Projektreise vom 27. Februar bis 13. März 2016

Viele Vorbereitungen, Erstellen ausführlicher Handlungsanweisungen für diverse Gruppen mit vielem Nachschlagen, Internetrecherchen (worin man sich verlieren und Tage damit verbringen kann), Bestellen und Herstellen verschiedener Hilfsmittel und Anschauungsmaterials…….und endlich ziehen wir wieder einmal los, mit 4 großen, schweren Koffern. Wir haben jeder 2 mal 23 kg Fluggepäck frei! Meinen Traum von einer Reise nur mit Zahnbürste und Scheckkarte habe ich wieder einmal nicht verwirklichen können. Wir fahren Samstagmittag mit dem Zug los, schönes strahlendes Wetter, mir fallen schon im Zug die Augen zu.

Umsteigen, mit unserem Gepäck nicht so einfach. Auch das wohin damit im Zug ist schwierig, manche Leute regen sich auf, weil sie befürchten, vielleicht nicht rechtzeitig aussteigen zu können. Im Flughafen von einem Terminal zum anderen. Viele Rolltreppen, aber wir entwickeln mit unseren Koffern eine gute Technik, auch diese Schwierigkeit zu meistern, sind aber froh, als wir sie endlich loswerden. Auffallend große Polizeipräsenz mit offen getragenen Waffen.

Flug nach Casablanca, 10°, Regen, einige Stunden Aufenthalt. Wir genießen einen typischen marokkanischen Minztee. Weiterflug. Kalt und zugig am Fenster. Meine Bitte nach einer Decke wird mir verweigert. Die flauschigen roten Fleecedecken sind nur für die Businessklasse vorgesehen. Also kalt, eng, unbequem, mit dem Schlafen wird es nicht viel. Ankunft im Morgengrauen in Bissau, auch hier kühl. Die kontrollierenden Beamten sind natürlich neugierig auf den Inhalt unserer großen Koffer, ich weiß ihre Neugier aber zu bremsen. Wir sind ja nicht zum ersten Mal hier!

Unser Freund holt uns vom Flughafen ab und bringt uns ins Gästehaus der Kurie in Bissau. Für die nächste Woche nennen wir 2 Zimmerchen mit Bad unser Eigen, in unmittelbarer Nähe der Hauptstraße vom Zentrum zum Flughafen und in das Landesinnere und neben einer großen Schule gelegen.

2 Stunden Schlaf und dann ein einfaches Frühstück mit allem, was die Küche hergibt: frisches Stangenweißbrot, Nescafé, italienische Kirschmarmelade. Natürlich gleich verbunden mit dem ersten Projektgespräch.

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Zum Mittagessen sind wir in Takir, dem Gästehaus der italienischen Padres eingeladen. Wie schön ist es, sie wiederzusehen und ihr freundliches Willkommen zu spüren. Das Mittagessen ist wie immer köstlich mit Fisch, natürlich Reis, frischem Salat, den es zur Zeit auf den Märkten im Überfluss gibt, den letzten, etwas trockenen Orangen, den afrikanischen kleinen Banänchen, den ersten kleinen süßen Mangos und einem für uns gebackenen Willkommenskuchen. Dennoch stürzen sich alle wie ausgehungert auf die mitgebrachte Schokolade. Unser zu Hause produzierter Ingwerlikör ist dazu eine gute Ergänzung und wird wohl in naher Zukunft in Produktion gehen. Der große
Gemüsegarten ist trotz der Trockenzeit gut gepflegt und voll mit Salat, den langen grünen Bohnen, dicke Papayas hängen am Stamm, die trockenen Blätter der Bananenstauden rascheln im Wind und es ist so heiß, dass es einem fast den Atem nimmt. Jede Bewegung läuft etwas langsamer und man fällt mit seinen Flip-Flops schnell wieder in den afrikanischen Schlurfschritt. Die Mango- und Cashewbäume sind mit rotem Staub überpudert, die Blätter teilweise ganz weiß vor Wolläusen und die Blüte erscheint uns sehr schwach. Das wird uns mit der sehr früh im Jahr begonnenen Hitze mit dem frühen Wind und Staub erklärt. Klimawandel.

Politisches update. Die Schwierigkeiten zwischen Staatspräsident und Regierung dauern seit dem Sommer an, was immer noch Stillstand in vielen Bereichen, auch was die Entwicklungshilfe der EU anlangt, bedeutet. Das Nachbarland Gambia hat sich zum islamischen Staat erklärt. Gambia und Senegal haben wegen Erhöhung von Zollgebühren die Grenzen geschlossen. Es kriselt in der Region.

In GB selbst sieht man als neues Phänomen zunehmend tief schwarz verhüllte Frauen in Burkas auf der Straße. Boko Haram hat seine Zellen gegründet und sich durch den Einsatz von viel Geld seine Anhänger geschaffen. Mit tiefer Besorgnis sieht man diese Tendenzen.

Positiv ist, dass einzelne Staubstraßen in der Hauptstadt geteert worden sind, was den Zugang zu einigen Stadtteilen sehr erleichtert. Und die Radiostation von
Radio sol mansi, dem Radiosender der katholischen Kirche, ist fertiggestellt worden und auf Sendung. Ein wunderschöner Flachbau in gelb-braun Tönen mit Solarpanels und anspruchsvoller Technik, zwar 3mal so teuer wie ursprünglich veranschlagt und mit einer unglaublich langen Bauzeit, aber jetzt mit einer Ausstrahlung über das ganze Land. Bei unseren diversen Taxifahrten hören wir oft Musiksendungen, mal einen Beitrag zur guten Kinderernährung und über den Wert des Händewaschens! Sehr positiv ist, dass auch immer wieder Muslime zu Wort kommen, was ein gutes Zeichen für religiöse Toleranz ist.

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Abendessen im Gästehaus des Bischofs. Eine italienische Kinderärztin, die seit einigen Jahren als Freiwillige immer wieder in Bissau arbeitet, erzählt von ihrem Sonntag in GB. Sie waren an einen Wasserfall gefahren und wollten in dem naheliegenden Restaurant essen. Eine geschriebene Speisekarte gab es nicht, aber es konnte alles, was das Herz begehrte, gewählt werden. Eine bescheidene Nachfrage nach einer halben Stunde ergab, dass alles im Werden war. Auch auf weitere Nachfragen hin wurde immer mit großer Überzeugung vorgebracht, dass das Essen gleich kommen werde. Nach 1 ½ Stunden des Magenknurrens hat sie dann die Initiative ergriffen und ist in die Küche gestürmt. Nicht das kleinste Anzeichen, dass auch nur irgendjemand den bescheidensten Versuch der Essenszubereitung unternommen hätte! Wir kringeln uns vor Lachen über ihre beredte Schilderung der Vorgänge.

In nicht allzu großer Entfernung eine Sonntagsabenddisko, dazu die stark befahrene Straße, aber meine Wachsohrenstöpsel, die immer zu meinem kleinen Reisegepäck gehören, lassen alle Geräusche außen vor, und ich schlafe tief und fest.

Montag und Dienstag

Die nächsten beiden Tage vergehen mit vielen Gesprächen, Ausmachen von Terminen, vielen Taxifahrten ins Zentrum und wieder zurück. Auf einer dieser Fahrten hören wir vom internationalen Frauentag, der nächste Woche mit einem freien Tag gefeiert werden wird. Der Taxifahrer verspricht mir, an diesem Tag seine Frau auf Händen zu tragen, für sie auf den Markt zu gehen, zu kochen…………………soll ich ihm das glauben?

