihr Projekt „Schwangerschaft ohne Risiko“ einbinden will.

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Es geht schon wieder ans Abschiednehmen. Wir sollen die linke Hand geben, weil wir dann auch wiederkommen. Viele guten Wünsche an unsere Familie, an unsere Freunde, an unseren Verein Tabanka, dass wir alle gesund antreffen werden.

Montag, 05.03.2012

Es stehen noch Ministeriumsbesuche an, aber Bissau ist nahtlos vom Carnevalsfieber in den Präsidentschaftswahlkampf übergegangen und in den nächsten 2 Wochen werden alle Energien dort gebraucht. „Wir Guinienser sind ein Volk“. „Wir wollen eine Zukunft des Friedens!“ Über Nacht sind ganz viele, farblich wirklich gutgemachte Plakate entstanden, Autos sind beflaggt, an jeder Straßenecke stehen große Boxen, aus denen es röhrt. Von daher ist es mit den vorgesehenen Gesprächen nicht ganz so einfach, aber letztendlich klappt doch alles.
Wie immer haben wir auf dem Flug nach Dakar Übergepäck, und auch dieses Mal werden auf meine Bitte hin 10 kg erlassen.
Es gibt keinen Flughafenbus mehr. Wir laufen wieder einmal mit der Wasserflasche im Arm über das Rollfeld. Die Hitze nimmt einem fast den Atem. Die Temperaturen sind in den letzten 2 Wochen stetig angestiegen. Es dürften jetzt etwa 40° sein.
Diesmal komme ich erst in den 6 Stunden Wartezeit in Dakar zu meinen Tagebucheinträgen. Ich hoffe, die vielen Afrikaner um mich herum werden in Europa so warmherzig empfangen, wie auch wir wieder dieses Mal in Guiné empfangen worden sind.
Unruhiger Nachtflug in einem mit 350 Passagieren vollbesetzten Flugzeug über die Sahara. Alle versuchen mehr oder weniger zu schlafen, als plötzlich die Durchsage durch meine Ohrstöpsel dringt: „ist ein Arzt an Bord? Es wird ein Arzt gesucht“! Oh nein, nicht auch noch das!