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Über einen Bekannten bekommen wir Kontakt zu einem Krankenhaus für Tuberkulosekranke. Das Krankenhaus hat 100 Plätze und versorgt bei einem Durchschnittsaufenthalt von 2 Monaten etwa 700 bis 800 Patienten pro Jahr und viele tausende in der Ambulanz. Vor allem Frauen und Kinder stellen das Klientel dar. Da bei dieser Erkrankung eine gute Ernährung der Patienten eine grundlegende Rolle bei der Gesundung spielt, bekommen sie 5 Mahlzeiten pro Tag. Der Verwaltungsdirektor ist in Kuba ausgebildet worden und erzählt, dass Fidel Castro jeden Morgen Moringatee getrunken hätte. Er würde auch gerne Moringapulver in der Ernährung seiner Patienten verwenden. In einem gemeinsamen Projekt könnten wir das erreichen! In der Klinik werden auch Kurse über Ernährung, Hygiene….abgehalten, wobei unsere Naturheilkundebücher wieder eine große Rolle spielen könnten.

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Unsere Partnerorganisation A.D. will in Verbindung mit unserem
Bienenbuch ein Schulbienenprojekt in 2 Umweltschulen einrichten. Die dazu notwendigen Materialien wie Imkeranzug für Kinder, Handschuhe und Werkzeuge sind schon eingetroffen. Bienenkästen werden gebaut, und dann kann es unter Anleitung eines erfahrenen Imkers losgehen. Das Solarlampenprojekt ist abgeschlossen, da infolge der Elektrifizierung einzelner Dörfer nicht mehr der große Bedarf besteht. Im Süden gibt es diverse Aktivitäten in dem von Tabanka e.V. finanzierten „Haus der Frauen“, wohingegen das kleine Krankenhaus in Cabedu weiterhin mit personellen Schwierigkeiten kämpft. Obwohl von Seiten des Gesundheitsministeriums eine dezentrale Krankenpflegeschule im Süden errichtet worden ist, weigern sich die ausgebildeten Schwestern und Pfleger weiterhin auf dem Land zu bleiben. Mit dazu bei trägt sicher der noch immer katastrophale Zustand der Straße und die dadurch totale Abgeschnittenheit in der Regenzeit.

Es ist unglaublich heiß und trocken in Bissau. Der Wind treibt den Staub vor sich her. Abends mit dem Rauch der vielen Herdfeuer entwickelt sich ein gelblicher Nebel in der Hauptstadt.
Es gibt ein breiteres Angebot an Restaurants, inzwischen auch einem chinesischen, und einem neuen direkt am Hafen, wo man draußen sitzen und Obstsäfte genießen kann. Nach der Hitze des Tages eine Wohltat. Direkt am Pier liegen 2 große Containerschiffe. Zwei auf einmal! Was war es vor 35 Jahren für ein Ereignis, wenn in großen Abständen wieder einmal ein Schiff gekommen war. Und jetzt sogar zwei! In der Dunkelheit noch ein paar Einkäufe, etwas Brot zum Abendessen, kleine Wasserflaschen und Cachacaschnaps zur Herstellung von Arznei-mitteln, Aufladen unserer Telefonkarte. Die Telefonnummern haben sich seit dem Herbst auf 9 stellige Zahlenkombinationen erhöht.

Dann müssen wir uns noch um das 2jährige Kind einer jungen guiniensischen Familie kümmern. Seit seiner Geburt ist es immer wieder krank und hat Probleme mit der Atmung. Nach einer monatelangen Behandlung mit Antibiotica hat der behandelnde Arzt sie nun zu einer Ärztin mit Kenntnissen im HNO Bereich geschickt. Sie und auch die italienische Ärztin sind zu der Diagnose gelangt, dass das Kind stark vergrößerte Polypen und Mandeln hat und dringend operiert werden müsste. Aber wo? In GB gibt es niemanden, der diese kleine Routine- Operation vornehmen könnte, in Dakar, der Hauptstadt des Nachbarlandes Senegal, wäre es möglich, aber die Gesundheitsministerien haben keine Vereinbarung, also bleibt nur Portugal übrig. Das bedeutet, dass die Eltern sich jetzt monatelang um eine Erlaubnis und Kostenübernahme der Regierung bemühen müssen. Und der Kleine bekommt wirklich kaum Luft. Das Schlafen ist eine Katastrophe, immer wieder wacht er atemringend auf. Die Eltern sind schon total erschöpft. Wir tun, was wir können, um sie zu ermutigen.

Bis gegen Mitternacht Vorbereiten des kommenden Tages, immer mit den Fragen „was war noch, was müssen wir noch machen, mit wem müssen wir noch sprechen……………….“

Mittwoch

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Über einen neuen Kontakt kann ich eine kleine gynäkologische Ambulanz in einem Stadtteil Bissaus besuchen. Die Straße ist fast unpassierbar und mit Müll übersät. Die Organisation arbeitet schon seit 35 Jahren in GB in der Mutter-Kind-Vorsorge, das heißt, kümmert sich um Schwangerenvor- und -nachsorge, Familien-planung, gynäkologische Probleme und Kinder bis zum 5. Lebensjahr. Im Wartebereich sitzen 15 Frauen, es gibt einen großen Flachbildschirm, Verhütungsmethoden sind aufgehängt, es gibt vereinzelt didaktisches Material, gezeichnet von denselben Karikaturisten, die auch unser Händewaschbuch gezeichnet haben. Eine erfahrene Hebamme hält Sprechstunde ab. Der Arzt ist nicht da, in seinem Zimmer sehe ich jedoch eine Unmenge verstaubter, halbliegender-halbstehender Hefte, Berichte, Studien…..Natürlich müssen innerhalb eines Projektes Berichte geschrieben werden, die Frage ist nur, welche Bedeutung sie haben und welche Konsequenzen daraus gezogen werden, in diesem Land, das noch so sehr in der mündlichen Überlieferung lebt. Der Koordinator ist auch an der Verwendung unseres Heilpflanzenbuches interessiert, gerade während der Wartephase der Patientinnen könnte es gut eingesetzt werden. Ein anderes Thema, das uns beiden wichtig ist, wäre der Sexualkundeunterricht in Schulen. Die Organisation besitzt zwar ein Manual, aber in Französisch. Wir werden sehen, was wir tun können. Der Koordinator ist Ende der 90er Jahre in Russland ausgebildet worden. Sein erster Eindruck von dort war, dass alle Leute wie wild gearbeitet und für kaum etwas anderes Zeit gefunden haben. Verglichen mit GB fast das Gegenteil.

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Mittags holt uns ein junger Spanier ab und bringt uns 150 km in den Norden nach Cacheu, einem der ersten
befestigten Stützpunkte der Portugiesen an der afrikanischen Küste vor 500 Jahren. Herrlich die duftenden Cashewfelder rechts und links der Straße! Wir können uns nicht einigen, ob der Duft eher Lilien oder Jasmin ähnelt. In einer Kooperative, in der wir anhalten, findet gerade die Eröffnung eines neuen Kleinviehprojektes statt, und es gibt köstlichen, aber eiskalten Cashewsaft, den wir trotz der Eiseskälte rasch trinken müssen, da wir sofort weiter müssen und Flaschen in diesem Land kostbar sind. Man kann sie nicht so einfach mitnehmen! Weiter durch hohe Gräser, Palmenwälder, wunderschönen Bissilonalleen (große immergrüne Bäume, deren Rinde ein großes Heilmittel ist und wo jede Verletzung des Baumes mit einem knorrigen Auswuchs beantwortet wird) eine schnurgerade gut asphaltierte Straße entlang. Wenn ein Bus entgegenkommt, wird es allerdings eng. Unterwegs ruft die uns jetzt fahrende brasilianische Schwester in ihrer Station an, damit die Spaghetti rechtzeitig ins Wasser kommen, damit wir sie auch al dente vorfinden. Was sein muss, muss sein und das mitten im „Busch“!

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Nachmittags bin ich zu einem Vortrag über
Teeherstellung eingeladen. Es ist eine nette interessierte Gruppe, die die Fortbildung gierig aufsaugt. Das Teetrinken ist bisher keine ausgeprägte Sitte in GB. Man denkt an Erfrischungstees und auch vereinzelte Heilpflanzentees. Die Ausstattung dieses Zentrums mit Trocknungseinrichtungen ist außergewöhnlich gut, da schon seit einigen Jahren hier „Multimisturas“, Breimischungen, hergestellt werden. Das Lager ist gut bestückt mit verschiedenen Säften und Marmeladen, die Trockner mit Baobabsamen gefüllt. Es ist die Zeit der Reife dieser großen Samenkapseln, und auf den Märkten kann man überall das gestampfte Pulver kaufen.

Abends machen wir einen Spaziergang an den Hafen. Das Wasser in diesem Meeresarm ist ganz ruhig. Der Himmel verfärbt sich im Abendrot. Ein Mann fängt Krebse, indem er einen flachen Korb mit einem Köder darin auf den Meeresboden hinab lässt. Ein großer Gemüsegarten mit viel Salat, Kohl, Auberginen, in dem die Frauen gießen, die ich kurz zuvor im Kurs unterrichtet habe. In dem öffentlichen Gebäude daneben wird ein Film gezeigt, für den Eintritt muss man ein paar Cent zahlen, wird aber sehr in Anspruch genommen. Am Hafen steht ein großes, fünfstöckiges Hotel im Rohbau. Wer mag wohl hierherkommen, oder ist etwa das Anlegen von Kreuzfahrtschiffen geplant? Aber die brauchen ja eigentlich kein Hotel. Auch das von Pepito initiierte Museum zur Geschichte der Sklaven (aus diesem Teil Afrikas sind viele Menschen als Sklaven in die neue Welt verschleppt worden) steht noch immer als Rohbau. Wir hoffen, dass es vollendet wird.

Zum Abendessen gibt es unter vielen Köstlichkeiten eine Baobabcreme, angerührt aus dem Baobabpulver mit Kondensmich, Schlagsahne und gerösteten Kokosraspeln. Nach einigen ärztlichen Beratungen beziehen wir unser Zimmer, ganz liebevoll hergerichtet, die Handtücher dekorativ auf dem Bett ausgebreitet, wie in einem Sternehotel und dazu noch eine hübsch gestaltete Willkommenskarte „boa tschigada“ herzlich willkommen.

Ruhig ist es hier, ein bisschen Hundegebell und dann kurze Zeit die Fanadogruppe, die Krach macht. Fanado ist der Übergangsritus der Männer der ethnischen Gruppe Balante. Ein Balantemann muss diesen Ritus bestehend aus 2 Monaten durch die Dörfer ziehen und sich präsentieren und danach 3 Monate verborgen im Busch verbringen in egal welchem Alter absolvieren, um als vollwertiger erwachsener Mann zu zählen. Letztes Jahr war der Fanado wegen der Ebolagefahr ausgesetzt worden. Dieser Ritus kann auch nur abgehalten werden, wenn genügend Reis in der Bevölkerung vorhanden ist, weil er wegen der vielen vorher zu veranstaltenden Feste für den einzelnen sehr teuer ist.

Donnerstag

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Ein Fahrer holt uns überpünktlich um 7.45 ab und bringt uns nach Baschil. Das ursprünglich portugiesische Fort der Kolonialzeit war zwischenzeitlich vom Landwirtschaftsministerium genutzt worden, bevor es vor 3 Jahren von einer internationalen Organisation als Lehrerausbildungsstätte übernommen worden ist. Nach einer Eingangsprüfung leben die Schüler hier für 3 Jahre mit dem Direktor und den Lehrern im Internat. Es gibt einen strenge, im Wochenrhythmus vorgeschriebenen Lehrplan. Im 2.Ausbildungsjahr werden schon Praktika in den Schulen der umliegenden Dörfer gemacht und im 3. Jahr wird mit einem großen Bus eine Rundreise durch Guinea-Bissau und die umliegenden Länder Mali, Burkina Faso und Senegal unternommen. Dabei wird in den Dörfern der Kontakt mit der Bevölkerung gesucht und die gesellschaftlichen Strukturen auch im Hinblick auf Schul- und Gesundheitswesen studiert. Der Blick wird geweitet, nicht nach Europa sondern in die umliegenden Länder. Toll!

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Auch die diplomierten Lehrer kommen regelmäßig in die Schule zurück, bekommen Supervision und Fortbildung. Der Umgangston ist freundlich und höflich. Jeder Schüler betreut ein Beet in einem
großen Gemüsegarten. Die Tomaten werden mit einer Spritzbrühe aus Tabak und Piripiri behandelt. Innerhalb des Zaunes waren ursprünglich Moringapflanzen gesetzt worden, aber da sie minimal außerhalb der individuellen Beete standen, hat sich niemand verantwortlich gefühlt und sie sind eingegangen! Es soll ein neuer Versuch gemacht und der Garten außerdem vergrößert werden bis hin zum Selbstversorgen.

Das Team hat sich eine Fortbildung in Kräuterheilkunde mit dem 2.Jahrgang gewünscht. Alles ist gut organisiert, mein Buch und auch meine Broschüre sind verteilt. Ich bespreche den medizinischen Wert von einzelnen Gemüse- und Obstarten, wie Moringa, Zwiebel, Knoblauch, Papaya, Zitronen…………Die Schüler arbeiten sehr interessiert mit, allerdings müssen wir die Teezubereitung mehrfach üben. Sie würden gerne die Blätter ewig auskochen anstatt sie aufzubrühen.

Beim Mittagessen Händewaschen und ein sehr respektvoller Umgang miteinander. In der Nachmittagsperiode ist es unerträglich heiß, und das Thermometer klettert wieder über 40°. Drei große Ventilatoren verbessern die Situation wesentlich. Letztendlich schaffen wir das Programm nicht ganz. Alle sind ganz begeistert und voller Motivation. Ein Heilpflanzengarten ist schon vorbereitet und wir diskutieren, welche Pflanzen dort kultiviert werden könnten. Dieser Garten soll ein Vorbild für ähnliche Aktivitäten in den einzelnen Dörfern werden. Es bestehen schon Wünsche für das nächste Jahr: ein Solartrockner auch als Beispiel für die Arbeit draußen, ein Besuch im Heilpflanzengarten von Nhabijon und auch in unserer Apotheke in Mansoa.

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Rückfahrt nach Bissau. Ich liebe sie, dies Abendstunden, wenn die Hitze abnimmt, das Licht milder wird, die Pflanzendüfte wieder stärker werden, die Anspannung, ob und wie man den Tag schaffen wird, ob die Botschaft gut rüberkommt, abfällt, eine Zufriedenheit sich Platz verschafft und man sich nur noch nach Dusche und Ruhe sehnt.

Aber mit Ruhe ist es erst einmal nichts. Der Bischof Zé Camnate ist von einer Tagung zurückgekommen und zeitgleich 5 Italienerinnen, die ihren Urlaub mit Hilfstätigkeiten hier verbringen wollen. Ihre lautstarke, aufgeregte Erwartung kann man schon von draußen hören. Das Essen dauert mit den vielen Gesprächen länger als sonst, eigentlich muss ich noch den nächsten Tag vorbereiten, aber so lange der Bischof nicht aufsteht, kann ich das auch nicht tun. Schließlich wird das Obst herumgereicht. Die Italienerinnen haben Mandelhörnchen aus Sizilien mitgebracht. Als nächsten Gang gibt es noch einen köstlichen Willkommens-Kuchen und da würde doch ganz gut ein Schlückchen Portwein dazu passen, meint der Bischof. Es nimmt kein Ende!

Freitag

Um 8 Uhr Besprechung mit dem Bischof. Das im September ausgearbeitete Projekt zur Neugestaltung der Produktionsstätte für die Naturheilmittel ist von der EU nicht genehmigt worden. Einen Teil, der vorgesehen war, das heißt die Baumschule für bedrohte Arten, eine große Moringaanpflanzung und den Heilpflanzengarten würden wir dennoch gerne lieber heute als morgen verwirklichen. Von Seiten des Bischofs besteht nach wie vor das Angebot, ein großes umzäuntes Gelände mit Brunnen zu nutzen. Nächste Woche wollen wir es mit der Medizingruppe besuchen.

Der kleine Ableger der Naturapotheke in Caritas wird so sehr in Anspruch genommen, dass sie die Öffnungszeiten auf drei Nachmittage erweitern mussten. Der ehemalige Chef der Gruppe hat die Verantwortung übernommen und hält regelrecht Sprechstunden ab. Manchmal warten 20 Patienten bis sie drankommen. Inzwischen verschreiben schon einzelne Ärzte die
Naturheilmittel. Es besteht eine so große Nachfrage nach Sirup gegen Hepatitis, dass die Gruppe gar nicht mit der Produktion nachkommt und viele Patienten umsonst kommen.

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Fahrt nach Cumura. Eine enge Straße, deren Asphalt auf beiden Seiten unregelmäßig abgebrochen und damit nur einspurig befahrbar ist, vor uns ein Sammeltaxi, das bei jedem Haus anhält. Cumura war in den 80er Jahren eine große Anlage der Franziskanerpadres, heute gibt es dort eine kleine Frauenklinik, eine kleine Kinderklinik, eine Einrichtung für unterernährte Kinder und ein großes Krankenhaus für AIDS Kranke. Ein ganz herzlicher Empfang durch die junge guiniensische Ärztin, die den Kontakt ermöglicht hat. Mein Angebot besteht in einer Fortbildung über die zusätzlichen homöopathischen Möglichkeiten bei AIDS Kranken. Leider erkennt der Leiter des Krankenhauses erst jetzt, dass ein Freitag um 10 Uhr ein denkbar schlechter Zeitpunkt für eine ärztliche Fortbildung ist. Wir werden unser Möglichstes tun, diese Fortbildung auf Samstag zu verlegen, auch wenn dieser Tag schon total verplant ist.

Also schaue ich mir stattdessen die Geburtshilfe an, die ich noch von früher kenne. Im unteren Bereich die Wände mit grüner Ölfarbe gestrichen, im oberen weiß gekalkt, macht sie einen sauberen Eindruck. Die Klinik hat einen sehr guten Ruf, die Frauen kommen bis aus Bissau (etwa 15km entfernt) zur Entbindung. 200 Entbindungen pro Monat, davon 10 bis 15 Kaiserschnitte! Da haben wir in Deutschland mit etwa 30% eine ganz andere Zahl! Demnächst wird hier ein OP eröffnet. Bis jetzt muss im großen Krankenhaus operiert werden. Und dann der Bereich für unterernährte Kinder! So klein, so dünn, so mager! Da tut einem das Herz weh. Eine engagierte portugiesische Ärztin macht ihrem ganzen Ärger und Frust, was die überzogenen und irrealistischen Vorstellungen des Gesundheitsministeriums anbelangt, Luft. Wie einfach habe ich es da, nur mit Vorschlägen und Angeboten für kurze Zeit zu kommen, dann aber wieder gehen zu können!

Gesund zu sein und mit den täglichen Schwierigkeiten fertig zu werden, ist schon anstrengend genug, aber krank zu sein, macht das Leben hier unglaublich kompliziert. So erzählt uns ein Mann, der auf das Caritasgelände aufpasst, dass er einen Leistenbruch hatte und dringend operiert werden musste. Er, der höchstens 30-40 000 CFA pro Monat verdient (ein Sack Reis kostet 15 000 CFA), musste für diese eigentlich nicht große Operation 110 000 CFA zahlen. Wir hatten ihm letztes Jahr einen kleinen Vorschuss gegeben, den Rest hat er sich von Verwandten ausgeliehen. Wie soll er den Rest von 70 000 CFA von einem Gehalt zahlen, das kaum zum Überleben reicht?

Nachmittags Fußweg in die Tuberkuloseklinik. Der Raum ist sehr heiß, das Klimagerät funktioniert nicht. Nach und nach kommen 20 Ärzte und Schwestern, um sich ganz interessiert und begeistert mit der homöopathischen Zusatzbehandlung bei Tuberkulose auseinanderzusetzen. Nach dieser Anstrengung tut es gut, ihren Dank zu hören (mit dem Wort „danke“ tut man sich in GB immer noch schwer, man könnte damit den Neid der Geister heraufbeschwören!).

Arnold ist inzwischen am Internet verzweifelt. Er wollte einfach nur die Kursunterlagen für morgen verschicken. Aber nach 1 Stunde hat er aufgegeben.

Es ist ein dauerndes Organisieren, Umdenken, Darandenken, Koordinieren, Absprechen ……….noch dazu in einer für uns fremden Sprache, die wir nur 2 Wochen im Jahr sprechen. Anstrengend, aber vielleicht für die Gehirnfunktion ganz gut.

Wir treffen einige sehr gut ausgebildete und organisierte Leute, die auf ihrem Weg sind, aber auch andere, die unbedingt nach oben wollen, aber das Maß nicht kennen. GB erscheint uns wie eine entwicklungspolitische Spielwiese von unglaublich vielen NGOs, die meisten mit der EU als Geldgeber im Rücken. Viele, vor allem junge Leute, sitzen herum und warten auf ein Projekt. Ein Projekt bedeutet Geld für die nächsten 2-3 Jahre zu haben. Wenn das Projekt aufhört, wird wieder gewartet, bis ein anderes kommt. Wir werden fast wütend über diese Lethargie und mangelnde Eigeninitiative. Aber das sind ganz starke Elemente der Sozialisation. Die Kinder müssen ganz früh lernen „sinta, cala, pera“ setz dich, sei ruhig und warte.

Es ist Freitagabend und das Diskoauto fährt wieder durch die Gegend! Am Abend bekomme ich von einer Freundin ein Moringa Eau de Toilette geschenkt. Sie hatte es in Portugal gesehen „und da wusste ich sofort, wem ich es schenken muss!“ Ein ganz spezieller Moment!

Samstag

Am Morgen reist ein Bekannter extra, um mit uns zu sprechen, mit einem Sammeltaxi aus dem Norden heran. Er arbeitet mit Schulen und Frauengruppen und kann unser Naturheilkundebuch sehr gut einsetzen. Wir versuchen seine Arbeit noch etwas gedanklich auszuweiten und hetzen auch schon wieder weiter. Ein Taxifahrer will uns für 5 000 CFA nach Cumura fahren, der nächste für 2 500. Also wieder der schwierige Weg, und in Cumura ist schon wieder nichts organisiert! Meine Freundin muss unvorhergesehen operieren und deckt mit 4 Kaiserschnitten an diesem Vormittag fast schon den halben Monatsdurchschnitt ab.

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Außer einem kubanischen Ärzteehepaar kommen nach und nach
drei junge guiniensische Ärzte herbei. Es erfolgt keine Begrüßung, keine Vorstellung, nichts. Man spürt frostigen Widerwillen. Eine junge Kollegin behauptet, sie hätten alle Mittel in GB, um AIDS zu behandeln, von den homöopathischen hätte sie in Portugal noch nie etwas gehört, wo denn die Studien wären……………Auch der kubanischen Ärztin wollte sie nicht zuhören, die erzählte, dass die Homöopathie in Kuba einen wichtigen und der Schulmedizin gleichberechtigten Teil in der Medizinerausbildung darstellt. Keine Verabschiedung, und wir sind wieder gegangen. Die Kubaner haben uns in die Stadt mitgenommen und eine halbe Stunde in rasantem Spanisch auf uns eingeredet und ihrer Entrüstung über eine solch arrogante Behandlung Ausdruck verliehen. Uff!

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Besuch in der kleinen Schneiderinnenwerkstatt. Die Frauen begrüßen uns voller Freude. Sie haben mit dem Mittagessen auf uns gewartet und wir sitzen unter dem Cashewbaum im leichten Wind, und der Frust fällt von uns ab. Eine kobaltblau schillernde Amsel stibitzt einige Reste unseres Essens.

Wir haben die gewünschten Schnallen für Taschen mitgebracht. Mit der Schneidematte und mit dem Messer probiert jede das Schneiden eines exakten Stoffquadrates aus. Sie freuen sich, jetzt exaktes Patchwork herstellen zu können. Sie haben für uns viele Beutelchen und Täschchen fertiggestellt, die wir bei unseren Tombolas verlosen können. Mir werden Neuigkeiten gezeigt, wie sehr akkurat gefertigte Einkaufstaschen aus Jeansstoff, ein weißes, mit Perlen besticktes Hochzeitskleid und ein Teppich, gefertigt aus lauter Stoffschlaufen von etwa 2,5m Durchmesser. „Dottora, kannst du schnell nochmal die Kette erklären?“ Und schon ziehen sie die Kette zur Familienplanung hervor. Wir gehen sehr freundschaftlich auseinander.

In einem Stadtteil haben wir noch ein Treffen mit einer Gruppe junger Männer, die Feiwilligenarbeit im Bereich Hygiene und Gesundheitserziehung machen. Wir hätten uns eine Zusammenarbeit mit Ihnen vorstellen können, als sie uns dann aber rudimentär ausgearbeitete Projekte mit einem Finanzbedarf zwischen 10 und 20 000 Euro überreichen, sehen wir davon ab. Sie haben es halt mal versucht.

Sonntag

Wie jeden Morgen angenehm kühl, und wir stellen unseren Tisch zum Frühstück nach draußen. Herrlich das vielfältige Vogelgezwitscher! Und plötzlich steht der junge Mann da, mit dem ich vor ein paar Tagen in der Radiostation ein paar Worte gewechselt habe, und der sich seitdem an unsere Fersen geheftet hatte. Er ist Musiker und hat uns auserwählt, ihm ein Musikstudium im Ausland oder wenigstens ein Tonstudio in Bissau zu finanzieren. Und wenn unser Verein das nicht kann, dann könnten wir es doch persönlich für ihn tun. Unglaublich, dieses Selbstbewusstsein! Jeder Weiße scheint als das personifizierte Kapital durch die Gegend zu laufen.

Schnell noch eine Kurzsprechstunde und dann die Einladung von Freunden aus den alten Zeiten. Wie gut tut es, von damals zu reden, wie interessant ist es, Zusammenhänge erklärt zu bekommen und Analysen über die bestehende Situation zu diskutieren. Aber auch wie deprimierend!

Wir sind zu Hause noch nicht richtig aus dem Auto gestiegen und schon steht Nelson, der Chef der Inselkooperative, vor uns. Er hatte uns einen sehr ambitionierten Projektentwurf geschickt. Die Gruppe will Medikamente aus Heilpflanzen der Insel herstellen, in Bissau eine Apotheke bauen und sie dort verkaufen, mit Heilkundigen zusammenarbeiten, sie ausbilden, in Schulen unterrichten………………………Mit welchem Ausbildungshintergrund????????

Ich mache ihm klar, dass wir solch ein Vorhaben auf keinen Fall unterstützen und der Medizingruppe, die wir jetzt seit 11 Jahren begleiten und ausbilden, treu bleiben werden. Er selbst war früher ein Mitglied der Gruppe, ist aber seit vielen Jahren ausgestiegen. Wenn wir ihn unterstützen würden, würde das zum Auseinanderbrechen der gesamten Gruppe führen und jeder könnte dann Unterstützung für ein eigenes Projekt fordern. Er versteht unsere Haltung und denkt ein Treffen mit der Gruppe an, um sich wieder anzunähern. Ob das möglich ist nach den vielen Dissonanzen in der Vergangenheit, wird die Zukunft zeigen.

Seit letztem Jahr ist eine Baumschule an der großen Straße zum Flughafen entstanden, und wir probieren, nochmals ein Limettenbäumchen mitzunehmen. Das vom September haben wir nicht über den Winter gebracht. In Bissau wieder der abendliche Smog. Packen und differenzieren, was dagelassen und was ins Landesinnere mitgenommen wird. Netter Abschied nach dem Abendessen in der Kurie. Die 2. Woche wird von Reisen ins Landesinnere ausgefüllt sein.

Montag

6.30 Uhr Frühstück. Am Himmel liegt eine ganz schmale Mondsichel auf dem Rücken, ein heftiges Vogelgezwitscher begrüßt den neuen Tag.

Wir fahren durch unglaublich dichten, für die Jahreszeit ungewöhnlichen Nebel nach Mansoa. Man versteht gar nicht, wo diese Feuchtigkeit herkommt bei sonstigen Luftfeuchtigkeits-werten von 30%.

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In Mansoa ganz herzliche Begrüßung durch die
Medizingruppe. „Wie war die Reise? Wie geht es den Kindern zu Hause…………?“ Das Schild an der Apotheke ist renoviert, und die abgebildeten Kräuter strahlen in frischem Grün.

Wir fahren mit der Gruppe auf das angedachte Gelände für die Baumschule. Es ist 7ha groß, eingezäunt. Vor Jahren haben ein Padre, Schwestern und einige Familien in christlicher Gemeinschaft hier gelebt. Die Gebäude sind noch vorhanden, ein Brunnen mit Wassertank ebenso, aber die Solarpanels fehlen natürlich. Reste von den Gemüsegärten und den Obstanlagen werden von dem Verantwortlichen gepflegt. Für unser Vorhaben ein guter Ort. Auch der Verantwortliche findet die Idee gut und könnte sie mit einer weiteren Hilfskraft umsetzen. Da ein Mitglied der Medizingruppe in der Nähe wohnt, könnten sie sich gut ergänzen. Es ist ein wunderschöner, einsamer Ort, fern von allem Lärm. Hier ein paar Wochen zu verbringen, könnte ich mir gut vorstellen.

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Wir streichen durch den nichtbebauten Busch und suchen Heilpflanzen. Ich allen Tropen-ratgebern zum Trotz wie die Afrikaner in Flip-Flops. Aber es ist ja Trockenzeit und die Schlangen weit. Die Voraussagen bewahrheiten sich, nach diesem Nebel wird es extrem heiß. Die Männer versuchen mit ihren Hacken
Wurzeln der trockenen und harten Erde zu entreißen. Schwerstarbeit. Zu jeder Pflanze wissen sie unglaublich viele Geschichten. Allein einmal diese Geschichten aufzuschreiben, wäre eine spannende Aufgabe.

Nachmittags fährt Arnold nach Bissora, um sich um Bienen und die Bienengruppe zu kümmern und wir fangen wir mit unserem „Laborkurs“ an. Inzwischen ist auch die Gruppe aus Contubuel eingetroffen. Die gesamte Gruppe hat in den letzten Monaten viel Aufmerksamkeit erlangt. Nicht nur von den Patienten und Ärzten wird sie mehr beachtet, auch ein Fernsehteam hat eine Sendung mit ihnen gemacht, und ein Gruppenmitglied ist über das Gesundheitsministerium eingeladen, an einem 1 wöchigen Kurs über Kräutermedizin in China teilzunehmen. Die Gruppe hat viel produziert im vergangenen Jahr, so dass der Erlös für die Einzelnen ein gutes Zubrot darstellt.

Mit dem Büchlein Medicina natural sind einige Kurse abgehalten worden, und im Süden besteht der Wunsch nach weiteren. Wenn ich sehe, welch große Schwierigkeiten sogar gebildete Leute mit dem Lesen haben, ist vielleicht der Weg einer verständlichen Bildersprache immer noch der einfachere.

Als Thema haben wir uns die pharmakologisch genaue Extraktion von Pflanzenstoffen vorgenommen. Wie stellt man Pflanzenauszüge mit Wasser, Alkohol, Öl…her?

Ein etwas trockenes Thema, das aber mit großem Interesse verfolgt wird. Trotz der Hitze in dem Raum und trotz der abendlichen Moskitoschwärme.

Ich bin froh über das Moskitonetz über meinem Bett.

Dienstag - Medizingruppe

Das nächtliche Hundegebell wird vom frühmorgendlichen Vogelgezwitscher abgelöst. Heute ist der „dia das mulheres“, der Frauentag. Viel Gefrotzel, aber mittags Festessen mit Kuchen und ausnahmsweise Dosengetränken vom Markt.

Unverdrossen wenden wir uns wieder unserem Thema zu und wiederholen zum 4.Mal die Verdünnung von Alkohol. Inzwischen klappt es schon ganz gut mit der Berechnung. Die Gruppe findet das Thema so spannend, weil sie sehen, dass sie sparen können, wenn sie statt des teuren 96%igen Alkohols auch 70 oder 50%igen verwenden können. Sonst haben sie ihre Auszüge 2 bis 3 Stunden gekocht, und eigentlich reicht eine halbe Stunde, was eine große Zeitersparnis, aber auch ein Einsparen an Brennholz bedeutet. Mit den neugelernten Vorgaben wird es sich schneller und effektiver arbeiten lassen.

Eigentlich wollen wir nachmittags einen Sirup herstellen, aber weder in Bissau noch in Bafata gibt es größere Zuckermengen auf dem Markt. Eine Folge der Grenzschließung zwischen Gambia und Senegal. Wir stellen 10 Liter eines niedrigprozentigen Alkohols her und eine alkoholische Tinktur mit den ausgegrabenen Wurzelteilen. Das Produzieren von Eukalyptusbonbons klappt ganz gut und trifft auf sehr viel Resonanz. Bisher haben wir aber noch keine passende Produktbezeichnung gefunden. Amendoas, Pastilhas………….? Mit einer mitgebrachten Ölmühle versuchen wir Moringaöl zu gewinnen. Leider klappt das nicht so wie zu Hause. Vielleicht waren die Samen noch zu feucht.

Abends gibt es eine köstliche Nudelsuppe. Erst später erfahre ich, dass die Grundlage nicht der neue, überall beworbene Hühnermaggiwürfel war, sondern meine mitgebrachte frische Gemüsebrühe, die ich seit Monaten zum Test außerhalb des Kühlschrankes aufbewahrt hatte. Ein kleiner Versuch, es mit einem großen mächtigen Konzern aufzunehmen. Viele sind begeistert und wollen in Produktion gehen. Mal sehen!

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Bei einem Gang durch die Apotheke habe ich einiges zu bemängeln, was Sauberkeit und Ordnung anbelangt, und das spreche ich auch ganz offen an. „Du darfst das, du gehörst schließlich zur Familie“! Vom Ältesten der Gruppe, der sicher 10 Jahre älter ist als ich, werde ich respektvoll mit „tia“, Tante, angesprochen. Untereinander sprechen sich Guinienser gerne mit „Bruder oder Cousin“ an, wenn sie in etwa gleichaltrig sind. Ältere werden mit „Mutter oder Tante“ angeredet. Mich mit Tia anzusprechen, bedeutet, sich nicht auf die gleiche Ebene stellen zu wollen, aber mir doch zeigen zu wollen, dass ich dazu gehöre.

In freien Minuten bekomme ich ganz viele Probleme und Lebensgeschichten anvertraut. Wie anstrengend ist das Arrangieren des Leben hier, die Arbeit, kranke Kinder, das Schulgeld …………..ja, wir kennen uns nun 11 Jahre, und es besteht eine stabile Vertrauensbasis.
Nachts zieht wieder eine Fanadogruppe laut trommelnd und singend die Straße rauf und runter. Hat schon was Archaisches, Mystisches.

Mittwoch-Medizingruppe

Ein paar Kilogramm Zucker sind aufgetrieben worden. Wir stellen einen Pflanzenauszug her. Anziehen der grünen Arbeitskleidung. Genaues Abmessen. Kochen in einem riesigen Topf auf offenem Feuer mit riesigen Holzprügeln. Es raucht heftig, alle klagen über tränende Augen. Der Ofen müsste verbessert und der Rauch nach draußen abgeleitet werden. Bis ich dazukomme, kocht die Flüssigkeit heftig und letztendlich ist schonein großer Anteil verdunstet. Auch hier ist wieder Sparen angesagt. Zuletzt noch das Aufkochen mit Zucker. Auffallend auch hier das Warten auf den nächsten Schritt, anstatt schon vorher Vorbereitungen dazu zu treffen.

An diesem Tag beschäftigen wir uns mit der Revision der Rezepte und sehen im Vergleich mit der erstellten Liste der geprüften Wirkungen der einzelnen Heilpflanzen, dass einige Änderungen vorgenommen werden müssen. Um 19 Uhr fehlt immer noch ein Teil, aber die Gruppe will die Arbeit zu Ende führen. Alle sind eifrig bei der Sache, keiner schläft. Die Mücken fallen wieder ein, der Generator wird in Gang gesetzt, damit wir Licht haben. Endlich haben wir es geschafft, aber der Sirup muss noch abgefüllt werden. „Können wir das nicht auf morgen verschieben?“ Nein! Also den Laborkittel übergezogen, die Haube aufgesetzt, die Handschuhe angezogen und los geht es. Um 22 Uhr essen wir alle völlig erschöpft, aber sehr zufrieden mit uns und unserer Arbeit das Abendessen.

Bienenkurs von Arnold in Bissora – Montag – Dienstag - Mittwoch

Nach einer Stunde Fahrt bei 40° im Schatten über eine rostbraune Staubstraße, wobei man immer die Fenster schnell hochkurbeln muß, wenn ein Auto entgegenkommt, pflügen wir uns durch die tiefen Gräben und abfallbedeckten Löcher Bissoras auf Dinos Haus zu. Ein heißer Tee muntert wieder etwas auf. Kurze Absprache über die Fortbildung morgen und ab geht’s zu „A Maneira“ ins einzige Hotel am Platz, das einem ehemaligen Minister gehört und gleichzeitig auch als Discoteca fungiert. Eine Bruthitze im Zimmer, aber um 20.00 Uhr werfen sie den Dieselgenerator an, und dann gibt es etwas kühle Luft.

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Die
Imkerfortbildung beginnt am Dienstag um 10.00 Uhr, zuvor eine Butterstulle und pappsüßer Tee. Statt der erwarteten 40 Imker kommen nur 10, aber einige sind recht interessiert. Ein erfahrener Imker vom ehemaligem SWISSAID Bienenprojekt in Jalicunda, er heisst mit Namen Abelho, so wie die Biene auf portugiesisch heisst, bringt seine eigenen Erfahrungen mit ein und belebt damit die Diskussion. Ich erläutere den Körper, die Sinne und die Funktionen der Biene, die Verarbeitung des Blütensaftes zu Honig, die Erzeugung von Wachs und Propolis sowie die Bekämpfung von Schädlingen wie dem kleinen Beutenkäfer, den Achim bereits vor Ort entdeckt hatte.

Achim, der Bienenvater von Dino und Insektenforscher, war zeitgleich mit uns angekommen, jedoch sofort vom Flughafen aus nach Bissora gereist, um dort Insekten zu fangen und zu bestimmen. Bei der Besichtigung von vielen Bienenbeuten in der Region fällt auf, dass nur einige wenige Bienenbeuten mit Bienen bevölkert sind. Wir vermuten, dass evtl. die Larven des kleinen Beutenkäfers die Bienen zur Aufgabe ihrer Behausungen gezwungen haben. Vielleicht besitzen die afrikanischen Bienen ja auch einen starken Migrationsdrang und ziehen erst mit der Vollblüte der Caju- und Mangobäume in ihre Bienenstöcke ein. Ein weiteres Problem könnte das fehlende Wasser sein, das in der heißen Trockenzeit zur Kühlung gebraucht wird und nicht immer in der Nähe zu finden ist. Über das Verhalten der Bienen in dieser Region weiß man leider noch viel zu wenig.

Obwohl heute „Dia das mulheres“ (Internationaler Frauentag) ist, gibt es pünktlich um 14.00 Uhr Mittagessen, riesige Portionen Reis mit Huhn und Soße. Danach Absprache des weiteren Programms und der weiteren Arbeiten in der Honigsaison.

Abends um 20.00 Uhr mit dem Einschalten des Dieselgenerators beginnt es aus den mannshohen Lautsprecherboxen zu dröhnen. Die Frauengruppen wollen heute ihren Tag in der Disco feiern, wird mir gesagt. Allerdings ist nicht viel los, und um 23.00 Uhr wird die Disco geschlossen, so dass ich doch noch eine geruhsame Nacht erlebe.

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Mittwoch um 8.00 Uhr geht es nach Có zum alten Imker Francisco. Dort soll ich ebenfalls die Fortbildung für die dortigen Imker abhalten. Der Regionalkoordinator von SWISSAID ist ein sehr alter Hase, was Bienenprojekte angeht – dieses ist bereits sein drittes Bienenprojekt. Die
Fortbildung in der einfachen Dorfschule läuft sehr gut, mit reger Diskussion. Besonders über den kleinen Beutenkäfer wird heiß diskutiert. Wie soll man denn den Befall der Beuten tagsüber kontrollieren, wenn die afrikanischen Bienen so aggressiv sind, wird gefragt. Achim wiederspricht sofort als er das Wort aggressiv vernimmt und streitet vehement ab, dass die Bienen aggressiv sind, sie sind sehr defensiv, sagt er. Sie verteidigen ihre Brut und ihren Honig. Ein Hin und Her, Kopfschütteln, erregte langanhaltende Diskussion in Crioulo.

Ich stelle noch unser Bienenbüchlein für die Schüler vor, das sehr großes Interesse findet. Einer will gleich die Verständnisfragen am Schluss beantwortet haben.

Der Regionalkoordinator bedankt sich ausführlich für die Fortbildung und die offene Diskussion, wiederholt viele wichtige Punkte und beauftragt Franzisco, die wichtigsten Informationen für alle nochmal schriftlich zusammenzufassen.

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Nach einer kurzen Besprechung der ortsansässigen Imker will Achim Francisco und Dino zeigen, dass die Bienen nicht aggressiv sind, wenn man behutsam mit ihnen umgeht. Francisco zieht Gummistiefel, Ganzkörperanzug und dicke Handschuhe an und sieht aus wie ein Männchen vom anderen Stern. Achim und Dino schützen sich nur mit Kopfhauben. Bereits beim Öffnen der ersten Topbar-Kiste findet Achim auch hier den kleinen Beutenkäfer. Mit gezieltem Raucheinsatz und ruhiger Hand zeigt sich, dass die afrikanischen Bienen auch ohne Schutzhandschuhe begutachtet werden können. In der zweiten Beute unter den Cajubäumen sind sehr viele Käfer beim Öffnen gleich davon gesaust. Der kleine Beutenkäfer ist also überall vorhanden, was bisher gar nicht bekannt war. Es wird ja auch nur nachts der Honig entnommen, wobei eine gezielte Kontrolle gar nicht möglich ist. Da jedoch bisher kein starker Wabenbefall mit Larven des Käfers beobachtet worden ist, ist anzunehmen, dass der Käfer erst in den letzten Jahren in Guinea-Bissau eingewandert ist.

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Francisco, der ganz verdattert ist, dass die Bienen Achim nicht gestochen haben, obwohl sie zusammen einen ganzen Stock in aller Ruhe durchgeschaut haben, serviert noch ein verspätetes Mittagessen und bedankt sich mit einem Glas frisch geschleudertem Blütenhonig. Um 17.00 Uhr sind wir in Bissora zurück und besuchen noch die Bienenkästen in den Mangrovenbäumen am Flussufer. Dort sind 5 verschiedene Beutentypen aufgehängt, und alle sind mit Bienen besetzt. Das Beernten der Beuten ist allerdings sehr umständlich und stört die Bienen so stark, so dass sie sich vehement verteidigen. Das Abfackeln, wie es früher und zum Teil in den Dörfern heute noch gemacht wird, ist für die Imker ohne Schutzanzug deshalb die einfachste Methode der Honigernte gewesen, um nicht ganz verstochen zu werden. Die Probleme des behutsamen Umgangs mit den Bienen, der häufigeren Kontrolle der Beuten sowie der Bekämpfung des Beutenkäfers mittels spezieller ölhaltiger Fallen bleiben bei der derzeit praktizierten Imkerei bestehen. Eine Änderung dieser Praxis ist mit adaptierten, leicht zu kontrollier- und beerntbaren Beuten, die an geschützten Orten am Boden aufgestellt werden, noch am einfachsten zu erreichen. Schwieriger ist es, das Verhalten der Imker zu verändern, die es gewohnt sind nachts mit Feuer die Honigernte durchzuführen. Ihre Angst vor Stichen erschwert eine Kontrolle der Beuten bei Tageslicht. Von einer behutsamen Pflege und Hege der Bienenvölker ist man noch weit entfernt.

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Das Anfertigen von einfachen Draht-Zementröhren, wie wir es im Jahr zuvor versuchsweise eingeführt haben, hat sich bisher nicht bewährt, da es in den Röhren zu heiß wird und die Verschlussdeckel nicht gut angepasst waren. An diesen Problemen muss weiter gearbeitet werden, wenn auch sich die Imker immer wieder schöne neue europäische Holzbeuten und dazu eine Zentrifuge wünschen. Leicht kontrollierbare, einfache
Topbar-Holzbeuten, die mit Termitenschutz am Boden aufgestellt werden, sind deshalb wohl derzeit am besten geeignet, die Probleme zu bewältigen.

Am Donnerstagmorgen gibt es schon wie versprochen um 7.00 Uhr Frühstück, Omelett mit Zwiebeln und schwarzen Nescafe, das Brot dazu kommt verspätet. Auf der Rückfahrt nach Mansoa lassen wir Achim an einem feuchten, sumpfigen Waldrand aussteigen und er begibt sich auf die Jagd nach den noch nicht erforschten und namenlosen Insekten von Guinea-Bissau.

Donnerstag in Mansoa

Die lautstarke Kommunikation der Hunde wird schon vor dem Morgengrauen von dem nicht minder lautstarken Gekrähe der Hähne abgelöst.

Letztes Aufräumen, der Ofen ist noch von dem übergelaufenen Sirup verkrustet, ein letztes Behandeln, freundlicher Abschied und wir fahren weiter nach Nhabijon, dem ländlichen dem Seminarzentrum von Caritas. Die Zufahrtstraße ist von einer spanischen Firma nivelliert worden. Allerdings ist das Zentrum übers Ohr gehauen worden. Von Spaniern! Man ist empört.

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Es gibt noch viel Grün; Karotten, Zwiebeln, Kohl, Auberginen, Paprika. Viele
Papayastämme liegen schief und werden die Regenzeit wohl nicht aufrecht überleben. Der Maniok bildet einen richtigen Wald. Der Techniker berichtet, dass er gute Erfahrungen mit den mitgebrachten homöopathischen Mitteln im Garten gemacht hat. Auch die Blätter und Früchte des Neembaumes werden zunehmend als Insektizid eingesetzt. Unser Solartrockner hat ein neues Metallgestell bekommen, nachdem die Termiten das Holz aufgefressen hatten.

Wir diskutieren lange, wie man Djanderé, die Pflanze zur Malariaprophylaxe und auch Malariabehandlung unter experimentellen Bedingungen anzubauen könnte. Das Pulver dieser Pflanze, das von der Gruppe in Contubuel hergestellt wird, findet zunehmend Abnehmer. Der Absatz wird sich noch steigern, wenn wir die „casas das maes“ (Haus der Mütter) miteinbeziehen. Wir befürchten, dadurch den natürlichen Wuchs im Busch zu stark zu dezimieren. Wir planen eine Versuchsanordnung mit verschiedenen Bodenarten, Licht oder Schatten, mit oder ohne Beregnung, mit oder ohne Dünger……………. Der zuständige Techniker will erst einmal vor Ort die Bedingungen und Ansprüche der Pflanze studieren, bevor er sie Mitte Mai dann hier anpflanzt.

Dann unser altes Problem mit Artemisia. Die Anzucht (es wird uns ein kräftiges kleines Pflänzchen gezeigt) und die Verwendung sind kein Problem, aber die Stecklingsvermehrung und das kontinuierliche Gießen auch am Wochenende. Nachdem aber die Gruppe im Kurs den vielfältigen Nutzen von Artemisia gesehen hat, wird noch einmal ein neuer Versuch gemacht.

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Im Heilpflanzengarten ist vieles abgeerntet, die Aloepflanzen blühen jedoch wunderschön, der Bixastrauch hat seine stacheligen Früchte geöffnet und zeigt seine roten Samen, die zum Färben von Speisen, aber auch von Stoff verwendet werden können, und ich beiße in meine erste saftige Cashewfrucht, von der Sonne aufgeheizt. Köstlich! Ein großes Problem für die ganze Anlage sind immer wieder die Ziegen, die aus ihrem Pferch ausbrechen und sich über jedes bisschen Grün hermachen.

Die Bienenkästen wollen wir hinsichtlich des Käfers kontrollieren und versuchen es auch ohne Handschuhe. Die beiden, die am meisten Angst haben, werden gestochen. Die Guinienser sind es einfach nicht gewöhnt, tags zu imkern und begegnen den Bienen mit sehr viel Angst.

Freitag

Morgens werde ich von der Hühnermama geweckt, die ihren 18!!!Küken ausgerechnet unter unserem Fenster eine lautstarke Erziehungseinheit gibt.

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Fahrt nach Gabu in den Osten des Landes. Auf der Fahrt immer wieder Termine für die letzten beiden Tage ausmachen. In Gabu vereinbaren wir mit der leitenden brasilianischen Schwester, die Malariaprophylaxe für Schwangere in den beiden „Mütterhäusern“ einzuführen. Schwangere Frauen mit Risikofaktoren aus den Dörfern verbringen hier in der Nähe des Krankenhauses den Rest ihrer Schwangerschaft, entbinden unter sicheren Bedingungen und gehen dann hoffentlich mit einem gesunden Kind nach Hause. Malaria in der Schwangerschaft kann für die Frau und auch das ungeborene Kind sehr gefährlich sein. Deshalb wollen wir die tägliche Gabe von Djanderépulver vermischt mit rotem Palmöl wieder beginnen.

Spaziergang über den Markt. Von Maggiwürfeln über Salat, Okra (es ist Okrazeit), geschälten Orangen und den ersten frischen Cashewnüssen ist alles zu haben. Auch an den bunten Stoffen kann ich wieder einmal nicht vorbeigehen.

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Nach dem Abendessen lerne ich die
kleine Sonia und ihre Mama kennen. Sie ist im September auf die Welt gekommen, und, da sie ihren Namen nach mir bekommen hat, hat sie jetzt in ihrer Familie den Spitznamen „mulher grande“, alte ehrwürdige Frau, bekommen. Sorry! Aber eine ganz Hübsche und Zarte!

Samstag

Spaziergang in eine riesige Gemüsegartenanlage. Viele Frauen sind schon früh am Morgen unterwegs, um zu gießen. Aba will mich noch treffen. Ein magischer Moment, als wir von beiden Enden der Straße aufeinander zugehen. Sie kommt gerade aus ihrer Region Boé zurück. Unsere finanzierten Reisschälmaschinen laufen noch, „tok e padi“, so gut, dass sie sogar Kinder bekommen haben. Wie denn das? Für das Schälen von 10kg Reis, muss 1kg Lohn an die Betreiber gezahlt werden, und dabei haben sie so viel eingenommen, dass sie sogar weitere Maschinen kaufen konnten. Herrlich!

Aba hat gesehen, dass auf Grund der durch den großen Fluss isolierten Lage und der ständigen Transportprobleme durch die nicht funktionierende Fähre, viel Obst, vor allem Mangos, in der Region verkommt. Ihre Idee ist, die Dörfer zu unterstützen, Trocknungsgestelle zu bauen, um das Obst trocknen zu können. Später im Jahr könnten eingeweichte Mangos mit Zucker und rotem Palmöl vermischt eine Kraftnahrung darstellen. Eine gute Idee, wir werden Draht und Nägel finanzieren. Aba hat jetzt wieder mehr Zeit und könnte sich vorstellen, auch die Schwangerensprechstunde und die Supervision der Dorfhebammen wieder weiter zu führen. Wir freuen uns darauf!

Frühstück bei einer jungen Frau aus Bangladesch, die für das Zentrum für Unterernährte verantwortlich ist. Unter Arnold bricht plötzlich der Plastikstuhl zusammen und das schon, bevor er mit dem Frühstück angefangen hat.

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Fahrt nach Contubuel, eine schlechte Staubstraße. Große grellgrüne Reisanzuchtfelder, Zwiebelfelder mit vielen kleinen Brunnen, an den Abgrenzungszäunen ist bunte Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Wir besuchen die
Apotheke der Gruppe und besprechen zusammen Verbesserungsmaßnahmen. Die beiden Gruppen haben ihre Aufgaben aufgeteilt. Contubuel ist für Djanderé und für die Produktion von 2 Sirupen zuständig. Außerdem werden sie die Bonbonproduktion anlaufen lassen. Die Schwestern-kongregation hat heute ihren 69.Jahrestag. Ein Grund zum Feiern.

Um 17.30h habe ich noch einen Termin bei einem Direktor des Gesundheitsministeriums. Wir müssen uns also mit der Rückreise nach Bissau beeilen. 31/2 Stunden Weg liegen vor uns. „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass der am Samstagabend kommt!“ die pessimistische Stimme meines Mannes. Wir schaffen es rechtzeitig und der Direktor wartet schon auf uns!

Er will im Juni eine Konferenz zur traditionellen Medizin machen und traditionelle Heiler, Ärzte und die Medizingruppe einladen. Des Weiteren hat er vor, die Apotheken im Caritasgebäude und in Mansoa zu besuchen. Ich freue mich für die Medizingruppe über ihre Anerkennung.

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Noch einige kurze Gespräche und dann noch eine Abendessenseinladung bei einer guten Freundin. Vielen hatte ich es gesagt, aber nicht den Schwestern, wo wir unsere Koffer zwischengelagert haben. Und die hatten extra 2 verschiedene Pizzas für uns gebacken. Oh, wie peinlich! Also haben wir eben 2mal zu Abend gegessen. Dann noch die Koffer packen, Baobabpulver, Cashewkerne, Erdnüsse und unsere Limonenpflanze unterbringen. Nochmals kurz an den duftenden
Cajublüten schnuppern, 2 Stunden schlafen und dann zum Flughafen, wo wir 4 Stunden auf harten Holzbänken, ähnlich der 3.Klasse früher in den Zügen, warten müssen. Das Flugzeug verspätet sich noch um 1 1/2 Stunden. In Casablanca, wir haben ganz hinten im Flugzeug gesessen, steigen wir mit als die letzten aus, müssen auf den Bus warten, und eigentlich ist uns klar, dass wir den Anschlussflug nach Frankfurt nicht mehr bekommen werden. Wird es überhaupt einen weiteren am heutigen Tag geben? Wir fragen einen der Air Maroc Mitarbeiter. „Frankfurt? Hurry up!“ Alle Absperrungsbänder werden für uns geöffnet, wir werden durch die Gepäckkontrolle gedrängt, schnell einen Stock tiefer zum Gate, der Flughafenbus wartet und bringt uns zum Flugzeug. Die Rolltreppe wird schon fast weggezogen…. und wir sind drin! Ein voll ausgebuchtes Flugzeug steht schon eine halbe Stunde abflugbereit und hat nur auf uns gewartet! Ist uns auch noch nicht passiert. Wir haben wieder einen Platz in der letzten Reihe und müssen an ganz vielen unfreundlich aussehenden Gesichtern vorbeilaufen. „Djitu ka ten“, da kann man nichts machen!

Sonja Prexler-Schwab und Arnold Schwab

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